LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Das Musical „Hit Parade“ lässt alte Showgrößen aufleben

Der Lothringer David Michel begann seine Karriere mit der Organisation von Konzerten. Mit dem „Cotton Club“ eröffnete er 2003 seinen eigenen Konzertsaal in Saint-Julien-lès-Metz. Er ist ebenfalls der Leiter von „Holographic International Productions Entertainment“ (HIPE), eine Firma, die sich auf die Herstellung von Hologrammen spezialisiert hat und ihren Sitz in Luxemburg hat. Um seine Idee einer holografischen Show mit bekannten französischen Showgrößen umzusetzen, arbeitete er mit dem französischen Animationsstudio „Mac Guff“ zusammen, die unter anderem den Trickfilm „Ich – Einfach unverbesserlich“ („Despicable Me“) realisiert haben.

In langwierigen Prozessen wurden Fotos und Filme von Claude François, Dalida, Sacha Distel und Mike Brant digitalisiert. Dann wurden mit dem Motion-Capture-Verfahren die Bewegungen von Tänzern gefilmt. Später wurden die Konturen der vier Sänger auf die digitalisierten Schauspieler via Computer aufgetragen, so dass sie im Endeffekt wie von den Toten wiederauferstanden als Hologramme auf der Bühne tanzen und singen können.

Die Stimmen der vier Legenden wurden ebenfalls digital zerlegt, so dass sie zu der live gespielten Musik passen und sogar mit Schauspielern auf der Bühne reden können. Das fertige Resultat, „Hit Parade“, mit insgesamt 71 Minuten Holografien in 8K, also einer vierfach besseren Qualität als digitale Kinobilder, feierte am vergangenen Donnerstag Premiere im Pariser „Palais des Congrès“.

Stars in einem Fernsehstudio

Um die Hologramme auf eine 15 Meter breite Fläche auf Tülle zu projizieren, werden drei neuartige Projektoren von Panasonic benutzt. Regisseur Grégory Antoine wollte zusammen mit der Choreografin Cécile Chaduteau ein Musical erschaffen, über eine fiktive Fernsehsendung mit den vier Stars der 1970er Jahre und 14 ihrer Hitparadenstürmer.

So tanzen nicht nur die Original Clodettes als Hologramme mit Claude François, der unter anderem seine Hits „Cette année-là“ und „Alexandrie, Alexandra“ singt, sondern ein Dutzend echte Tänzerin, welche die Bewegungen der Clodettes im Vordergrund der Bühne nachtanzen.

Sacha Distel tanzt wie einst Gene Kelly im Regen zu „Toute la pluie tombe sur moi“. „Il venait d’avoir 18 ans“ und „Gigi l’amoroso“ sind zwei Lieder von Dalida, und Mike Brant singt unter anderem seine Evergreens „Laisse-moi t’aimer“ und „Dis-lui“.

Faszinierend, aber überladen

Das Team im Fernsehstudio setzt sich zusammen aus Tanya Kinzinger als Regisseurin Marie, Robert Plagnol ist der Beleuchter Daniel, Nicolas Vogel der trottelige Lehrling Oscar und Franck Vincent der energische Tonmeister Gégé.

Allerdings haben sich die Macher der Show keine Mühe gegeben, eine kohärente Geschichte um die Show zu schreiben. Alles wirkt wirr und unüberlegt. Typisch französisch ist wiederum die Überladung der Bühne. Über der eigentlichen Fläche, wo die Hologramme tanzen und singen, thront eine zweite Bühne, von der unter anderem Dalida eine Treppe herunter steigt, und zu der die Tänzerinnen, die Sacha Distel zur französischen Version von „Raintrops Are Falling On My Head“ begleiten, mit ihren farbigen Regenschirmen hoch fliegen.

Die Hologramme sind wirklich faszinierend, aber ihre Feinheiten sind nur aus den ersten Reihen im riesigen „Palais des Congrès“ zu erkennen. Die Show kostete sechs Millionen Euro und muss sehr viele Zuschauer anziehen, um rentabel zu werden. Somit stellt sich die Frage nach der Zukunft solcher Spektakel, und ob die Leute wirklich scharf darauf sind, Hologrammen Applaus zu spendieren.

Die Show läuft bis zum 26. Februar in Paris und geht dann auf Tournee. Die Spielstätten, die am nächsten zu Luxemburg liegen, sind am 7. April die „Arènes de Metz“, am 8. und 9. April das Zénith in Nancy und am 20. April das „Forest National“ in Brüssel.

Weitere Informationen und Tickets auf www.hitparade-lespectacle.com