PATRICK WELTER

Schlägt das Empire zurück? In Luxemburg trommelt der konservative Verband der sogenannten Kirchenfabriken mittlerweile seit Jahren ergebnislos aber laut gegen eine „Enteignung“ durch Staat und Bistum. Die Populisten von der adr wettern gegen die gerade erst erreichte Trennung von Staat und Kirche. Im benachbarten Bistum Trier gehen Laien auf die Barrikaden, weil das Generalvikariat des Bistums angesichts des Schwunds von Kirchgängern und Pfarrern aus einem Haufen verlassener Pfarreien wenige Großpfarreien machen will - Effizienz im Namen Gottes ist an der Basis nicht gern gesehen. Eine Hand voll deutscher katholischer Bischöfe, die das Lutherjahr verschlafen haben, schwärzen ihren Oberhirten Kardinal Reinhard Marx wegen zu viel „Ökumene“ in Rom an. Sein „Vergehen“? Marx will Protestanten nicht mit Feuer und Schwert von den katholischen Kommunionsbänken fernhalten. Was mal wieder den Eindruck bestätigt, dass „Nächstenliebe“ noch nie eine besondere Stärke dogmatischer Katholiken war. Als ob das nicht schon genug rückwärtsgewandter Unsinn - wobei noch nichts zu Polen gesagt wurde - wäre, müssen jetzt im schönen Bayern in allen öffentlichen Gebäuden Kruzifixe hängen - per Regierungsverantwortung. Mit Volldampf zurück.

Der ehemalige Oberbayer Horst Seehofer gründet in den Zeiten von Facebook, Instagram und Internet 4.0 ein „Heimatministerium“. Sein Nachfolger in der bayrischen Staatskanzlei Markus Söder verordnet jetzt Kreuze „per orde de Moufti“. (Der Kalauer musste jetzt sein). Die Kreuze sollen Zeichen unsere Kultur sein. Naja. Sollte unsere Kultur nicht eher liberal sein? Religion muss und soll Privatsache sein. Spätestens seit dem kriegerischen Preußenkönig Friedrich II (auch „der Große“ genannt), der schlicht festlegte „In meinem Land soll jeder nach seiner Fasson selig werden!“, als in Frankreich noch Hugenottenpriester aufs Rad geflochten wurden.

Toleranz und monotheistische Religionen gehen nicht zusammen. Der frühe Islam hat es probiert mit Religionsfreiheit, lange vergessen und vorbei. Meiner ganz persönlichen Meinung nach hat nichts mehr Zwietracht unter die Menschen gebracht als die monotheistischen Religionen. Es darf zwar nur einen Gott geben, der muss aber nach ganz bestimmten Regeln angebetet werden und wer andere Regeln hat, ist ein Häretiker und ein Abweichler. Der Ungläubige ist ihnen egal, aber demjenigen, der das Kreuz von oben nach unten und nicht von unten nach oben schlägt, dem müssen sie einheizen. Alle diese Gruppen und Grüppchen, die sich zum Teil schon aus der Frühzeit des Christentums und des Islams erbittert bekämpfen, die verschiedenen jüdischen Fraktionen nicht zu vergessen, sollen uns eine moralische Richtschnur geben? Wohl kaum.

Für alle muss klar sein: Die Gesetze, die sich Menschen in ihrer Gemeinschaft selbst gegeben haben, gemeinhin Staat genannt, haben Vorrang vor allem, was die Vorbeter in Kirche, Moschee und Synagoge verkünden. Jeder hat das Recht auf einen eingebildeten Freund und wenn dieser Freund für ihn oder sie eine moralische Stütze ist, umso besser. Aber Politik damit machen darf niemand. Religion ist und bleibt Privatsache. Finger weg vom Staat!