LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Modernes „precision farming“ produziert Daten - Auch personenbezogene

Die Zeiten des „Im Märzen der Bauer die Rösslein einspannt…“ sind mit Ausnahme einiger Waldbauern lange vorbei, selbst der Traktoren mit einem simplen Saatguttrichter, der mit der Präzision eines Salzstreuers arbeitete sind vorbei. Die moderne Landwirtschaft setzt mehr und mehr auf „precision farming“ also Präzisionslandwirtschaft - das gilt gleichermaßen für konventionelle wie biologisch arbeitende Landwirte. Zum „precision farming“ gehören GPS gesteuerte Traktoren, digitale Bodenanalyse und die präzise Ausbringung von Saatgut, Düngung oder Pflanzenschutzmitteln, exakt auf den Quadratmeter abgestimmt, über den die Maschine gerade hinwegrollt. Allerdings hat die Sache den gleichen Haken, der auch bei anderen digitalisierten Arbeitsformen anfällt - eine Flut von Daten: Daraus ergeben sich eine Menge Fragen zum Zugang und zur Nutzung. Während die Industrie, als Hersteller von Landmaschinen oder von Saatgut und Düngemitteln, ihre Arme weit öffnet und zu den Landwirten sagt „Wir machen das gerne für Euch“ - setzten die Landwirte - etwa in Deutschland - lieber auf eigene genossenschaftliche Lösungen: Stichwort „Bauern-Cloud.“

Sehr ausführliche Fragen

Das „precision farming“ gilt als einer der goldenen Wege der Landwirtschaft, um in der schwierigen Gemengelage aus steigender Weltbevölkerung, Klimawandel und Verlust an landwirtschaftlichen Flächen zu Recht zu kommen. Auf „precision farming“ und „Bauern-Cloud“ beziehen sich auch die beiden liberalen Abgeordneten André Bauler und Gusty Graas in einer sehr ausführlichen parlamentarischen Anfrage an Landwirtschafts- und Weinbauminister Romain Schneider. Der Minister setzt sich mit dem Sujet in einer nicht minder langen Antwort auseinander.

Bauler und Graas wollten wissen, ob sich innerhalb des Ministeriums eine Dienststelle mit dem Thema „precision farming“ befasst und die Landwirte berate? Welche Methoden kommen bereits zur Anwendung, wie viele Bauern setzten auf modernstes Technologien? In Bezug auf die Daten werden die beiden DP-Parlamentarier dann sehr präzise: „Wem gehören die Daten, die von Drohnen, landwirtschaftlichen Maschinen oder Sensoren auf Luxemburger Feldern gesammelt wurden? - Gibt es in Luxemburg eine neutrale Datenerhebungsplattform? (…) Wurde das Thema der Datenerhebung im Agrarsektor in Schulungen, Seminaren oder Sensibilisierungskampagnen behandelt?“ Könne Minister Schneider sicherstellen „…, dass die Landwirte die Kontrolle über die erzeugten Daten behalten?“

Es gilt die Datenschutzgrundverordnung

Schneider verweist in seiner Antwort zunächst darauf, dass auch in der Landwirtschaft die Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union gilt: Schutz von personenbezogenen Daten. Andererseits gelte die Niederlassungs- und Dienstleistungsfreiheit auch für Dienste zur Datenverarbeitung. Schneider betont, dass die in seinem Ministerium und in dessen angeschlossenen Verwaltungen erhoben personenbezogenen Daten „strikt“ nach den Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung gehandhabt werden. Daten würden nur für die gerade zu bearbeitende Aufgabenstellung benutzt.

Er könne allerdings nichts zur Zusammenarbeit der Landwirte mit privaten Datenverarbeitungsbetrieben sagen. Deren Kontrolle sei auch nicht seine Aufgabe.

Landwirtschaftsministerium entwickelt eigene Plattform

Daten, die nichtpersonenbezogen sind, können und sollen innerhalb der EU zirkulieren können. Sein Ministerium arbeite am Aufbau einer zentralen Plattform für betriebsbezogene Daten, so Schneider weiter: „Die Plattform wird sowohl persönliche Daten (…) als auch nicht-persönliche Daten (Bodendaten, Informationen zu den genutzten Parzellen usw.) sammeln. Jeder Betreiber wird freien Zugang zu seinen Daten haben. Dieser Dienst ermöglicht es ihm, jederzeit elektronisch auf seine Daten zuzugreifen, ohne die betreffenden Dienststellen darum bitten zu müssen.“

Die Anwendung von „precision farming“ erfolgt in Luxemburg noch zurückhaltend, so gibt es ein System zur Voraussage von Pflanzenkrankheiten. Im Rahmen dieses Forschungsprojektes „Digital pilot farms“ sollen verschiedene Tools erprobt werden.

Am weitesten verbreitet ist der Einsatz von GPS-Systemen in Traktoren, so dass doppelte Saat oder doppelte Düngung auf einem Bodenabschnitt leicht vermieden werden können. Im Weinbau ist man noch nicht so weit, in diesem Jahr wird erstmals ein Dienstleister „phytosanitäre“ Behandlung - sprich: Spritzung - per Drohne anbieten.