LUXEMBURG
PATRICK WELTER

In insgesamt fünf Studien wurden die Möglichkeiten für eine nachhaltige Mobilität geprüft

Irgendwann werden Land und Großregion wohl wieder zur Normalität zurückkehren, was wieder breite Pendlerströme und viel Verkehr bedeuten wird. Die Politik der Regierung zielt seit Jahren darauf ab, das Transportaufkommen auf viele Verkehrsträger zu verteilen. In dem multimodalen Konzept soll der Anteil des motorisierten Individualverkehrs sinken, der Anteil des Öffentlichen Transports und der Fahrradnutzung - als Transportmittel - steigen. Dabei handelt es sich zunächst um nationale Pläne.

Doch wie sieht es in den Regionen mit der anderen Mobilität aus? Damit beschäftigt sich eine parlamentarische Frage der beiden LSAP-Abgeordneten Cécile Hemmen und Francine Closener an Transportminister François Bausch. Ihren Informationen nach gibt es regionale Pläne für einen besseren Fahrradverkehr für den Bereich des Südens und der „Nordstad“.

Also fragten sie: Stimmt diese Information und wie sehen die Pläne im Detail aus?

Beide Abgeordnete sehen den Bau neuer Radwege im Bereich Zentrum, vermissen aber ein Gesamtkonzept für die Region - wird es dort einen Regionalplan geben? Falls ja, wie werden Kommunen und Bürger mit in die Planung einbezogen? Von welchem Planungszeitraum ist auszugehen?

Die ausführliche Antwort wurde nicht nur von Transportminister Bausch, sondern auch vom Minister für Landesplanung, Claude Turmes, verfasst. Es sei richtig, dass man aufgrund der außergewöhnlichen Entwicklung des Großherzogtums auf eine multimodale Verkehrsplanung setze, die sowohl der Bevölkerung als auch den Grenzgängern zugute kommt. Natürlich fiel in diesem Zusammenhang auch die Lieblingsvokabel von Turmes: „décarbonsation“. Angesicht der Projektion des STATEC (vor der Krise) strebe man eine „organisierte und harmonische“ Verkehrsentwicklung an.

Laut Bausch und Turmes gehe es nicht nur darum die bestehenden Defizite zu beheben, sondern auch die schon vorhandenen Puzzle-Stücke effizient und ohne große Kosten zusammenzufügen. Der gesamte Planungshorizont reicht derzeit bis 2035. Das Parlament soll Anfang 2022 umfassen informiert werden. Eine nationale Planung schließe eine Regionalplanung nicht aus - unter Einbindung von Kommunen und Bürgern.

Fünf Studien zur Fahrradtauglichkeit

Die von den beiden Fragestellerinnen angesprochenen Regionalpläne existieren oder sind in Ausarbeitung. Seit 2016 arbeiten Experten im Auftrag der Landesplanung und der Abteilung für „sanfte Mobilität“ des Transportministeriums an Studien zur Verbesserung der „Fahrradtauglichkeit“ des Landes. Bis her wurden fünf Untersuchungen durchgeführt:

- 2016 bis 2018 in den „DICI“- und den „Uelzechtdall“-Kommunen. Zum DICI gehören Luxemburg und die südwestlichen Nachbargemeinden;

-seit 2018 in der Nordstad;

-2018 bis 2019 im Bereich des Syndikats für Raumentwicklung PRO-SUD;

-2018 bis 2019 in den französischen Mitgliedsgemeinden des GECT/EVTZ „Alzette Belval“

Die Gemeinden der Nordstad habe man auf ihre Fahrradtauglichkeit untersucht, um das Rad als tägliches Verkehrsmittel zu fördern. Das Ziel war es, der Kommunalpolitik zu zeigen, wie der Verkehrsraum umgestaltet werden muss, um dessen Attraktivität für Radfahrer zu steigern und deren Sicherheit zu gewährleisten. Die Abteilung für Landesplanung hat 2019 damit begonnen ein Leitbild für die Nordstad zu erarbeiten. Der Entwicklungshorizont reicht dabei bis 2050 und umfasst alle Planungsbereiche der territorialen Entwicklung. Auf dem Gebiet des Syndikats PROSUD stehe eine „nachhaltige Mobilität“ im Fokus, erläutern die beiden Minister. Mit der Unterstützung von Landesplanung und Straßenbauverwaltung sei 2018 mit einer Studie über die Fahrradtauglichkeit der elf Gemeinden begonnen worden. Daran angeschlossen hat sich der EVTZ/GECT (Europäischer Verbund für territoriale Zusammenarbeit) Alzette Belval. Dabei geht es um Fahrrad-Mobilität auf kommunaler, regionaler und grenzüberschreitender Ebene. In diese Studie sind acht französische Grenzgemeinden eingeschlossen, um eine neue Art der Mobilität auf der französischen Seite, als Teil eines grenzüberschreitenden Ballungsraums, zu fördern.

Jetzt schon ist der EVTZ AIzette Belval führend im Interreg VA Projekt „ABACTIV, AIzette Belval à Velo et à pied!“ Dabei geht es auch um die Planung eines sicheres Netz von Rad- und Fußgängerwegen im grenzüberschreitenden Raum.