LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Fentingen: Jäger muss sich wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten

In der Nähe von Fentingen waren am 24. September 2016 fünf Jäger bei einer Jagd unterwegs, um Wildschweine in einem Maisfeld zu schießen. Als ein heute 52-jähriger Jäger gegen 17.30 auf ein Wildschwein schoss, traf das Projektil nicht das Wildschwein, sondern in rund 570 Metern Entfernung eine Frau, die mit Freunden im dritten Obergeschoss auf der Terrasse eines Wohnhauses saß. Jetzt muss sich einer der Jäger wegen fahrlässiger Körperverletzung vor Gericht verantworten.

„Es hätte tödlich enden können“

Nach dem gefallenen Schuss brach die Frau zusammen und musste mit schweren Verletzungen im Gesicht ins Krankenhaus gebracht werden. Wie die Ärzte später feststellten, hatte eine Kugel den rechten Unterkiefer getroffen. Die Frau wurde in eine Uniklinik nach Belgien gebracht und dort operiert. Wer den Schuss abgab, war da noch unbekannt.

Es soll sich um einen Unfall handeln: Die Ermittlungen führten in den angrenzenden Wald, wo zu diesem Zeitpunkt eine genehmigte Jagd auf Wildschweine im Gange war. Eine Hülse des Projektils wird später auf dem Waldgelände gefunden. Nachdem das Geschoss am 30. September 2016 herausoperiert worden war, konnte die Kriminalpolizei die Kugel, Kaliber 45-70, einer Jagdwaffe und somit einem Jäger aus dem Raum Hesperingen-Howald zuordnen, der wegen des Zwischenfalls nun vor Gericht steht. Laut Ermittler war das Dorf von der Distanz her nicht einfach zu sehen. Der Jäger hätte leicht bergauf geschossen, erst auf das Tier, doch die Kugel soll in den Boden eingedrungen sein. Aber auch eventuelle Verstöße gegen das Jagdrecht wurden gestern untersucht. Denn ab und an sollen Waidmänner Passanten in Gefahr gebracht haben.

Gerichtsmediziner Dr. Andreas Schuff sagte aufgrund der Verletzungen vor Gericht über die Schussdistanz aus: Es war ein Schuss aus weiter Entfernung. Nach ersten Ermittlungen waren es 570 Meter. Der Fernschuss hätte tödlich sein können, wenn das Geschoss die Schläfe oder die Halsader getroffen hätte.

Die Frau hatte auf einem Stuhl gesessen, habe plötzlich ein Zischen gehört, kräftige Schmerzen verspürt und stark geblutet. Das Geschoss sei - leicht schräg - in die rechte untere Kinnpartie eingetreten. „Eine solche Schussverletzung geht in der Regel mit erheblichen Destruktionen des Gewebes einher“, sagte Dr. Schuff. Das Geschoss hätte schon viel Energie abgebaut gehabt, bevor es eintraf.

In der ersten Gerichtsverhandlung zog die Geschädigte ihre Schlussfolgerungen und meinte, der Jäger hätte das nicht gewollt. Das Geschehen sei aber ein Beleg dafür, dass bei der Jagd Gefahr für jeden und alles besteht - ganz gleich, ob Mensch oder Tier. Das Opfer würde sich seither nicht mehr trauen, in den Wald zu gehen.

Der Prozess wird heute fortgesetzt.