SEPILOK/KINABATANGAN
SIMONE MOLITOR

Erlebnisreiche Expedition ins Tierreich der Insel Borneo

Unberührte Natur, tropische Regenwälder, dichter Dschungel, exotische Pflanzen und seltene Tiere: Wer einen naturnahen Abenteuerurlaub plant, ist im malaiischen Teil der landschaftlich atemberaubenden Insel Borneo genau richtig. Die Tierwelt, mit der man in den Naturreservaten in Kontakt kommt, ist einzigartig, - auf Borneo (und der indonesischen Insel Sumatra) leben nämlich die einzigen Primaten außerhalb Afrikas. Durch die Zerstörung ihres Lebensraums und nicht zuletzt illegalen Tierhandel sind die sanftmütigen Menschenaffen allerdings vom Aussterben bedroht. Im „Sepilok Orangutan Rehabilitation Center“, rund 25 Kilometer westlich von Sandakan, werden seit 1964 verwaiste und beschlagnahmte Tiere aufgenommen und wieder ausgewildert. Unsere dreitägige Dschungelerlebnistour - und eine solche gehört definitiv auf die Borneo-To-do-Liste - starten wir deshalb genau dort.

Auf Tuchfühlung mit Menschenaffen

Das Rehabilitationszentrum befindet sich in einem 4.300 Hektar großen von der Abholzung verschonten Waldgebiet in Sepilok. Bis die dort aufgenommenen Orang-Utans bereit sind, in freier Wildbahn zu überleben, durchlaufen sie einen langen Prozess. Sie müssen alles lernen, was ihnen ihre Mutter in den ersten zehn Lebensjahren beibringen würde: Auf Bäume klettern, ein Nest bauen, essbare Früchte sammeln, Trinkwasser finden. Im Orang-Utan-Zentrum übernehmen Pfleger die Rolle der Mütter. Bis zu zehn Jahre dauert es, bis ein Tier unabhängig ist. Kostenpunkt: 1.700 Euro pro Jahr. Als zahlender Besucher trägt man somit seinen bescheidenen Teil zum Überleben der sanftmütigen Menschenaffen bei.

Plankenwege und markierte Pfade führen durch Mangroven- und Tieflandwälder. Links und rechts raschelt es im Gebüsch. Hier und da hört man ein lautes Schreien. Hoch oben in einer Baumkrone entdecken wir schließlich einen der zotteligen Waldbewohner. „Das ist ein wilder Orang-Utan, der hat sich eingeschlichen“, erklärt uns einer der Pfleger und geleitet uns weiter zu einer Plattform, die zweimal täglich immer zur gleichen Zeit als Futterplatz dient. Und siehe da, die innere Uhr der rötlich-braunen Tiere funktioniert einwandfrei. Noch bevor der Pfleger mit seinem Früchtekorb auf der Plattform erscheint, hangeln sich die ersten Orang-Utans geschickt über Seile Richtung Futterstation. Als das Obst verteilt ist, machen sich vier ihrer Art in aller Ruhe darüber her und lassen sich nicht durch unsere entzückten „Aaahs“ und „Ooohs“ aus sicherer Entfernung stören. Nach einem Abstecher in den Kindergarten und die Kletterschule für die ganz Kleinen verlassen wir das Zentrum mit einem Lächeln im Gesicht, das uns möglicherweise bald vergehen wird: Drei Tage und zwei Nächte in der Wildnis liegen vor uns.

Auge in Auge mit Spinnen, Affen und Krokodilen

Gebucht haben wir die Erlebnistour bei „Uncle Tan“, dessen Team uns mit dem Minibus zum bräunlichen Fluss Kinabatangan bringt, wo wir mit unseren in Plastiktüten verpackten Rucksäcken in ein längliches Motorboot steigen, das uns immer tiefer in das Rückzugsgebiet vieler wilder Tiere bringt. Fernab der Zivilisation liegt „Uncle Tan’s Camp“. Holzhütten mit vergitterten Fenstern dafür aber ohne Türen sind unser Zuhause für die nächsten Tage. In Moskitonetze gehüllte Matratzen liegen auf dem Boden. Fließendes Wasser oder eine Klospülung gibt es nicht, dafür aber große Tonnen, gefüllt mit Regenwasser, und Eimer. Wir machen gleich Bekanntschaft mit furchterregenden Spinnen, bizarren Stabinsekten, neugierigen Makaken und stechwütigen Moskitos.

Während einer anschließenden Bootssafari auf einem Seitenarm des „Kinabatangan River“ fliegen skurrile Nashornvögel und anmutige Adler an uns vorbei . Hoch oben in den Wipfeln der grünen Urwaldriesen tummeln sich verschiedene Affenarten, am Ufer spielen Makakenkinder miteinander. Skurril aussehende Nasenaffen blicken auf uns herab. Ein riesiges Krokodil taucht vor unseren Augen - und von weiblichem Gekreisch begleitet - blitzschnell unter. Den Sonnenuntergang beobachten wir ebenfalls vom Boot aus und staunen über die Geräuschkulisse, die mit zunehmender Dunkelheit immer lauter und beeindruckender wird. Jetzt erwacht der Dschungel erst richtig zum Leben. Gleichzeitig bekommen wir einen Vorgeschmack darauf, was uns am nächsten Abend während unserer Nachtwanderung erwarten wird.

Am Ende überleben wir auch dieses Abenteuer, sind gleichzeitig um eine einzigartige Erfahrung reicher und haben viel dazu gelernt, zum Beispiel, dass man sich mit atmungsaktiven Trekkingschuhen nicht mitten in einen Ameisenhaufen stellt...


Infos unter uncletan.com und sepilok.com