Das war nun einmal eine Fusion, die zügig und problemlos über die Bühne ging: Nach dem erfolgreichen Referendum am 25. Mai 2014, bei dem sich 80 Prozent der Wiltzer Bürger und 54 Prozent der Wahlberechtigten aus Eschweiler für eine Vereinigung der beiden Ortschaften ausgesprochen hatten, wurde die Fusion am 19. Dezember gesetzlich verankert. Am vergangenen Montag tagte nun der Gemeinderat zum ersten Mal.
Die elf Räte aus Wiltz und die sieben Räte aus der ländlichen Nachbargemeinde bestimmten bei dieser Gelegenheit in geheimer Wahl ihren Schöffenrat bis zu den nächsten Wahlen im Jahr 2017. Dann wird die Zahl von 18 auf 13 sinken.
Einstimmig und ohne Überraschung wurde der amtierende Député-maire Fränk Arndt zum Bürgermeister bestimmt, der bisherige Eschweiler Bürgermeister François Rossler übernimmt das Amt des ersten Schöffen. Komplettiert wird der Schöffenrat durch die vier Schöffen Pierre Koppes und Raymond Shinn aus Wiltz sowie Patrick Comes und Michael Schenk aus Eschweiler.
Neue Schöffenratserklärung für die nächsten drei Jahre
Bürgermeister Arndt (LSAP) trug am Montag auch die Schwerpunkte und die Zielsetzungen des neuen Schöffenrats vor. Als Hauptherausforderungen stellte er die Festigung des Stellenwerts von Wiltz als regionales Zentrum in den Ardennen, was Wirtschaft und Beschäftigung, Erziehung und Bildung, Wohnen und Handel, Tourismus und Freizeit sowie Dienstleistungen anbelangt vor.
Des weiteren verwies er auf die Umsetzung des größten Entwicklungsprojekts der Region auf den Wiltzer Industriebrachen, das eine außerordentliche Entwicklungsperspektive biete: Platz für eine gemischte urbane Zone nach den Kriterien einer nachhaltigen Entwicklung , für verschiedene Wohnungsarten zu bezahlbaren Preisen und für moderne Gewerbeflächen, um Geschäfte und Dienstleistungen anbieten zu können. Durch die Bebauung wachse Wiltz definitiv zusammen.
Dabei verwies er auf die gesunde Finanzlage, die durch die Fusion weiteren Spielraum erhält. Die Verschuldung liege Ende 2015 bei 15 Millionen Euro, also 2.200 Euro pro Kopf. Im Reservefonds standen 2014 500.000 Euro, die Reserven im Wohnungspakt liegen bei 730.000 Euro. Schwerpunkt in den nächsten Jahren werde der Schöffenratserklärung nach auch die Umsetzung einer Marketing- und Kommunikationsstrategie für die Stadt sein.
Als konkrete Projekte, die bereits in den gemeinsamen Haushalt für 2015 eingeflossen sind zählte Arndt die laufenden Arbeiten in Wiltz auf: Die Neugestaltung von Niederwiltz rund um den Bahnhof sowie des Viertels rund um den Place de Martyrs in Oberwiltz und des Feuerwehrbaus. Geplant sei der Bau eines Vielzwecksaals über der Tribüne des neuen Fußballstadions, der Ausbau verschiedener Spielplätze und des Glasfasernetzes.
Für die ehemalige Gemeinde Eschweiler sind punktuelle Projekte vorgesehen
In der ehemaligen Gemeinde Eschweiler gelte es punktuelle Projekte in Angriff zu nehmen. So soll die Kläranlage in Selscheid modernisiert, die Hackschnitzelanlage für das Fernwärmenetz in Eschweiler erweitert und altersgerechte und Sozialwohnungen gebaut werden. Es soll in Eschweiler auch ein Indoor-Minigolf entstehen und das Rathaus soll für Dienstleistungen genutzt werden.
Der Beitritt von Wiltz zum Naturpark Obersauer soll in den nächsten Monaten definitiv abgeschlossen werden. Angedacht sei im Bereich der alternativen Energien ein Windpark zusammen mit der Gemeinde Goesdorf. Der Haushalt 2015 der neuen Fusionsgemeinde wurde mit den sechs Stimmen der Wiltzer LSAP-Räte und den sieben Stimmen der Eschweiler Räte angenommen, während die Wiltzer DP- und CSV-Oppositionsräte sich enthielten. Zu welcher Partei die ehemaligen Majorz-Räte aus Eschweiler sich nun bekennen werden, ist noch nicht bekannt. Lediglich der ehemalige Bürgermeister François Rossler soll jetzt eine LSAP-Karte besitzen.


