LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Was Flohkrebse über den Zustand des Grundwassers verraten

Alexander Weigand holt ein Bild eines Grundwasserflohkrebses auf seinen Computerbildschirm und zoomt ran. Am Kopf des bleichen, augenlosen Tieres erkennt man eine Reihe Antennen mit feinen Härchen und beeindruckende Mundwerkzeuge.

„Das sind die Jäger des Grundwassers. Sie stehen in dem Umfeld an der Spitze der Nahrungskette“, erklärt der Konservator in der Zoologieabteilung des „naturmusée“. Dabei sind sie mit bloßem Auge schwer zu erkennen, werden sie doch nur wenige Millimeter bis maximal zwei Zentimeter groß. Außerdem leben sie im Grundwasser, welches dem Otto-Normalbürger zumeist verborgen bleibt. „Wenn überhaupt schwimmen diese Krebse nachts über Quellen nach draußen, um auf Beutejagd zu gehen“, schildert der Biologe, „wenn der Tag wieder anbricht und es wärmer wird, ziehen sie sich erneut ins Grundwasser zurück“. Es ist unter anderem die hohe Sensibilität der Tiere auf Veränderungen in ihrem Umfeld, die sie interessant für die Forschung macht.

Als so genannte Bio-Indikatoren geben sie Auskunft über die Belastung des Grundwassers, welches wiederum in seiner Menge und Qualität wesentlich für die Versorgung der Bevölkerung ist. Gibt es Veränderungen bei der Grundwasserqualität, etwa durch eine Nitratbelastung oder einen Temperaturanstieg, verschwinden Flohkrebspopulationen oder ihre Beute. Weshalb genau und wie sich die Tiere unter welchen Umständen verhalten, unter anderem das erforscht Alexander Weigand. „Das Grundwasser ist noch ein relativ unerschlossenes Ökosystem und Forschungsgebiet“, sagt der Biologe und weist darauf hin, dass es überhaupt schwierig ist, an Proben zu gelangen.

„Hotspots der Biodiversität“

Natürliche Höhlen mit Grundwasser sind in Luxemburg nicht vorhanden, daher untersuchen die Forscher Quellen, Bohrlöcher und steigen in ehemalige Minen hinab. In den dunklen Gefilden finden sie eine hohe Artenvielfalt. „Hotspots der Biodiversität“ nennt Alexander Weigand Grundwasservorkommen. Hier werden auch immer wieder neue Tierarten entdeckt, deren DNA-Sequenzen in internationale Datenbanken gespeist werden. Bald soll es sogar für das Grundwasser möglich sein, aus einzelnen Molekülen in einer Wasserprobe auf die Arten zu schließen, die darin gelebt haben. Eine Vorgehensweise, die sich für Flüsse und Seen bereits bewiesen hat. Unter unseren Füßen befindet sich also eine Welt mit einer Vielzahl winzigster Bewohner, die noch längst nicht alle ihre Geheimnisse offenbart haben.