LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ausbaupläne in Luxemburgs Süden sorgen für erhöhte Aufmerksamkeit

Windkraftanlagen, volkstümlich Windräder, gelten im Großen und Ganzen als vergleichsweise unproblematische Art der Energiegewinnung - Probleme machen nur der Schattenfall der drehenden Flügel und eventueller Einfluss auf die Vogelwelt. Von Windkraftgegnern wird auch oft das Argument „Infraschall“ angeführt.

Schon im November 2017 machte eine parlamentarische Anfrage von Eugen Berger (DP) darauf aufmerksam, dass die Windräder näher an die Menschen heranrücken. Bisher sind luxemburgische Windkraftanlagen in den ländlichen Gegenden des Ostens oder auf dem Hochplateau des Ösling errichtet worden. Immer dort wo das Verhältnis von möglichst viel Wind und geringstmöglichem Eingriff in die Natur ausgeglichen war. Jetzt sind aber Planungen für Windparks in der Diskussion, die im erheblich dichter besiedelten Süden des Großherzogtums errichtet werden sollen. Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng) nannte auf Bergers Frage fünf verschiedene Standorte beziehungsweise Projekte für Einzelanlagen oder Windparks im Süden: Differdingen, Garnich, „Sudwand“ (Sassenheim, Monnerich, Bettemburg, Dippach, Reckingen/Mess, Roeser und Weiler-la-Tour), Dalheim und Kayl-Rümelingen, die alle noch mehr oder minder in der Vorplanung steckten.

Der liberale Dippacher Schöffe und Abgeordnete Max Hahn hat jetzt mit einer weiteren parlamentarischen Anfrage in Sachen „Windräder im Süden“ noch einmal nachgehakt - diese Mal mit den Schwerpunkten „Abstand zur Wohnbebauung“ und „Mögliche Belastung durch Infraschall.“

Max Hahn bezog sich auf die von Berger angesprochenen Planungen und auftretende Befürchtungen der Bevölkerung über mögliche negative Einflüsse und Belastungen durch Infraschall. Gleichzeitig bezog er sich auf ein Gutachten der französischen Gesundheitsagentur ANSES, laut dem Infraschall (Töne deren Frequenz unterhalb des menschlichen Hörvermögens liegt) keinen nachweisbaren direkten Einfluss auf die Gesundheit hat. Das von Anwohnern wahrgenommene Unbehagen (…gêne…) stehe wohl im Zusammenhang mit der inneren Ablehnung der Windräder, so deren Schlussfolgerung.

Hahn wollte detaillierte Auskünfte über die Abstände, die die neuen Windkraftanlagen von einer Wohnbebauung haben müssen, ob es schon Klagen über gesundheitliche Einflüsse von Windrädern gegeben habe und ob die Ministerin der Ansicht der ANSES folge?

Im Durchschnitt 914 Meter Abstand

Die Antwort von Ministerin Carole Dieschbourg umfasst zwar zwei eng beschriebene Seiten, lässt sich aber deutlich kürzer zusammenfassen. Zunächst verweist sie auch auf Eugene Bergers Frage aus dem November 2017, stellt dann aber fest, dass zurzeit nur eine Genehmigungsanfrage für die Windkraftanlage in der Gemeinde Garnich vorliegt. Alle anderen Vorhaben seien noch in der Überprüfung. In Garnich wird der Abstand zum nächsten Wohnhaus, einem Bauernhof im Außenbereich, 614 Meter betragen. Bis zu den Häusern der dörflichen Bebauung steigt der Abstand auf 850 Meter.

Wenn man ganz Luxemburg betrachtet, liegt der mittlere Distanz zwischen Windrad und Wohnbebauung, laut Umweltverwaltung bei 914 Metern, der Median bei 777 Metern.

Es habe noch keine Beschwerden über negative Gesundheitseinflüsse von Windrädern gegeben, weder bei der Umweltverwaltung noch bei den Akustikern der Gesundheitsdirektion.

Offenbar ein psychologisches Problem

Dieschbourg schildert den Werdegang der französischen Untersuchungen zum Thema Infraschall und schließt sich deren Urteil an, dass Windräder und deren Vibrationen im Infraschallbereich keine direkte Auswirkung auf die Hörgesundheit der Anwohner hat. Das Ganze sei wohl mehr ein psychologisches Problem der „Betroffenen“. Die französische Behörde sei nach vielen Untersuchungen, Messungen und Studien zum Ergebnis gekommen, dass es keine nachweisbare Kausalität zwischen den niederfrequenten Geräuschen der Windräder und den bei einer geringen Anzahl der Anwohner auftretenden Symptome gibt.

Angesichts der Neutralität der ANSES müsse dieser Schluss akzeptiert werden - so der Schluss von Dieschbourg.