ESCH/ALZETTE
JEFF KARIER

„Social Gaming Luxembourg“ will die Menschen wieder zum Spielen bewegen

Mensch ärgere dich nicht“, „Wer ist es?“, „Monopoly“: Das sind einige der Brettspiele meiner Kindheit und Jugend. Sie machten Spaß, aber irgendwann wurden sie von anderen Hobbys und Spielen verdrängt. Aber die Brettspiels erleben aktuell fast so etwas wie eine Renaissance. Das sieht auch Jérôme Decker so. Der Gründer und Präsident von „Social Gaming Luxembourg“ ist ein leidenschaftlicher Fan von Gesellschaft-, Karten- und Brettspielen sowie „Pen & Paper“-Rollenspielen.

„Unser Ziel als asbl ist die Menschen wieder zum Spielen zu bewegen. Brettspielen haftet der Ruf an, dass es etwas für kleine Kinder ist, das sie mit ihren Eltern spielen können“, erklärt Decker. Was vielen nicht bewusst sei, ist, dass sich Brettspiele über die letzten Jahre sehr stark weiterentwickelt hätten. Dabei sei das Angebot mittlerweile enorm und für jeden Geschmack und jedes Alter sei etwas dabei. „Außerdem wollen wir jenen, die spielen wollen und sich vielleicht auch schon mit dem Hobby beschäftigt haben, die Möglichkeit bieten, dieses Hobby auszuleben.“ Daher organisiert die asbl eigene Spieleabende.

Die passende Location

Da man solche Spieleabende aber nur schwer im Haus oder der Wohnung von einem der Mitglieder organisieren könne, machten sich Decker und die anderen Mitglieder auf die Suche nach einem Ort, an dem sie diese regelmäßig anbieten können. „Die Kulturfabrik in Esch war im Begriff ihr neues Café „Ratelach“ zu eröffnen. Da es dem Café aber noch an einem Konzept mit dazugehörigen Veranstaltungen und Themenabenden fehlte, begrüßten die Verantwortlichen unseren Vorschlag eines regelmäßigen Spieleabends. Und so war die ‚Game Night‘ geboren.“

Über Facebook und Mundpropaganda erfuhr ich von der „Game Night“ und da ich wieder Lust hatte, in lustiger Runde Brettspiele aller Art zu spielen, fuhr ich nach Esch und war positiv überrascht.

Rund zwei Dutzend Personen hatten sich in dem Lokal eingefunden. Auf vier Tische verteilt spielten sie unterschiedliche Spiele mit bunten Karten, Chips und Figuren. Einige Mitglieder der asbl trugen weiße T-Shirts mit dem Logo des Vereins und ihrem jeweiligen Namen darauf. Meist erklärten sie den anderen die Spielregeln, sahen nach dem Rechten oder spielten selbst mit.

Am Anfang stand „Dungeons & Dragons“

„Angefangen hat es mit mir und einer Handvoll Freunden. Wir haben gemeinsam ,Dungeons & Dragons‘ gespielt“, erklärt Decker. Bei „Dungeons & Dragons“ (D&D) handelt sich um den erfolgreichsten Vertreter von „Pen & Paper“-Rollenspiele. „Nachdem ich vor etwa zwölf Jahren die Spielemesse in Essen besuchte, ergriff mich das Brettspielfieber, das zu der Zeit grassierte. Da wegen der Arbeit auch die Zeit für ausgedehnte D&D-Runden oft fehlte, begannen wir eben Brettspiele zu spielen.“ Die Gruppe wuchs, war irgendwann auch auf Facebook zu finden und öffnete sich vor wenigen Jahren dann auch für Außenstehende. Heute umfasst die Gruppe auf Facebook mehr als 100 Leute. „Der nächste logische Schritt war es, eine asbl zu gründen, da man als Verein leichter Sachen organisieren und Anfragen stellen kann.“

Gemeinsamer Spaß

Seitdem vor etwas mehr als zwei Monaten die „Game Night“ aus der Taufe gehoben wurde, treffen sich Woche für Woche Freunde von Brettspielen und jene, die einen Blick riskieren wollen im „Ratelach“. Ich habe das Gefühl, dass das Personal des Cafés recht froh über uns Spieler als Kundschaft ist. Immerhin wird nicht nur gespielt, sondern auch das ein oder andere Getränk bestellt. „Es ist eine Win-Win-Situation“, meint Decker.

Nachdem ich mit vier mir bis dato völlig Unbekannten in geselliger zum ersten Mal zwei Runden „Galaxy Trucker“ gespielt habe setzte ich mich rüber zu Decker, der mit etwa sechs anderen „Mafia de Cuba“ spielen will.

Erst nach einigen Versuchen habe auch ich die Regeln verstanden und gebe vor, dem Mafia-Boss, dessen Rolle Decker für die Partie übernommen hat, treu ergeben zu sein. Anschließend spielen wir „Top & Flop“, ein Spiel, bei dem man Schätzzahlen abgeben muss. Bei der letzten und entscheidenden Frage, wie viele Menschen in Deutschland ein Ehrenamt bekleiden, verschätze ich mich um ein Prozent und verliere. Aber ums Gewinnen geht es nicht, sondern darum, gemeinsam Spaß zu haben, neue Menschen kennenzulernen und sich mit Neuem zu befassen. Keine Frage, ich komme baldmöglichst wieder.


Auch heute Abend findet ab 17.00 die „Game Night“ im „Ratelach“ statt. Schauen Sie doch vorbei. Weitere Informationen unter www.socialgaming.lu