FRANKFURT/MAIN
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Deutsche Bank mit mehr Gewinn - Cryan macht mit Umbau Ernst

John Cryan lässt keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit: Der Brite will die Skandale bei der Deutschen Bank ein für alle Mal beenden. Mitarbeiter, Kunden und die deutsche Öffentlichkeit sollen wieder stolz sein dürfen auf das einzige deutsche Geldinstitut von Weltrang. „Es wird Jahre dauern, zu liefern. Ich bin mir sehr bewusst: Worte reichen nicht mehr, Taten sind gefordert“, sagte Cryan. Schonungslos legte der neue Co-Chef auch gestern bei der Präsentation der Bilanz für das erste Halbjahr in Frankfurt den Finger in die Wunden: Teure Rechtsstreitigkeiten, „inakzeptabel hohe“ Kosten, teils antiquierte IT, zu viele Geschäfte, die nicht lukrativ oder gar zweifelhaft sind. Gerade einmal einen Monat in neuer Funktion drückt der als Sanierer gerühmte ehemalige Finanzvorstand der Schweizer Großbank UBS dem deutschen Branchenprimus seinen Stempel auf.

„Diese Themen müssen wir angehen - das ist keine Frage der Strategie“, betonte Cryan gestern. „Wir müssen alle Länder, Geschäftsfelder, Produkte und Geschäftsbeziehungen, die ökonomisch nicht vertretbar sind, kritisch betrachten.“ Jürgen Fitschen, bis zur Hauptversammlung im Mai 2016 offiziell noch Cryans Partner an der Doppelspitze, kam nicht zu Wort. Nach einem Gewinnsprung im zweiten Quartal stimmt Cryan die Mitarbeiter harte Einschnitte ein. Der Vorstand werde noch im Laufe dieses Jahres „eine Reihe wichtiger Veränderungen vornehmen. Den Status quo beizubehalten, sei keine Option. Im Tagesgeschäft arbeitete sich Deutschlands größtes Geldhaus weiter nach oben. Der Vorsteuergewinn kletterte im zweiten Quartal 2015 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um ein Drittel auf 1,2 Milliarden Euro. Dabei profitierte die Bank vom aktiven Handel an den Finanzmärkten und von günstigen Wechselkursen. Die Erträge stiegen vor allem dank eines starken Kapitalmarktgeschäfts um 17 Prozent auf 9,2 Milliarden Euro. Der Überschuss hat sich auf 818 Millionen Euro mehr als verdreifacht. Vor einem Jahr hatte eine außergewöhnlich hohe Steuerlast die Bank belastet. „Das solide Ertragswachstum unterstreicht die grundlegende Stärke unseres Geschäfts“, bilanzierte Cryan. Allerdings bremsten etwa anhaltend hohe Belastungen aus Rechtsstreitigkeiten den Konzern. Diese schlugen im zweiten Quartal mit 1,2 Milliarden Euro zu Buche - fast dreimal so viel wie vor einem Jahr.

Insgesamt hat die Bank für juristische Altlasten nun 3,8 Milliarden Euro reserviert. Die Gesamtkosten kletterten in dem Drei-Monats-Zeitraum um 17 Prozent auf 7,8 Milliarden Euro. Damit lag die Aufwand-Ertrags-Quote bei 85 Prozent. Immerhin wächst die Zuversicht, dass die Bank aus dem Gröbsten heraus ist: Seit Jahresbeginn legte die seit langem schwächelnde Aktie um mehr als 20 Prozent zu.