EHNEN
PATRICK WELTER

Der luxemburgische Weinbau wird von Wetterkapriolen geplagt

Als diese Weinbergbesichtigung geplant wurde, herrschte - stimmungsmäßig - noch eitel Sonnenschein. Doch nachdem die Einladung des Verbands der Privatwinzer an Landwirtschafts- und Weinbauminister Romain Schneider erfolgt war, kam es dann knüppeldick für die Winzer an der Mosel. Als es dann gestern endlich soweit war, dass Ern Schumacher, Präsident der Privatwinzer, Minister Schneider in Ehnen begrüßen konnte, hatte sich die Lage drastisch geändert. Schumacher bedauerte, dass es bei der anstehenden Besichtigung nicht mehr um gut da stehende Weinberge gehe, sondern darum, dass der Minister sich ein Bild von der Krisensituation im Weinbau machen müsse.

Zu kalt

Kurz gesagt: Zuerst kam der Spätfrost und dann die tödliche Hitze. Das ist kein Thriller-Titel, sondern die kurze Beschreibung der Wetterkapriolen in den letzten zehn Wochen. Das „Journal“ hat bereits ausführlich über die Frostschäden berichtet, die überraschender Spätfrost um den 4. Mai mit sich gebracht habt. Dabei sind entlang der luxemburgischen Mosel etwa 40 Prozent der Blüten erfroren. Auch Schumacher wies auf die ungewöhnliche Art des Frostes hin (siehe dazu auch „Journal“ 120 vom 24.5.). Nicht die üblichen frostgefährdeten Lagen, tief gelegen oder in Senken, wurden zerstört, sondern bessere, höhergelegene Wingerten wurden vom Frost gebeutelt. Schumacher erklärt sich das mit einer Kombination aus Feuchtigkeit und Kälte. Die Natur hat zwischenzeitlich für ein paar Neuaustriebe von Blüten gesorgt, die aber nach Auskunft einiger Winzer keinen Ausgleich der Verluste darstellen, sondern durch den Zeitverzug nur für Mehrarbeit sorgen. Bei bestimmten Sorten wie dem Auxerrois kamen gar keine neuen Triebe.

Zu trocken

Es sollte noch schlimmer kommen. Zunächst hat sich der unterirdische Wasserhaushalt nach dem Dürre-Jahr 2018 immer noch nicht stabilisiert. Es ist immer noch zu trocken. Junglagen, die man früher nur in den ersten vier Jahren habe bewässern müssen, werden heute bis zum Alter von sieben oder acht Jahren in Dürrezeiten künstlich bewässert, erläuterte Schumacher. Erst ältere Reben haben Wurzeln, die bis zu zehn Meter in die Tiefe reichen und sie Dürreperioden überstehen lassen.

Zu heiß

Der nächste Schock für die heimischen Weinberge waren die extrem hohen Temperaturen der letzten Woche. Viele Trauben seien buchstäblich verbrannt, erklärte der Chef der Privatwinzer. Ganze Rebstockreihen seien betroffen. Je nach Lage schwanken die Verluste zwischen 15 und 40 Prozent - was sich in Verbindung mit den Frostschäden je nach Lage zu einem 80-prozentigen Verlust addieren kann. Der Sonnenbrand hat ganze Trauben, einzelne Beeren oder auch die Stiele beschädigt. Auch wenn „nur“ der Stiel betroffen ist, sterben die Trauben ab. Im Gegensatz zum Frost, der regional auftrat, hat der Sonnenbrand entlang der ganzen luxemburgischen Mosel zugeschlagen. Ein Winzer brachte die Situation auf den Punkt: „Von vier möglichen Katastrophen haben uns drei getroffen - Frost, Trockenheit und Sonnenbrand - nur der Hagel hat uns bis jetzt verschont.“ Wobei Hagel in der Regel nur lokal auftritt, übrigens können sich die Winzer nur gegen Frost und Hagel versichern - die hohen Prämien werden in Luxemburg staatlich subventioniert.

Mittelmeer-Feuerschwamm - ein unangenehmer Gast

Auch ein anderes Problem hat Luxemburg erreicht und befällt alljährlich drei bis vier Prozent der Stöcke. Esca- eine Pilzerkrankung, hervorgerufen durch den Mittelmeer-Feuerschwamm, zersetzt das Holz der Rebe. Die Krankheit ist schon seit den Römern im Mittelmeerraum bekannt, macht sich aber seit den 1970ern auf den Weg nach Norden. Die sicherste oder besser gesagt einzige Art der Bekämpfung ist das Ausreißen und Verbrennen der befallenen Reben. Die Krankheit kann schon bei siebenjährigen Stöcken auftreten.

Eines ist sicher, die Erntemenge dürfte wieder deutlich unter dem langjährigen Mittel von 120.000 bis 130.000 Hektoliter liegen. Von 2015 bis 2017 wurden jährlich nur rund 80.000 Hektoliter geerntet.