LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Ab heute im Kino: Doppelte Mutter-Tochter-Beziehung in „Barrage“ von Laura Schroeder

Laura Schroeder studierte das Medium Film in Paris. Sie drehte unter anderem die Kurzfilme „Senteurs“ (2008) und „Double Saut“ (2011) - beide wurden von Red Lion produziert - und Episoden der RTL-Serien „Comeback“ und „Routwäissgro“. „Schatzritter - D’Geheimnis vum Melusina“ war 2012 ihr erster abendfüllender Spielfilm. Red Lion (Pol Cruchten und Jeanne Geiben) koproduzierte ihren zweiten Spielfilm „Barrage“, der in der Abteilung „Forum“ beim Filmfestival in Berlin Premiere feierte. In Luxemburg erfolgte die Erstaufführung während des siebten „Luxembourg City Film Festivals“. Nun ist der Film in unseren Kinos zu sehen.

Aus dem Nichts

Catherine (Lolita Chammah, die Tochter von Isabelle Huppert) kehrt nach zehn Jahren Abwesenheit aus dem Nichts nach Luxemburg zurück. Sie hat eine Tochter, Alba (Thémis Pauwels), die bei ihrer Großmutter Elisabeth (Isabelle Huppert) lebt. Nun will sie unbedingt das Mutter-Tochter-Verhältnis wiederherstellen, vielleicht auch das zu ihrer eigenen Mutter. Nach einem ersten Treffen in einem Park, bei dem sich Alba leicht verletzt, fährt Catherine mit ihr in ein Chalet am Stausee. Alba will nicht mit ihrer Mutter allein sein, kann aber an der Situation nichts ändern. Catherine versucht ihr Bestes, damit Alba anfängt sie zu mögen.

Geschichte mit zu vielen Schwachstellen

Diese Geschichte einer Mutter, die nach einer langen Abwesenheit ein normales Verhältnis zu ihrer Tochter aufbauen will, klappt überhaupt nicht, da zu viele Situationen unklar sind. Über Catherines vergangene Probleme kann man nur rätseln, und selbst die Gegenwart ist ungereimt. Sie fährt ein in der Schweiz immatrikuliertes Auto, hat genug Geld, um eine Wohnung zu beziehen. Ihr Vater (Charles Müller) lebt von ihrer Mutter getrennt, und sie nimmt hie und da Pillen. Alba erzählt ihrer Freundin Agathe (Elsa Houben), dass ihre Mutter eine Sängerin sei, die kurz aus Amerika zu Besuch ist.

Viele Szenen sind bizarr und rätselhaft. So wird bei einer Frittenbude Catherines Hund Charbon überfahren, und die Budenbetreiberin (Marja-Leena Juncker) umarmt sie, ohne irgendwelche Erklärungen. Elisabeth hat die beiden im Chalet aufgespürt und sucht Alba auf dem ersten Stock. Hier tanzen Menschen zum Lied „Einmal ist keinmal“. Elisabeth tanzt mit ihrem Mann. Irgendjemand hat einen Wildschweinkopf auf, und Catherine ist schwanger. Der Zuschauer fragt sich, was mit dieser Erinnerung bezweckt wird.

Ungewohntes Stilmittel

Filmisch bleibt die junge Regisseurin stets auf Distanz zu ihren Protagonisten. Am Anfang sind nur die Beine oder der Körper von Alba zu sehen, und wiederum steht eine Frage im Raum: Was soll dieses Stilmittel? Hinzu kommt, dass die allermeisten Szenen in langen totalen Einstellungen gefilmt sind. Es gibt keine Großaufnahmen, kaum Kamerafahrten und wenige Schnitte - der Rhythmus fehlt ganz einfach.

Lolita Chammah kann ihre Rolle nicht mit menschlicher Wärme auffüllen. Auch die junge Thémis Pauwels als Alba, deren Gefühle zur Mutter von der Oma unterdrückt wurden, spielt sehr zurückhaltend, genau wie Isabelle Huppert. Eine schwache Schauspielerleistung zusammen mit statischen Bildern führen zu gefühlslosen 112 Minuten Film. Hätte Schroeder alles Überflüssige weggelassen, wäre ein Kurzfilm herausgekommen, denn mehr Potenzial hat diese Geschichte nicht.