CATIA FERNANDES

Lange Zeit war man verwöhnt in Luxemburg: Nirgendwo gab es so viel Wohneigentümer wie hier und zumindest ein kleines Reihenhäuschen musste es schon sein. Junge Leute heute sind schon froh, wenn sie mit einer Eigentumswohnung anfangen können, sich auf eigene Beine zu stellen. Aber auch dafür braucht es oft schon zwei Gehälter. Viel zu lange wurde angesichts des schnellen Bevölkerungswachstums verschlafen, im Wohnungsbau und bei den Wohnformen (alternative) Akzente zu setzen.

„Wohnen ist ein menschliches Grundbedürfnis. Die Wohnung ist das Zentrum unseres Lebens und unser persönlicher Schutzraum. Sie ist unser ganz privater Rückzugsort, wo wir unsere freie Zeit verbringen, Familien gründen und auch im Alter selbstständig leben möchten. Deshalb ist das Recht auf angemessenen und bezahlbaren Wohnraum auch als Menschenrecht international anerkannt. Dafür müssen Mieten erschwinglich bleiben und auch in guten Lagen muss es bezahlbaren Wohnraum geben. 

In Luxemburg kann dieses elementare Recht auf Wohnen allerdings nicht gewährleistet werden. Die Wechselwirkung zwischen hohem Wirtschaftswachstum, massiver Spekulation mit Wohnraum und einer begrenzten territorialen Fläche haben zu explodierenden Preisen auf dem Immobilienmarkt geführt. Für junge und einkommensschwächere Mitbürger wird es deshalb immer schwieriger, eine bezahlbare Bleibe zu finden. 

Die Regierung bemüht sich zwar, Sozialwohnungen zu bauen und versucht das Wohnungsproblem mit Subventionen zu lösen. Allerdings sind das nur akute Wiederbelebungsmaßnahmen nach jahrzehntelanger CSV-Lethargie. Sie lösen nur einen Teil des Problems. Um das Problem an der Wurzel zu packen, brauchen wir in zwei Punkten ein fundamentales Umdenken.

Erstens müssen wir sicherstellen, dass es zu keiner Zweckentfremdung kommt. Wohnraum muss zum Wohnen genutzt werden, und nicht als lukratives Spekulationsobjekt. Es ist absurd, dass bei der akuten Wohnungsnot, die wir gerade erleben, immer noch zwischen 10.000 und 20.000 Wohnungen und Häuser leer stehen. Deshalb muss der Staat auch über Enteignungen und ähnliche Maßnahmen durchgreifen können, um leerstehenden Wohnraum nutzbar zu machen. 

Zweitens müssen wir unseren Wohnungsmarkt an die Realitäten des 21. Jahrhunderts anpassen. In Luxemburg ist man entweder Eigentümer oder Mieter. Wir brauchen einen neuen Akteur auf dem Wohnungsmarkt: die Mitbewohner. Moderne Wohnformen wie Wohngemeinschaften und -kooperativen sind im Großherzogtum leider noch immer eine Seltenheit. 

Wir brauchen deshalb dringend einen rechtlichen Rahmen für Wohnungsbaukooperativen. Des Weiteren muss das bestehende Recht für Wohngemeinschaften angepasst werden. Progressive und alternative Wohnmodelle müssen von staatlicher Seite unterstützt (durch zum Beispiel steuerliche Anreize) und gezielt beworben (mit zum Beispiel Informationskampagnen) werden, um das Wohnungsproblem endlich nachhaltig zu lösen.“