LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

200 Schüler bekommen von Europaabgeordneten Antworten auf ihre Fragen zur EU

Trump und Brexit, Freihandelsabkommen und Klimaschutz: Gut 200 Schülerinnen der Privatschule Fieldgen hatten am Freitag Gelegenheit, auf ihre Fragen zur aktuellen Politik und allen voran zu Europa eine Antwort zu bekommen. Die Mädchen haben sich mit den luxemburgischen Europaabgeordneten Georges Bach (CSV/EVP), Mady Delvaux (LSAP/S&D), Charles Goerens (DP/ALDE) und Claude Turmes (déi Gréng/Grüne/EFA) getroffen. Fast zwei Stunden lang konnten sie im Plenarsaal des Robert Schuman-Gebäudes in Kirchberg ihre Fragen stellen. Das Informationsbüro des Europäischen Parlamentes und die Privatschule hatten das Treffen anlässlich es 60. Jahrestages der Römischen Verträge organisiert.

„Ich fand es sehr interessant und habe viel gelernt“, sagt die 16-jährige Jennifer nach der Veranstaltung. Die 17-jährige Deborah erzählt, dass sich die Schülerinnen vorher im Unterricht mit den vier luxemburgischen Politikern beschäftigt haben, um ihre Fragen passend zu formulieren. Und Fragen gab es an diesem Freitagvormittag viele.

Sorgen um den Brexit

Das Brexit-Votum der Briten und die nun eingeleitete Scheidung von der EU beschäftigt die Mädchen und so bat eine Schülerin die Abgeordneten um ihre Meinung zum EU-Austritt Großbritanniens. Der CSV-Abgeordnete Georges Bach erklärte unumwunden, dass er den Brexit für eine Katastrophe halte. Mady Delvaux erklärte ihrerseits, dass der Scheidungsprozess kompliziert werden wird. „Wir wissen nicht, wie das geht, wir haben nur zwei Jahre, um 40 Jahre gemeinsame Politik zu lösen.“ Die LSAP-Abgeordnete sagte voraus, dass alle durch den Austritt an Wohlstand verlieren werden. Claude Turmes nutzte die Frage der Schülerin, um die Jugendlichen davor zu warnen, auf Populisten hereinzufallen und ihren Forderungen nachzugeben.

Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Zukunft der Europäischen Union bei dem Zusammentreffen der luxemburgischen Europaabgeordneten und die Jugendlichen ebenfalls ein großes Thema war. Charles Goerens zeigte sich optimistisch, trotz der Krisen. „Das Europa von heute mit seinen Fehlern“, gab der DP-Abgeordnete zu bedenken, sei ihm lieber, als
das Luxemburg der 30er Jahre bis 1945 mit seinen Vorteilen. Turmes erinnerte die Mädchen daran, dass den Wählern bei der Zukunft der EU ebenfalls eine wichtige Rolle zukommt.

„Bei den Wahlen muss man auch überlegen, welcher Politiker Europa voranbringen kann“, sagte der Abgeordnete von „déi Gréng“. Ob Brexit, Banken- oder Vertrauenskrise: „Wir müssen durch die Krise durch“, mahnte er.

Delvaux hatte bereits bei einer anderen Frage, zum zweisprachigen Ausbildungssystem in Luxemburg, zu Bedenken gegeben: „Wir sind noch nicht weit genug, aber unterschätzt nicht, wie viele Vorteile wir durch Europa haben“ und dafür im Saal viel Applaus bekommen.

Zeit reichte nicht für alle Fragen

Nach gut zwei Stunden ging die Diskussion zu Ende. „Sie haben Interesse an aktuellen Themen und haben sich auch damit beschäftigt“, sagt Georges Bach. Er merkt zudem an, dass auch nationale Themen wie Bildung und Infrastruktur die Jugendlichen umtreiben, allerdings werde sehr oft von der EU auch viel erwartet, obwohl sie in bestimmten Punkten nicht in nationale Politiken eingreifen kann.

Den meisten Schülerinnen war die Veranstaltung zu schnell vorbei, weil sie nicht mit ihrer Frage an die Reihe gekommen waren und sich mit ihren Anliegen ernst genommen fühlten. „Es war interessant, nur die Zeit war zu knapp“, sagt Nina. Die 16-jährige wollte
die Europaabegordneten noch fragen, ob gute
Lebensmittelreste nicht in öffentlichen Kühlschränken aufbewahrt werden können, damit
weniger weggeworfen wird und Bedürftige davon profitieren. Die 15-jährige Zainab ließ sich
davon, dass sie ihre Frage zum EU-Klimaschutz zu Zeiten der Trumpschen Klimawandelleugnung noch nicht stellen konnte, nicht entmutigen. Sie suchte anschließend das Gespräch mit Claude Turmes. „Die Fragen wurden gut beantwortet“, sagte sie zufrieden.