LUXEMBURG
SVEN WOHL

Die Bibliotheken öffnen wieder – doch was hat sich alles verändert?

Rückzugsort fürs Lernen, eine Schatztruhe des Wissens und der Unterhaltung: Die Bibliotheken im ganzen Land sind auch für Jugendliche und Kinder von großer Bedeutung. Mit den Lockerungen der Maßnahmen gegen die Pandemie öffnen sich die Pforten der öffentlichen Bibliotheken wieder. Doch was hat sich bei der Nachfrage alles seit Beginn der Krise getan?

Mehr Sachbücher gefragt

Eines vorweg: Es ist noch sehr früh, um irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen. Und doch machen sich erste Tendenzen erkennbar. Bei der Bibliothek von Esch gab uns Jan Guth, welcher sich für die Abteilung für Jugendliche verantwortlich zeigt, Rede und Antwort. Vor allem bei den Schülern, die bereits das Lyzeum besuchen, zeigt sich, dass Sachbücher wichtiger geworden sind. „Man spürt, dass das Internet nicht reicht“, erklärte Jan Guth. Das Netz sei zwar randvoll mit Informationen, doch das helfe nicht gerade bei der Übersicht. Außerdem seien viele Informationen nicht in einer Sprache verfasst, die kind- oder jugendgerecht sei. „Wikipedia ist ganz wunderbar, aber oft zu schwierig geschrieben“, stellte Jan Guth weiter fest. Bei den Sachbüchern seien jedoch vor allem Umweltschutz und Klimawandel jene Themen, die momentan dominieren. In dieser Hinsicht handelt es sich um eine logische Fortsetzung des Trends, der sich vor der Corona-Krise bemerkbar machte. Auch bei den Erwachsenen würden diese Themen zunehmend eine Rolle spielen. Andererseits hätte sich bei der Unterhaltungsliteratur kaum eine Veränderung bei der Nachfrage bemerkbar gemacht. Bei den DVDs gingen die Vorbestellungen sogar ein Stück zurück. Bemerkenswert sei jedoch gewesen, dass viele Kinder sich ganz selbstständig per Telefon bei der Bibliothek gemeldet hätten, um sich zu erkundigen und zu informieren. „Man sieht, dass Kinder sich sehr erwachsen geben seit der Covid-Krise“, folgerte Jan Guth daraus.

Bei der Bibliothek von Differdingen ist indes klar, dass aktuell nicht auf die gleiche Art und Weise funktioniert werden kann, wie zuvor. Aber immerhin seien bereits einige Jugendliche in die Bibliothek gekommen, um dort zu lernen und das eine oder andere Buch auszuleihen. Doch in der ersten Woche hätten sich noch nicht viele Besucher gezeigt, weder bei den Jugendlichen, noch bei den anderen Alterskategorien.

Ein Stück Normalität

Bei der Bibliothek von Ettelbrück stellt man fest, dass viele Besucher kommen, das über den ganzen Tag verteilt. Die seien dann auch froh über das zurückgewonnene Stück Normalität, berichtete man uns auf Nachfrage. Genau wie bei den anderen Bibliotheken wurden Maßnahmen ergriffen, um sowohl das Personal wie auch die Besucher, die sich bisher sehr diszipliniert gezeigt haben, zu schützen. So würden die Bücher, welche zurückgebracht werden, erst einmal drei Tage liegen bleiben, ehe sie in die Regale zurückgestellt werden. Büchereimer wie auch Plexiglasabsperrungen, wie man sie teilweise aus den Supermärkten kennt, sollen Personal und Besucher schützen. Da jedoch im Mai sowohl Computer als auch die Leseplätze nicht genutzt werden konnten, machten sich Jugendliche eher rar. Sie leihen eher weniger Bücher aus und brauchen die Bibliothek vor allem, um dort in Ruhe arbeiten und lernen zu können.