LUXEMBURG
NATASCHA EWERT

Neue Freundschaften, schlechte Organisation und tolle Cafés: Rückblick auf ein Erasmusjahr

Im Juli verließ ich Wien für immer. Das klingt, als hätte ich mich von einer Person getrennt, aber besser kann ich es nicht ausdrücken. Zehn Monate verbrachte ich in der Donaustadt, die berühmt für ihr kulturelles Angebot und ihre Schnitzel ist.

Ich kam am 29. September in Wien an und verließ die Stadt im Juli und doch gebe ich zu: Ich habe nicht alles von Wien gesehen. Es kommt mir auch so vor, dass diejenigen mit dem kürzeren Aufenthalt mehr von Wien profitiert haben als ich.

Vielleicht liegt es daran, dass ich eine nervige Streberin bin und gerne in Seminaren sitze und über alles mögliche, das ich faszinierend finde, diskutiere. Ich habe viele
Kurse an der Uni belegt. Mein Plan war sogar das Latinum nachzuholen, doch das musste ich leider aufgeben. Es gibt viele Professoren, die ich vermissen werde und mir Ratschläge gegeben haben, die ich schon gerne als Schülerin gehört hätte.

Theater, mein zweites Zuhause

Wer jetzt aber denkt, dass ich nur an der Uni gehockt habe, liegt falsch. Ich habe im ersten Semester viele Nachmittage und Abende im Theater „Dschungel“ verbracht, weil ich dort Vorlesungen hatte oder mir ein Stück ansah. Mittwochs hatte ich auch Chorprobe und ich nahm auch Ballettunterricht.

Das Gebäude, in dem meine meisten Kurse stattfanden, ist ein toller Ort. Es liegt am Campus, wo sich all die anderen Institute befinden und ich begegnete mehrmals am Tag einer Person, die ich aus einem Kurs kannte.

Freundschaften, die kommen und gehen

Ich habe viele Freundschaften geschlossen, mehr als in Aberdeen. Allerdings war ich auch leider schlecht organisiert. Es kam oft vor, dass ich unter Zeitdruck ein Essay schreiben musste oder noch morgens am Tag der Präsentation den Stoff durchnahm.

Von manchen Menschen musste ich auch Distanz nehmen, aber gleichzeitig gewann ich neue Freunde dazu. Wien ist auch der Ort, wo ich mich mehr für Spiritualität interessierte, nachdem ich im März aus New York zurückgekommen war und die Welt mit anderen Augen sah. Es gab auch Momente, in denen ich mich schwach fühlte und eine Pause einlegen musste, bevor ich mich unter die Menge mischte.

Die Theaterabende und Tanzstunden mit anderen Erasmus-Studenten waren unvergesslich. Das Café Votiv wurde mein Stammcafé und das leckerste Mittagessen bekam ich im Afro-Asiatischen Institut. Was mir am besten gefallen hat an Wien ist die Flohmarkt-Kultur, die interessanten Ausstellungen und die Begegnungen mit Menschen.

Die Abende mit der „Creative Writing Society“ krönten schließlich meinen schönen Aufenthalt in der Hauptstadt Österreichs.