WILTZ
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Steckbrief Wiltz

Erste Proporzwahlen in der ganzen Fusionsgemeinde

Die hügelige und waldreiche Gemeinde dehnt sich auf 3.925 Hektar aus und umfasst die Ortschaften Erpeldingen, Eschweiler, Knaphoscheid, Niederwiltz, Roullingen, Selscheid, Weidingen und Wiltz. Die Stadt Wiltz und die Gemeinde Eschweiler haben zum 1. Januar 2015 fusioniert nachdem sich die Einwohner von Eschweiler am 25. Mai 2014 per Referendum für eine Heirat der beiden Nachbarkommunen entschieden hatten. Die Zahl der Räte im Gemeinderat der neuen „Ville de Wiltz“ stieg daraufhin auf 18 (8 LSAP, 4 CSV, 2 DP und 4 ohne „Etikett“) und es gibt nunmehr fünf Schöffenmandate. Mit den Gemeindewahlen vom 8. Oktober sinkt die Zahl der Mandate auf 13 und die Zahl der Schöffen auf drei. Interessant ist, dass auf der LSAP-Liste François Rossler kandidiert, der frühere Bürgermeister von Eschweiler, der aus der CSV ausgetreten war. Wiltz zählt heute 6.730 Einwohner, vor sechs Jahren waren es (Wiltz und Eschweiler zusammen gerechnet) 5.758.

„Es gibt keinen Spitzenkandidaten bei der DP Wiltz, es gibt aber eine kompetente und engagierte Mannschaft aus erfahrenen und jungen Leuten, aus den verschiedensten Berufssparten“, stellt Henri Roemer gleich zu Anfang unseres Gesprächs fest. Neben den DP-Räten Jean Jacquemart und Vu Tang Huynh dürfte er allerdings die langjährigste politische Erfahrung auf der Liste mitbringen, auf der außerdem noch Alphonse Arend, Amel Cosic, Filipe Dias de Brito, Andy Foyen, Guy Herbin, Velid Jusufovic, San Kalabic, Guy Libambu, Jean-Claude Lipperts, und Sabina Susic antreten.

Der ehemalige Fußballnationalspieler, Diplomat, Medienprofi und FLF-Präsident hat sich schon früh auch in der Politik engagiert, inspiriert von Gaston Thorn - über den er ein Buch verfasste -, von Marcel Mart oder auch Camille Polfer. Alles habe er mit Leidenschaft getan, sagt Henri Roemer, der heute mit Passion den Hotel-Restaurant-Komplex „Aux Anciennes Tanneries“ in Wiltz managt und sehr engagiert im Sport- und Sozialleben in Wiltz und der Region mitwirkt. Nun will er gemeinsam mit dem Team die DP in der Ardennenstadt in die Verantwortung bringen. Wie, erklärte er uns im Interview.

Herr Roemer, weshalb treten Sie bei diesen Gemeindewahlen an?

HENRI ROEMER Weil es nicht gut um Wiltz steht und ich mithelfen möchte, das zu ändern. Wiltz war früher DER Attraktivitätspol im Norden des Landes, heute ist es laut Statec die Gemeinde mit dem höchsten Anteil an Mindestlohnempfängern und eine der Gemeinden mit der höchsten Arbeitslosenquote. Auch Handels- und Industrieaktivitäten brauchen Erneuerung, der Tourismus hinkt. 

Wir glauben, dass es Wege gibt, dies zu ändern und möchten sie umsetzen. Aber das geht nur in der politischen Verantwortung, die leider seit nunmehr 18 Jahren völlig und allein in den Händen der LSAP liegt. Ich will nicht sagen, dass alles schlecht war, was getan wurde. Ich bin aber überzeugt, dass Wiltz besser voran käme, wenn auch andere politische Kräfte ihre Ideen konkret mit einbringen könnte.

Was schlägt die DP Wooltz vor?

ROEMER Was wir zunächst brauchen, ist ein mittel- und langfristiger kommunaler Entwicklungsplan, der alle Ortschaften gleichberechtigt mit einbezieht und an dem alle Bürger teilhaben können. Sollten wir in die Verantwortung kommen, werden wir diese Arbeiten sofort organisieren. Was sofort kommen wird, ist auch eine viel bessere Informationspolitik für die Bürger. Alle Informationen sollen in sämtlichen Ortschaften zugänglich sein und die Gemeinderatssitzungen sollen über Internet übertragen werden. Zudem werden wir die Gemeindeverwaltung so aufstellen, dass der Bürger einen optimalen und sehr einwohnerfreundlichen Service erwarten kann mit flexiblen Öffnungszeiten und regelmäßigen Informationsversammlungen für die neuen Bürger.

Das klingt nach jahrelanger Arbeit. Aber was muss Ihrer Meinung nach sofort geschehen in Wiltz?

ROEMER Es ist eine notwendige Arbeit, die bereits sehr viel früher hätte in Angriff genommen werden können. Kurz- und langfristig haben wir das Wohlergehen der Kinder in der Gemeinde an die Spitze unserer Prioritäten gesetzt. Jetzt bereits muss über die Ausdehnung der bestehenden Infrastrukturen diskutiert werden. Wir müssen in allen Ortschaften Treffpunkte für die Jugend schaffen. Bolzplätze sind da ein gutes Angebot. Aber wir möchten auch neben dem für Kinder bis 12 Jahre bestehenden Kinderbüro auch eine gewählte Jugendkonferenz schaffen mit Mitspracherecht in der Gemeindepolitik und eine Disko. Es soll an öffentlichen Plätzen Wifi geben und die jungen Leute sollen auch zu später Stunde auf gute Verbindungen im öffentlichen Transport in ihre Wohnortschaften zählen können - Stichwort „Night Rider“. Wir dürfen nicht vergessen: Wiltz ist auch eine Studentenstadt mit dem Campus im Schloss. Und den Studenten muss etwas geboten werden.

Wie steht es mit der Wohnungsbauproblematik?

ROEMER Wir müssen mehr Bauland mobilisieren und auch zuschauen, dass es bei neuen Projekten eine gute soziale Durchmischung gibt. Wir sind begeistert vom Projekt „Wunne bei der Wooltz“, das maßgeblich von DP-Wohnungsbauminister Marc Hansen weiter getrieben wird und die Industriebrache im Herzen der Stadt nach zwei Jahrzehnten zu einem modernen Viertel machen soll. Wir werden auch versuchen, zusammen mit den Verantwortlichen das Projekt durch eine moderne Mehrzweckhalle sowie „Public Private Partnerships“ zu ergänzen.

Der Verkehr scheint ein größeres Problem für Wiltz zu sein?

ROEMER In der Tat. Das schmälert die Attraktivität der Einkaufsstadt. Die DP tritt schon seit Jahren dafür ein, dass der Parkplatz an der alten Spielschule im Zentrum der Stadt vergrößert wird. Wir haben uns auch stark gemacht für 30er-Zonen in verschiedenen Vierteln und befürworten die Einrichtung eines „Shared Space“ im Stadtkern.

Aber wir müssen natürlich über die Stadt hinaus denken und die ganzen kommunalen Verkehrs - sowie Wanderwege gründlich unter die Lupe nehmen. Manche sind überhaupt nicht mehr angepasst an die moderne Entwicklung. Wir sind auch überzeugt, dass die Reorganisation des Schultransports Entlastung bringen kann.

Sie haben es vorhin bereits angeschnitten: Wiltz war mal ein Attraktivitätspol, auch touristisch. Wie wollen Sie die Gemeinde wieder dahin bringen?

ROEMER Wiltz hat bereits sehr viel zu bieten in punkto Natur, Kultur, Museen und an historischen Denkmälern. Das müsste viel offensiver vermarktet werden. Wir bedauern, dass das Projekt City Management scheiterte, offensichtlich auch weil es an dem nötigen Konzept mangelte. Dass wir ein Stadtmarketingkonzept brauchen, liegt auf der Hand. Der Tourismus ist eine wichtige Komponente darin. Heute sind verschiedene Wanderwege nicht ordentlich beschildert, es fehlen Verbindungen zum nationalen Radwegenetz. Es gilt, Highlights zu schaffen. Wiltz war eine Kapitale des Scoutismus. Wir möchten die Kommune wieder als solche international positionieren, aber dafür brauchen wir die notwendigen Infrastrukturen und Werbung.

Und wie wollen Sie Wiltz zum Wirtschaftspol machen?

ROEMER Wir setzen dabei nicht nur auf eine Ausdehnung der Aktivitätszonen Wiltz/Winseler und Eschweiler, sondern auch auf gezielte Unterstützungen besonders für Startups und Unternehmen, die sich in den Dörfern ansiedeln möchten. Wir müssen sie richtig anwerben, denn die Konkurrenz ist groß. Da muss man unermüdlich dran arbeiten, wie eigentlich bei jedem Projekt, das man umsetzen will. Die Gemeindeführung ist da definitiv nicht proaktiv und hartnäckig genug.

Wie wollen Sie das alles finanzieren?

ROEMER Wir werden zunächst ein ordentliches Screening der kommunalen Finanzen durchführen, um zu schauen, wie die Gelder effizient im Interesse der Bürger gemanagt werden können. Die Kommune hat durch die Fusion 11,5 Millionen Euro zusätzlich in ihre Kasse bekommen und auch die Reform der Gemeindefinanzen tut Wiltz gut. Da lässt sich sicher einiges mehr verbessern als nur schöne Blumenkübel aufzustellen.