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Buchkritik: „American Savage“ von Dan Savage

Dan Savage schreibt eine der lustigsten und aufschlussreichsten Sexual-Beratungskolumnen in den Vereinigten Staaten. Das ist aber nur einer der Gründe, weshalb er den Bekanntheitsgrad erlangen konnte, den er heute genießt. Es war vor allem das „It gets better“-Projekt und sein Einsatz für die LGBT (Lesbian, Gay, bisexual und Transgender) Gemeinschaft, die ihn umso relevanter machen.

Beim „It gets better“-Projekt wird Jugendlichen der LGBT-Community eine Plattform geboten, um ihre Geschichten zu erzählen. Seine Meinungen zu den rezenten Geschehnissen der amerikanischen Polit-Welt, allen voran die Wahlen, hat Savage in diesem neuen Buch zusammengefasst.

Schwieriges Thema, leichte Verpackung

Das Augenmerk liegt dabei hauptsächlich auf Sex und Politik. Das macht bereits der Untertitel „Insights, Slights and Fights, on Faith, Sex, Love and Politics“ eindeutig klar und zeigt die üblichen Spannungsfelder, in denen sich Savage bewegt. Was er, im Gegensatz zu vielen anderen politischen Kommentatoren, problemlos fertig bringt, ist bei jedem Thema locker rüber zu kommen, egal wie ernst es ist. Gekonnt legt er den Finger in die Wunde der Ultra-Konservativen und Fanatikern, die versuchen, sich in das Sexualleben der Menschen einzumischen.

Vor allem wenn es um das Thema Homosexualität geht, kann Savage unglaublich viel aus eigener Erfahrung berichten, was jedem einen Einblick in die Situation der frühen 80er und der Entwicklung bis heute gewährt.

Zwar sind einige Referenzen für europäische Leser zunächst schwer zu begreifen, ist das Buch schließlich auch auf einen englischsprachigen Markt zugeschnitten. Mithilfe einer kleinen Recherche kann man jedoch relativ schnell den Kontext aufbauen. Schließlich ist es selten genug, dass man überhaupt einen Überblick über die Geschichte der Homosexuellenbewegung findet.

Eklige Beiprodukte

Savage beschränkt sich jedoch nicht nur darauf, sondern greift die Diskussionen rund um die LGBT-Gemeinschaft in den USA auf. Dabei konzentriert er sich natürlich auf die wichtigen Figuren der Republikanischen Partei. Allen voran Rick Santorum, der es schließlich Savage zu verdanken hat, dass er ein
Google-Problem hat.

Es ist eines der lustigeren Kapitel des Buches, in dem ausgelegt wird, wie genau es dazu gekommen ist, dass ein ekliges Beiprodukt von Analsex als „Santorum“ definiert wurde. Savages Blick geht dabei über den typischen Medienhorizont hinaus, deckt er doch zugleich auch die Blogosphäre in beiden Lagern ab.

Den absoluten Höhepunkt bietet Savage, als er sein Essen mit Brian Brown beschreibt. Oder besser gesagt, dessen Vorbereitung, bei dem Dan Savages Ehemann Terry gar nicht glücklich war, als er das Haus wie für Weihnachten rausputzen sollte. Wer hört, was Brian Brown von Homosexuellen hält, kann dies nur nachvollziehen, ist er doch mit Abstand eine der konservativsten und radikalsten Figuren überhaupt in der Diskussion.

Hochklassige Argumentation

Doch auch abseits dieses Themenkomplexes gibt Savage allgemeinere Einblicke in Beziehungs- und Sexualmoral und ihrem Zusammenspiel mit Politik und Religion. Einige der beliebtesten Argumente werden hier von Savage mit Leichtigkeit ausgehebelt und hypokritische Elemente herausgeschält. Savage tut dies nie mit der Schwermut zahlreicher anderer Kommentatoren, sondern behält dabei eine Leichtigkeit zurück, die absolut bewundernswert ist. Durch den leicht verständlichen und bekömmlichen Stil ist das Buch auch schnell gelesen. Egal ob man den Darstellungen von Savage zustimmt oder nicht, bietet sich hier doch ein sehr spannender Einblick in die politischen Dimensionen der Sexualitätsdebatten in den Vereinigten Staaten, wie er leider viel zu selten geboten wird. „American Savage“ ist lustig, intelligent und gewitzt geschrieben und damit zumindest ein Probelesen wert.
„American Savage: Insights, Slights, and Fights on Faith, Sex, Love, and Politics“ von Dan Savage ist auf English beim Dutton Adult Verlag erschienen und kostet 19,80€ (320 Seiten).