ELISABETH KIRSCH

In Luxemburg gibt es zwischen 300 bis 350 Arten von Wildbienen. Noch, denn rund eine von zehn Arten ist gefährdet. Es fehlt ihnen an Futter, Lebensraum und Nistmöglichkeiten. Schuld sind vor allem aufgeräumte Landschaften, totgepflegte Ortschaften und der sorglose Umgang mit Pestiziden in Landwirtschaft und Privathaushalten.

„Den Wildbienen geht es in Luxemburg ähnlich schlecht wie den Honigbienen, auch sie sind auf Blühpflanzen angewiesen, von denen es immer weniger gibt. Der Mangel betrifft nicht nur Futter, sondern auch Lebensraum und Nistmöglichkeiten. Wildbienen leben solitär und legen ihre Brutzellen, mit je einem Ei sowie einem Gemisch aus Pollen und Nektar als Nahrung, in Hohlräumen an: Das können Löcher von anderen Insekten in altem Holz sein, hohle Pflanzenstengel auf Stoppelfeldern und Wiesen oder eigene Löcher in Wegen oder lockerem Sand. Aber altes Holz, Stoppelfelder und sandige Wege werden weniger, denn die Natur wird aufgeräumt und immer mehr Wege werden versiegelt.

Zwischen 300 bis 350 Arten Wildbienen gibt es im Großherzogtum, allerdings ist etwa eine von zehn Wildbienenarten gefährdet. Diese Zahlen sind nur relativ, denn von der Hälfte der Arten weiß man nicht genug, um eine Aussage über ihre Gefährdung zu treffen. Auch Hummeln, welche zu den Wildbienen zählen, sind bedroht. Hier ist ein Viertel der Arten gefährdet.

Um die Arten zu erhalten, muss politisch auf jeden Fall etwas geschehen, vor allem was den Einsatz von Pestiziden betrifft. Pestizide sollen Schädlinge und Beikräuter töten, einige breiten sich aber in der ganzen Pflanze aus, die meisten schaden oft auch den Nützlingen, weil sie nicht spezifisch wirken. Orientierungsvermögen, Immunsystem und Gedächtnis der Bienen leiden unter dem Einfluss etwa von Neonikotinoiden. Für eine Strategie gegen Pestizide müsste es eine konsequente Politik geben. Der 2016 vorgestellte zweite Entwurf des Nationalen Aktionsplans Pestizide wird diesen Ansprüchen nicht gerecht. Die Forderungen von natur&ëmwelt und Greenpeace, konkrete und ambitiöse Maßnahmen gegen den Pestizideinsatz im neuen Aktionsplan festzuhalten, wurden bislang nicht zurückbehalten und ein neuer Vorschlag vom Landwirtschaftsministerium bleibt seit einem Jahr aus. Die EU hat im März einen neuen Vorschlag für ein komplettes Verbot von drei Neonikotinoiden eingebracht. Das ist zwar nur ein Teil des Problems, weil es viele andere ähnlich wirkende Pestizide gibt, aber der richtige Weg. Luxemburg sollte das geplante europaweite Neonikotinoid-Verbot unterstützen und auf nationalem Plan umsetzen und muss alle insektenschädlichen Pestizide sofort verbieten.

Aber nicht nur die Landwirtschaft ist gefordert, auch Privatpersonen können viel bewegen: Man sollte im eigenen Garten auf Pestizide absolut verzichten, kann ein Insektenhotel errichten und Blütenpflanzen sowie naturnahe, einheimische Hecken pflanzen. Am besten sollten sogar die Blumen nicht im konventionellen Handel, sondern bei einem pestizidfreien Produzenten erworben werden. Schließlich ist nicht klar, wie sich Pestizide in Pflanzen abbauen und wie reaktiv wiederum diese Abbaustoffe sind.“