JEAN-PAUL LICKES

Der 22. März steht seit 1993 weltweit im Zeichen des Wassers. International finden Veranstaltungen statt, um auf die Wichtigkeit des Schutzes dieser grundlegenden Ressource für das Leben auf dem Planeten hinzuweisen. „Waste Water-Wastewater“ heißt das Thema in diesem Jahr. Da schwingt zum einen die Dimension des Wassersparens mit, aber auch der Vermeidung von Wasserverschmutzung. Jean-Paul Lickes, der Direktor des Wasserwirtschaftsamts, hat uns einige Erklärungen dazu gegeben.

„Luxemburg hat in punkto Wasserversorgung und Abwasseraufbereitung eine extrem komplexe Situation, allein schon weil tagsüber nunmehr über 175.000 Grenzgänger sich zu den Ansässigen gesellen. Das erschwert die Berechnung des Verbrauchs und die Optimierung der Netze. Wir stellen aber mit Freude fest, dass der Pro-Kopf-Wasserverbrauch bei der ansässigen Bevölkerung seit Jahren konstant zurückgeht, obwohl die Bevölkerung wächst. Wir sind heute bei etwa 137 Litern im Durchschnitt angelangt.

Das hat natürlich vor allem damit zu tun, dass die Haustechnik effizienter wurde und Regenwassernutzungsanlagen weiträumig zum Einsatz kommen, die vor allem den Wasserverbrauch durch Toilettenspülungen reduzieren. Auch die Haushaltsgeräte, die Wasser benötigen, sind effizienter geworden. Und vor allem in gewerblichen Gebäuden werden immer mehr wasserlose Urinale installiert. Allgemein ist das Bewusstsein für den schonenden Umgang mit der endlichen Ressource Trinkwasser ebenfalls bei den Verbrauchern gestiegen, dank auch Sensibilisierungsaktionen, die bereits in den Schulen stattfinden.

Sensibilisieren müssen wir allerdings noch viel für den richtigen Umgang mit Wasser in Hitzeperioden. Denn wenn die Regenwasserreservoirs leer sind und deshalb trotzdem mit Leitungswasser zur Not gespeist werden müssen, und die Verbraucher zugleich ihre Schwimmbecken füllen wollen, stößt unser Wasserversorgungssystem schnell an seine Grenzen. Hinweisen möchten wir aber auch darauf, dass man nicht alles ins Abwasser kippen soll, was nicht hinein gehört. So ist eine Toilette keine Mülltonne: Chemikalien, Medikamente oder andere Abfälle gehören definitiv nicht hinein, denn es ist extrem aufwändig und teuer, die darin enthaltenen Substanzen wieder herauszufiltern. Wir alle tragen Verantwortung für einen nachhaltigen Umgang mit diesem lebenswichtigen Gut!

Wir haben noch etwas Luft nach oben, was die Optimierung der Wasserverteilungsnetze und Wasseraufbereitungsanlagen anbelangt. Allerdings gebe ich zu bedenken, dass dieses Potenzial den Bedarf einer deutlich größeren Bevölkerung bei weitem nicht ausgleichen kann. Sollte der 1,1 Millionen-Einwohnerstaat kommen, wird sich das Großherzogtum einiges einfallen lassen müssen, um die Wasserversorgung und -klärung zu gewährleisten.

Zum Weltwassertag würde ich mir deshalb wünschen, dass bei den ganzen Zukunftsdebatten, die derzeit geführt werden, auch die Wasserproblematik ein ganz zentrales Thema wird. Auch vom Kostenstandpunkt her, denn die Ausgaben für Wasserinfrastrukturen machen nicht zuletzt wegen ihres Aufwands rund die Hälfte der gesamten Ausgaben für neue Infrastrukturen aus.“