Klaustrophobie muss der intimste Freund der Musiker Gérard Meurant, Phil Maggi und Phippe Cavaleri heißen. Würden sie sich sonst aus freien Stücken mit ihren Samplern und Rhythmusmaschinen in eine Holzkiste hinein zwängen, die nur unwesentlich größer als eine Waschmaschine aus dem Elektrofachmarkt ist? Wohl eher nicht. Die Darbietung der drei Musiker ist ein wichtiges Puzzleteil in der Installation des zeitgenössischen Künstlers Jonathan De Winter. Sein Werk Tuuli#03 wird heute Abend im Foyer des Centre des Arts Pluriels Ed. Juncker (CAPe) zum Leben erweckt .
Der 45-minütigen Performance ging eine intensive Vorbereitungszeit von einem Monat voraus; vor einer knappen Woche fing der Belgier an, seine Kunstlandschaft aus altem Gerümpel und Sperrmüll auf zu bauen. Gegenstände, die De Winter vor der Müllverbrennungsanlage oder dem Recyclinghof gerettet hat, wurden zu futuristischen Skulpturen zusammengeschraubt, in deren Innern heute Abend bis zu drei Musiker samt ihren Instrumenten Platz finden. Die Mitglieder der Metzer Alternative-Rock-Band „Singe Blanc“ pfercht De Winter in einen containerartigen Metallbehälter, der auf vier ausgedienten Traktorreifen balanciert und mit drei Musikern in seinem Ranzen zu einer wackeligen Angelegenheit wird.
Es sei seine Absicht, die Musiker einer gewissen Gefahr auszusetzen, erklärte Jonathan De Winter uns gegenüber während den Aufbauarbeiten. Wobei der Begriff „schwierige Arbeitsbedingungen“ wohl eher zutreffen würde. Beeinflussen die Rahmenbedingungen die Kreativität und Produktivität der Musiker? Dies gilt es heute Abend herauszufinden.
Einige Musiker werden heute auf eigenen Wunsch das Innere eines Holzwürfels mit ihren Geräten teilen; als Schaufenster dient ein ausrangiertes Bullauge, durch das die Besucher den Klangkünstlern bei der Arbeit zuschauen können.
Installations-Eintagsfliege
Neben der französischen Band „Singe Blanc“ und den drei Elektronikern Meurant, Maggi und Cavaleri beteiligen sich auch drei Studenten aus dem Konservatorium des Nordens an De Winters Kunstprojekt. Seit fünf Jahren kreiert der Belgier nun seine Kunstinstallationen, eine Melange aus Skulpturen und Musik. Nun arbeitet er zum allerersten Mal mit Musikern aus dem Bereich der Klassik zusammen; die beiden Kontrabassisten und der Klavierspieler nehmen übrigens, ganz unspektakulär, auf einer herkömmlichen Holzbühne Platz.
Weder der Besucher, noch De Winter selbst wissen genau, was sie heute Abend erwartet. Er konstruiere die gesamte Installation und gebe den Musikern ein paar Richtlinien mit auf den Weg. Aus diesen Richtlinien und einer üppigen Portion künstlerischer Freiheit basteln die Ensembles ihre einzelnen Beiträge.
Schade ist es allemal, dass Jonathan De Winter nur ein einziges Mal seine gesamte Installation zum Leben erweckt. Die Objekte funktionieren jedoch auch ohne ihre musikalischen Organe. Sie blieben Skulpturen, so De Winter, dessen Objekte noch bis zum 6. Juli im CAPe-Foyer ausgestellt sind. Ein Auto würde ja auch nicht aufhören ein Auto zu sein, wenn es nicht mehr gefahren wird, erklärte der Belgier.



