LUXEMBURG
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Von Computerwissenschaftler bis Solartechnologie: 111 Forscher stellen Berufe in 66 Klassen vor

Wie wird man eigentlich Forscher? Welche Projekte bearbeitet man und wie gut muss man dafür eigentlich wirklich in Mathe sein? Auf solche und andere Fragen von Jugendlichen wurden jüngst Antworten gegeben, und zwar von Forschern selbst. Forscher haben Schüler in den luxemburgischen Gymnasien besucht und von ihrer Arbeit erzählt: Der „Fonds National de la Recherche“ (FNR) hatte Ende März 2017 die siebte Auflage von „Chercheurs à l‘école“ organisiert.

Das vom FNR organisierte Projekt hatte das Ziel, den Jugendlichen einen Beruf vorzustellen, der vielen nur wenig bekannt ist. Die Forscher sollen den Schülern auf eine direkte, persönliche Art und Weise vermitteln, dass der Beruf spannend, vielfältig aber auch sehr anspruchsvoll ist. Forscher aus öffentlichen Institutionen und privaten Firmen in Luxemburg haben ihre persönliche Geschichte erzählt: von Schulzeit über Studium bis zur heutigen Tätigkeit. Dies hat den Schülern ermöglicht, Einblicke in das Berufsleben der Forscher zu bekommen und auch Fragen über die Forschung in Luxemburg zu stellen. Ebenso haben die Forscher eine Plattform erhalten, um ihre Arbeit einem jungen Publikum vorzustellen und direktes Feedback zu erhalten.

Mehr teilnehmende Forscher als im Vorjahr

Die Aktion bringt jedes Jahr immer mehr Forscher und Gymnasien zusammen. Dieses Jahr ist das Interesse gegenüber dem Vorjahr erneut gestiegen: 111 Forscher haben 66 Klassen in insgesamt 26 verschiedenen Sekundarschulen besucht. 2016 hielten 64 Forscher in 48 Klassen und 21 Sekundarschulen ihre Vorträge.

Alex Gansen, Doktorand in elektromagnetischen Computerwissenschaften am LIST, der zum ersten Mal teilgenommen hat, berichtet von einer sehr positiven Erfahrung: „Es hat Spaß gemacht, den Schülern über meine Forschungsarbeit und meinen Alltag als Forscher erzählen zu können. Ich hoffe, ich konnte alle ihre Fragen beantworten und den einen oder anderen motivieren, sich für eine wissenschaftliche Karriere zu entscheiden. Und wieso nicht in der elektromagnetischen Informatik? Ich werde sicher bei der nächsten Ausgabe von ’Chercheurs à l‘école‘ wieder dabei sein und meine Forscherkollegen ebenfalls auffordern mitzumachen, so dass wir möglichst viele Schüler begeistern können!“

Keine Ahnung ist normal

Kacy Greenhalgh, Doktorandin in Ernährungswissenschaften am „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB) der Uni Luxemburg, empfand ihren Austausch so: „’Chercheurs à l‘école‘ hat mir zunächst die Gelegenheit geboten, den Schülern meine Leidenschaft für Ernährungswissenschaften zu vermitteln. Und, viel wichtiger, dass es ganz normal ist, sich in ihrem Alter ein wenig verloren zu fühlen. Ich hatte damals keine Ahnung, was ich machen wollte oder wo ich studieren sollte. Ich denke, das gehört zum Erwachsenwerden dazu. Eine Doktorarbeit zu machen ist in den Köpfen der meisten Jugendlichen etwas, das sehr unklar und weit entfernt ist. ’Chercheurs à l‘école‘ zeigt ihnen, dass es unzählige Möglichkeiten gibt - sowohl in Luxemburg als auch im Ausland - und dass der Gedanke nicht zu wissen, was sie machen sollen, ihnen also keine Angst machen soll. Im Gegenteil: Indem sie sich für Praktika während der Sommerferien oder ihrer Freizeit bewerben, finden sie ihren Weg und vor allem etwas, das sie gerne machen.“

Ein Ziel des FNR ist, den Austausch zwischen Forschern und der Gesellschaft zu fördern. In den vergangenen Jahren hat der luxemburgische Staat viel in Forschung investiert. Doch die Forschungstradition in Luxemburg ist noch jung und nicht jedem geläufig. Der FNR will informieren. Nicht zuletzt weil sich in diesem wachsenden Forschungssektor spannende Berufsfelder entwickeln, für die Nachwuchstalente gebraucht werden.