WINTGER
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Steckbrief Wintger

Die flächenmäßig größte Gemeinde

Wintger (Wëntger) ist mit 11.336 Hektar die flächenmäßig größte Gemeinde Luxemburgs. Sie entstand 1977 durch die Fusion der Gemeinden Asselborn, Boevange, Hachiville und Oberwampach. 27 Ortschaften, die zum Teil weit auseinander liegen und sehr klein sind, fanden damals unter ein Dach: Allerborn, Asselborn, Boevange, Boxhorn, Brachtenbach, Cinqfontaines, Crendal, Deiffelt, Derenbach, Doennange, Hachiville, Hamiville, Hinterhassel, Hoffelt, Lentzweiler, Lullange, Maulusmühle, Niederwampach, Oberwampach, Rumlange, Sassel, Schimpach, Stockem, Troine, Troine-Route, Weiler und Wincrange. In letzterem Ort liegt der Sitz der Gemeinde, die sehr landwirtschaftlich geprägt ist mit rund 100 Bauernbetrieben. 2011 zählte Wintger insgesamt 3.782 Einwohner und heute 4.227. Regieren tut seit 2005 eine CSV/LSAP-Koalition. Bürgermeister ist derzeit Marcel Thommes (CSV), und Carlo Weber (LSAP) und Lucien Meyers (CSV) sind Schöffen. Die CSV zählt insgesamt fünf Mandate, die LSAP drei, die DP zwei und die ADR einen. Die DP stellte zwischen 1993 und 2005 mit Agny Durdu die Bürgermeisterin der Landgemeinde. Die ehemalige Abgeordnete (1994-2004) und heutige Staatsrätin Durdu, die auch 2011 erneut in den Gemeinderat gewählt wurde, tritt diesmal nicht mehr an.

Mit CSV, LSAP, DP und ADR treten am 8. Oktober vier politische Formationen in der flächengrößten Gemeinde des Landes an, die aber lediglich etwas mehr als 4.200 Einwohner zählt. Sie hat allein aufgrund ihrer Fläche große Herausforderungen zu meistern. Der Unterhalt der Straßen ist eine solche oder die Trinkwasserversorgung und Abwasseraufbereitung, aber auch die Planung von neuem Wohnraum.
Alex Thillens, einer der beiden DP-Vertreter im Gemeinderat, wirft der seit 2005 amtierenden CSV/LSAP-Mehrheit vor, die Planung der Zukunft der Kommune zu kurzsichtig anzugehen.

Neuer Bebauungsplan fehlt noch immer

„Vor zwölf Jahren haben sich die heutigen Koalitionspartner im Wahlkampf schrecklich darüber aufgeregt, dass der neue Bebauungsplan noch nicht stand. Sie wollten Gas geben in dem Dossier. Heute liegt noch immer keiner vor, mittlerweile sind aber rund 1,1 Millionen Euro in Ausarbeitungskosten geflossen“, prangert Thillens an, der sich auch um die Gemeindefinanzen sorgt.

Unklarheit beim künftigen Schulkomplex

Der DP liegt besonders ein großes notwendiges Invest auf dem Magen und zwar die Zukunft des Schulkomplexes, bei dem sich die Gemeindeführung immer noch nicht festgelegt habe, ob die bestehende Schule denn nun renoviert oder ein kompletter Neubau in Auftrag gegeben werde. Die Opposition sei da völlig außen vor gelassen. „Wir wissen aber, dass solche Projekte in den zweistelligen Millionenbereich gehen können. Es ist also ausgesprochen wichtig, das richtig anzupacken“, unterstreicht Alex Thillens, der über unzureichende Transparenz in diesen Dossiers klagt.

Beste Startbedingungen für die Kinder schaffen

„Wintger hat 6,7 Millionen Schulden“, sagt der Gemeinderat, „da muss man genauestens im Blick haben, wie sich die Finanzlage entwickelt. Umso mehr wir mit der Schule, den Kläranlagen und dem Wegenetz bedeutende Investitionen tätigen müssen, jetzt und in Zukunft“. Für Luc Reff, den jungen DP-Kandidaten aus Stockem ist es eine absolute Priorität, für die besten Bedingungen in den Schulen und den Betreuungstrukturen zu sorgen, die außerdem auch in puncto Öffnungszeiten den Eltern besser entgegen kommen sollen: „Unsere Kinder sind für uns keine Kleinigkeit, und wir werden dafür sorgen, dass sie die besten Startbedingungen in ihr Leben bekommen“.

Öffentlicher Transport: Takt läuft an den Bedürfnissen vorbei

Eine weitere Sorge der Wintger DP und ein großer Programmpunkt in ihrem Programm ist die Mobilität. Der Verkehr nehme zu, heißt es, besonders auch der Lastwagenverkehr, die N12 sei immer mehr von Staus betroffen, die DP will deshalb mehr auf den öffentlichen Transport setzen und in diesem Sinne die RGTR-Verbindungen unter die Lupe nehmen. „Der Takt läuft komplett an den Bedürfnissen der Leute vorbei“, prangert Andy Schares, DP-Kandidat aus Boxhorn an und bemerkt, dass es zumal abends nur sehr wenige Busverbindungen gibt. Die Liberalen machen sich stark dafür, dass Zubringerdienste eingerichtet werden, welche die Reisenden zu den Bahnhöfen in Ulflingen, Clerf, Drauffelt und Wiltz bringen und natürlich wieder zurück, auch abends.

Natürliche und kulturelle Reichtümer besser vermarkten

Denn bei den Bahnhöfen gibt es nur sehr reduzierte Parkmöglichkeiten. Die Stärkung des öffentlichen Transports sieht die DP Wintger als ein wichtiges Element für die Attraktivitätssteigerung der Gemeinde, die über ein bedeutendes natürliches und kulturelles Patrimonium verfüge. „Wir setzen uns dafür ein, dass der Zugang dazu optimiert und es besser vermarktet wird“, sagt Nico Eischen, Kandidat aus Oberwampach. Wintger verfüge über tolle Wanderwege, die besser miteinander vernetzt werden müssten. Im Rahmen des Leader-Projekts könnten Qualitätswanderwege vorangetrieben werden.

Anschluss an die Vennbahn-Radstrecke

Der Radtourismus ist für die DP Wintger ebenfalls eine Sparte, bei der sich die Gemeinde besser positionieren könne. Auch hier plädiert sie für eine Optimierung der Vernetzung und einen Anschluss an die beliebte Vennbahnstrecke, die bekanntlich von Ulflingen nach Aachen verläuft. Es gelte, mehr Anziehungspunkt in der Gemeinde zu schaffen, wie etwa den „Park der fünf Sinne“ in Lullingen. Natürlich müsse man sich auch bemühen, die Touristen in der Kommune zu halten, indem Konzepte für Unterbringung und Verpflegung ausgearbeitet werden.

Optimale Standort- und Ausdehnungsmöglichkeiten für Betriebe

Ausbauen möchte die DP die Industriezonen, an denen die Gemeinde beteiligt ist. Man werde dafür sorgen, dass die notwendigen Grundstücke angekauft werden, um den Unternehmen optimale Standort- und Ausdehnungsmöglichkeiten zu bieten. Aber auch die Ansiedlung von Betrieben in den Dörfern soll gefördert werden.

Landwirtschaft als Trumpf

Zur Wirtschaft gehört auch die Landwirtschaft: In Wintger gibt es pro Kopf mehr Bauernbetriebe als sonstwo in Luxemburg. Das sei eine Stärke, die sicher auch mit in ein Tourismuskonzept mit einfließen könne. Sowohl was die Qualität der lokal erzeugten Produkte anbelangt, als auch Angebote, wie zum Beispiel Ferien oder Übernachtungen auf einem Bauernhof.
Da die Natur der Haupttrumpf schlechthin von Wintger ist, steht der Umweltschutz für die DP im Mittelpunkt. Sie setzt sich für einen besseren Schutz der Quellen ein, aber auch für den Landschaftserhalt.
Sicher seien sie für erneuerbare Energien, sagen die Liberalen aus Wintger, doch mehr Standorte für Windkraftanlagen dürfe man nicht ausweisen. Man solle auf performantere Technologie bei den bestehenden Anlagen setzen.

Mehr Wohnungen, gute Pflege- und Sozialdienste

Zum Thema Wohnungsmarkt meint die DP Wintger, dass mehr Sozialwohnungen wünschenswert sind und sie solche Projekte, die mit staatlicher Hilfe entstehen, auch tatkräftig unterstützt. Genauso setze sie sich dafür ein, dass die Bürger der Gemeinde auf gute Pflege- und Sozialdienste zurückgreifen können. „Es gibt viel zu tun, um die Lebensqualität in unserer Gemeinde zu gewährleisten und zu verbessern“, schließen Alex Thillens und Nico Eischen, „dazu kann die DP natürlich am besten beitragen, wenn sie wieder in die Verantwortung kommt“.