LUXEMBURG
PROF. DR. MARKUS OLLERT

Gestern war der Internationale Tag der Immunologie. Es handelt sich dabei um eine Initiative der Europäischen Föderation der Immunologischen Gesellschaften, die erstmals 2005 gestartet wurde, mit dem Ziel, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Bedeutung des Immunsystems für unsere Gesundheit zu stärken. Aber welche Rolle spielt dieses Immunsystem eigentlich? Unter anderem das erklärt Prof. Dr. Markus Ollert, Direktor des „Department of Infection and Immunity“ am „Luxembourg Institute of Health (LIH)“.

„Die Immunologie studiert das Abwehrsystem des Körpers gegen Bakterien, Viren, Pilze und andere Krankheitserreger, sowie gegen toxische Substanzen. Sie erforscht dabei auch die Fehlfunktionen dieses Abwehrsystems, die bei fast allen chronischen Krankheiten eine Rolle spielen. Das Verständnis der Abwehrmechanismen ist unheimlich wichtig in der Medizin für die Diagnostik und die richtige Therapie.

In Luxemburg wird bereits lange daran geforscht. So hat der frühere Leiter des nationalen Service ‚Allergologie-Immunologie‘ am ‚Centre Hospitalier‘, Dr. François Hentges, maßgeblich zum Aufbau der Allergieforschung am LIH beigetragen und Prof. Claude Muller ist ein weltweit anerkannter Impfungsforscher, der ein von der Weltgesundheitsorganisation WHO akkreditiertes Referenzlabor für Masern- und Rötelninfektionen am LIH entwickelt hat. Das LIH arbeitet nach wie vor sehr eng mit diesen Spezialisten zusammen, und wir konnten auf dieser bereits existierenden Basis in den letzten Jahren eine über die Luxemburger Grenzen hinaus anerkannte Immunologie-Forschungsabteilung aufbauen, die mittlerweile um die 100 Mitarbeiter zählt. Vor fünf Jahren waren es noch 35.

Derzeit forschen wir beispielsweise sehr intensiv am Mikrobiom und seiner Interaktion mit dem Immunsystem. Das Mikrobiom ist die Bakteriengemeinschaft im Darm des Menschen, die eine wichtige Barriere gegen Krankheitserreger und andere schädliche Umwelteinflüsse darstellt. Der ursprünglich aus Indien stammende Forscher Dr. Mahesh Desai untersucht bei uns am LIH, wie sich die Darmkeime des Mikrobioms bei Veränderungen in der täglichen Ernährung verhalten und welche Konsequenzen dies für die äußerste Barriereschicht des Darmes und des darunter liegenden Immunsystems hat. Der aus Kanada zu uns ans LIH gekommene Kollege Prof. Dirk Brenner erforscht den Stoffwechsel der Abwehrzellen. Diese brauchen in kurzer Zeit enorm viel Energie, um Erreger oder Krebszellen neutralisieren zu können. Deshalb ist es wichtig, zu wissen, wie sie dabei unterstützt werden können und welche Details hierbei eine Rolle spielen. Das LIH ist sehr international aufgestellt und konnte sich in seinen Forschungsgebieten ein internationales Renommee aufbauen, was sich auch in den internationalen Rankings von ‚Times Higher Education‘ zeigt, wo das LIH derzeit bei den Forschungsinstituten, die nicht zu einer Uni gehören, auf Platz 15 weltweit steht. Auf jeden Fall gibt es in den nächsten Jahren noch viel zu entschlüsseln, um unser Immunsystem noch besser zu verstehen, so zum Beispiel beim Kampf gegen Krebs und gegen Erkrankungen des Gehirns, aber auch in der Prävention von so häufigen, teilweise auch schweren Erkrankungen wie Allergien, Asthma, Gelenkrheuma oder Multiple Sklerose.

Wir können übrigens einiges tun, um das Immunsystem fit zu halten. Der Spruch ‚an apple a day keeps the doctor away‘ ist seit langem bekannt. Mittlerweile ist wissenschaftlich erwiesen, dass eine ausgewogene Ernährung mit Früchten und Gemüse – die nicht nur Vitamine, sondern auch reichlich Faserstoffe enthalten – sich positiv auf das Immunsystem auswirkt. Einen negativen Einfluss hat hingegen der Überkonsum von rotem Fleisch und Wurstprodukten, die bestimmte Entzündungswege im Immunsytem anregen, auch das ist inzwischen belegt.

Regelmäßige körperliche Bewegung hält das Immunsystem ebenso auf Trab. Leider aber fehlt das vielen Menschen in einer Zeit, in der man viel zu viel vor Bildschirmen sitzt. Wissenschaftlich bewiesen ist zudem, dass dauerhafter Stress Infektionen und Erkrankungen des Immunsystems auslösen kann. Man sollte solche Situationen also vermeiden. Nicht vergessen sollte man zudem, den Impfstatuts ‚up to date‘ zu halten.“