REMICH
PATRICK WELTER

Neujahrsempfang von Weinbauminister und Weinbauinstitut in Remich

Der Weinbauminister nannte es den „Place to be“, damit hatte er völlig Recht. Der große Saal und das Foyer des Weinbauinstituts in Remich platzten gestern Abend fast aus den sprichwörtlichen Nähten. Alles, was an der luxemburgischen Mosel im Weinbau Rang und Namen hat, dazu die Nachbarn von der deutschen Seite und noch die Ostabgeordneten aller Parteien plus drei Minister bildeten die illustre Gästeschar für den Neujahrsempfang von Weinbauminister und Weinbauinstitut.

Es ging los mit einer kleinen Warnung: Die Keller sind noch nicht leer, es kann aber nicht mehr lange dauern, bis es soweit ist. So die Botschaft von Roby Ley, dem Direktor des Weinbauinstituts. Zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren konnten die luxemburgischen Winzer auch 2017 nur eine Ernte von 80.000 Hektolitern einfahren - das langjährige Mittel liegt bei 120.000 Hektolitern. Mittlerweile sind die Lagerbestände in den Kellern sind laut Roby Ley auf 95.000 Hektoliter gesunken. „Wir brauchen ein gutes Jahr 2018!“ lautet sein daraus resultierender Schluss.

„Small ist beautiful“

Ley meinte, dass das Marketing des luxemburgischen Weines nur nach dem Motto „Small ist beautiful“ funktionieren kann. Wer hohe Preise verlangen wolle, müsse auch hohe Qualität liefern. Für den Erfolg des Weines sei jeder Winzer verantwortlich. Die Wertschöpfung pro Hektar müsse steigen.

Der Institutsdirektor ist davon überzeugt, dass man notwendige Änderungen beherzt angehen muss - jetzt. Dafür habe sein Institut die Unterstützung des „Luxembourg Institute of Science and Technology“ (LIST) und des DLR Mosel (Dienstleistungszentrum ländlicher Raum, Bernkastel-Kues). Derzeit gebe es Forschungsprogramme zum Einsatz von Drohnen im Weinbau, zur Zucht pilzresistenter Rebensorten, zum „Terroir“ und auch zu Eindringlingen wie der Kirschessigfliege. 2017 habe das Weinbauinstitut in seinen eigenen Weinbergen zum ersten mal ohne Pestizide gearbeitet. Nach seinen Begrüßungsworten mit dem Spruch vom „Place to be“ lud Weinbauminister Fernand Etgen (DP) gleich zum nächsten Event, dem „Weinbautag“ am 7. Februar ein. Der Minister ging ebenfalls kurz auf die neue Marketingstruktur ein und lobte vor allem den Willen zur Zusammenarbeit auf allen Seiten und das gemeinsame Engagement.

Die gesamte Anbaufläche von 1.300 Hektar bleibe zwar erhalten, doch sei ein Strukturwandel mit immer weniger, aber dafür deutlich größeren, Weinbaubetrieben klar zu erkennen.

Mehr Fördermittel für Betriebsübernahmen

Etgen lobte das Ausbildungsniveau der jungen Winzer und Winzerinnen und meinte, dass sie größere öffentliche Unterstützung verdient haben, da eine Betriebsübernahme keine leichte Entscheidung sei. Er habe sich daher bei der EU-Kommission dafür stark gemacht, die Zuschüsse bei der Übernahme eines Weingutes durch einen Nachfolger deutlich heraufzusetzen. Das Agrargesetz werde entsprechend geändert, versicherte Etgen. Der Minister erinnerte auch daran, dass die staatlichen Zuschüsse für Versicherungsprämien, etwa für die Ernteausfallversicherung, angesichts von Frost und Hagel Sinn machten.

Für die Zukunft stelle sich die Frage nach neuen - digitalisierten - Absatzwegen. Um den einzelnen Betrieben bei der Direktvermarktung eine Arbeitserleichterung zu verschaffen, werde in seinem Ministerium darüber nachgedacht, eine gemeinsame Internetplattform für den Direktverkauf landwirtschaftlicher Produkte einzurichten.

Etgen mahnte die Winzer, dass ihre Konkurrenten nicht die Kollegen im nächsten Dorf sind, sondern international agierende Konzerne. Auch an diesem Tag kam Etgen nicht um das mediale Dauerthema Glyphosat herum. Glyphosat werde im Weinbau nur selten und in geringen Mengen eingesetzt. Er sei froh über den Weg zum herbizidfreien Weinbau - was für die Winzer aber auch mehr Arbeit bedeute.

Der Minister schloss mit einem meteorologischen Wunsch: „Ich wünsche allen, dass 2018 ein Jahr ohne Frost und Hagel wird und blauen Himmel bei der Weinlese!“

Nächster Termin: „Weinbautag“

Beim Weinbautag am 7. Februar werden Einzelheiten der neuen Marketingstrategie für den luxemburgischen Wein vorgestellt werden. Eine Koordinatorin für die neue Strategie wurde bereits mit Claire Sertznig gefunden.