LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Doppelte Bedeutung vom Filmtitel „Sage femme“

Martin Provost drehte 2006 „Le ventre de Juliette“ in Koproduktion mit Samsa Film. Seinen nächsten Film „Séraphine“ präsentierte der Regisseur 2008 bei der zweiten Ausgabe vom „Diractors International Film Festival Luxembourg City“. Sein neuster Film trägt den Titel „Sage femme“, wobei es sich zwar um eine Hebamme handelt, aber es sich wegen des fehlenden Bindestriches auch um eine weise, kluge und brave Frau handelt.

Wiedergefunden

Claire (Catherine Frot) arbeitet als Hebamme in einem Krankenhaus, in dem allerdings bald die Lichter in der Geburtsstation ausgehen werden, weil diese in ein neues Spital verlegt wird. Claire will aber nicht mit ihren Kolleginnen umziehen, weiß jedoch noch nicht, was sie machen wird. Auf ihrem Anrufbeantworter findet sie eine Nachricht von Béatrice (Catherine Deneuve), die sich fragt, ob Claire die Tochter von Antoine Breton ist. Beide treffen sich, und es stellt sich heraus, dass Béatrice die Geliebte von Claires Vater war, der ein erfolgreicher Schwimmer war. Doch sie hat sich irgendwann als Claire dreizehn war, aus dem Staub gemacht, ohne sich je wieder zu melden. Der Vater hat später Suizid begangen. Béatrice verdient ihren Lebensunterhalt mit Kartenspielen, hat einen Gehirntumor und will die Fehler der Vergangenheit wiedergutmachen. Nur so einfach lassen sich die Wunden der Zeit nicht heilen. Doch Claire hat Mitleid mit Béatrice, obwohl sie sich in Hinsicht auf ihre Krankheit nicht schont und weiter trinkt, gut isst und raucht.

Überlang und repetitiv

Das einzig Originelle an der Ausgangssituation der Geschichte, ist die Tatsache, dass Claire als Hebamme arbeitet. Der Zuschauer erlebt die Hektik in der Station, sieht wie Claire ganz gelassen die werdenden Mütter und auch Väter beruhigt und die Babys auf die Welt bringt. Claire ist eine weise, erfahrene und ruhige Frau, die ihren Sohn Simon (Quentin Dolmaire) allein großzog. Andererseits ist sie unbeholfen und hat Schwierigkeiten im Umgang mit Männern. Selbst einem sympathischen Kerl wie Paul (Olivier Gourmet) tritt sie tollpatschig entgegen. Altstar Deneuve wirkt nicht wirklich überzeugend als Béatrice. Man nimmt ihr die Geschichte der Trennung und der Wiedergutmachung nicht wirklich ab. Ihre Tränen wirken unecht, was sicher der Fehler des Regisseurs ist, der sie nicht im Griff hatte, und in der Geschichte ihres Lebens riesige Löcher hinterließ, sodass man keinen Bezug zu ihrem Charakter findet.

Außerdem sucht man vergebens nach originellen Einfällen in der Geschichte. Alle Ereignisse werden mindestens zweimal erklärt, und so zieht sich der Film in die Länge. Nach fast zwei Stunden ist man froh, wenn der Abspann über die Leinwand flimmert.