LUXEMBURG
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Steckbrief Clerf

Sechs Formationen treten an

Die Gemeinde Clerf, das sind 8.561 Hektar und die Ortschaften Clerf, Drauffelt, Eselborn, Fischbach, Grindhausen, Heinerscheid, Hupperdingen, Kalborn, Lieler, Marnach, Mecher, Munshausen, Reuler, Roder, Siebenaler, Urspelt und Weicherdingen, in denen insgesamt 5.114 Einwohner leben (gegenüber 4.358 im Jahr 2011). Clerf, die flächenmäßig zweitgrößte Kommune des Landes, ist eine Fusionsgemeinde, die im Oktober 2011 aus der Heirat der Kommunen Clerf, Heinerscheid und Munshausen entstand. Ein Zusammenschluss, für den die Bürger der Gemeinden im Oktober 2008 per Referendum grünes Licht gegeben hatten. So wurde Clerf zur Proporzgemeinde. Allerdings wurde bei den Gemeindewahlen 2011 noch in den ehemaligen Gemeinden per Majorzsystem abgestimmt. Emile Eicher, CSV-Abgeordneter und ehemaliger Bürgermeister von Munshausen führt die Gemeinde Clerf gemeinsam mit den Schöffen Georges Michels, Romain Braquet und Aline Schroeder-Kreins. Insgesamt besteht der Rat aus 13 Mandatsträgern. Gemäß dem Fusionsgesetz von 2009 wird die Schöffenzahl erst bei den Gemeindewahlen 2023 auf zwei reduziert. Am kommenden 8. Oktober wird aber in Clerf ein erstes Mal nach dem Proporzsystem gewählt. Es treten sechs Formationen an: Die CSV mit Bürgermeister Eicher als Spitzenkandidat sowie mit den Schöffen Michels und Braque und den Ratsmitgliedern Théo Blasen und Claude Weiler; „déi gréng“ mit dem Ratsmitglied Jacquot Junk als Spitzenkandidat und Betsy Aschman als Spitzekandidatin; die DP unter anderem mit dem Ratsmitglied Raymond Beffort, die „Biergerlest Gemeng Cliärref“ der Ratsmitglieder Gérard Lamesch und Jean-Luc Hermes, die allerdings lediglich acht Kandidaten ins Rennen schickt, sowie die „Piratepartei“, die nur mit sieben Kandidaten antritt und die ADR mit nur sechs Kandidaten.

Es könnte spannend werden in Clerf am 8. Oktober. Erstmals wird in der Fusionsgemeinde, die durch das Gesetz vom 28 Mai 2009 aus dem Zusammenschluss von Clerf, Munshausen und Heinerscheid hervorging, nach dem Proporzsystem gewählt. Eine ungewohnte Situation für die Einwohner, die zwischen sechs Kandidatenlisten wählen können. Die DP tritt mit dem austretenden Gemeinderat Raymond Beffort an. Mit dem 69jährigen Förster aus Urspelt sprachen wir über die Herausforderungen für Clerf und die Lösungsansätze der DP.

Herr Beffort, das erste Mal wird in Clerf nach dem Proporzsystem gewählt. War es schwierig für Sie, eine Liste zusammenzustellen?

Raymond Beffort Es ist in der Tat eine ungewohnte Situation, die glaube ich von allen Parteien eine größere Umstellung verlangte. Von den kleineren politischen Formationen mehr als von der CSV, die hier oben eine stärkere Basis hat. Aber es ist uns gelungen, eine dynamische Liste aufzustellen, mit Kandidaten unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Berufserfahrung. Das und unser sehr aktives Sektionskomitee stimmen mich sehr zuversichtlich.

Wie schätzen Sie die Arbeit der bisherigen Gemeindeführung ein?

Beffort Sie war nicht aktiv genug, um die Zukunft Clerfs vorzubereiten. Es gibt eine Menge Studien, die leider in Schubläden verstauben, ohne dass die Mannschaft von Bürgermeister Eicher den Mut gehabt hätte, sie konkret anzugehen. Dass es viel Arbeit kostete, die Fusion auch auf dem Terrain umzusetzen, das mag sein. Aber nun braucht es eine Vision für die Zukunft unserer Gemeinde, die so viel zu bieten hat. Und die Gemeinde hat Mittel, um eine solche Vision zu verwirklichen. Durch den Zusammenschluss erhielt sie rund elf Millionen Euro und mit der Gemeindefinanzreform, welche diese Regierung endlich umgesetzt hat, kommt nochmal eine Million hinzu. Dass Bürgermeister Emile Eicher als CSV-Abgeordneter gegen diese Reform gestimmt hat, ist absolut unverständlich. Dabei hatte er sicher nicht das Interesse der Clerfer Bürger im Blick!

Wo müssen diese Mittel Ihrer Meinung nach am dringlichsten eingesetzt werden?

Beffort Zunächst muss investiert werden, um das touristische Potenzial Clerfs voll auszuschöpfen. Wir haben hier ein außergewöhnliches natürliches und historisches Patrimonium.
Es gibt vier Museen, vier Campings: Clerf, Reuler, Tintesmühle und Lieler, wunderschöne Wanderwege und zahlreiche Denkmäler. Aber es fehlt an einem Gesamtkonzept, um das alles ordentlich zu vermarkten. Und es gibt keine Struktur, wo die Bürger ihre Ideen dafür einbringen können. Wir fordern daher die Bildung einer Kulturkommission. Ferner braucht es einer Verschönerung des Clerfer Stadtkerns und Investitionen in überdachte Infrastrukturen. Es muss endlich ein öffentlicher Sportkomplex mit modernem Schwimmbad her. Die Gemeindeführung hat das bestehende Schwimmbad einfach verfallen lassen.

2018 wird ein Lyzeum in Clerf eröffnet. Das bringt mehr Verkehr, aber sicher auch mehr Nachfrage nach Wohnraum und weiteren Infrastrukturen. Ist Clerf dafür gerüstet?

Beffort Wir freuen uns, dass dieses Projekt endlich Realität wird. Ich erinnere daran, dass der DP-Wirtschaftsminister Henri Grethen in seiner Amtszeit die entsprechende Revalorisierung des ehemaligen CTI-Standorts ankurbelte und der DP-Abgeordnete André Bauler sich unermüdlich für die Verwirklichung des Lyzeums einsetzte. In unseren Augen ist Clerf aber zu wenig gerüstet, um mit dem Verkehrs- und Bevölkerungszuwachs fertig zu werden, den diese neue Situation mit sich bringt. Während Kanalisation und Kläranlagen veraltet sind, fehlt es an Wohnraum und an Betreuungsstrukturen für Kinder. Nicht nur in Clerf selbst, sondern auch in den anderen Ortschaften. In Reuler etwa müssen Schule und „Maison Relais“ dringend ausgebaut werden. Wir werden dafür sorgen, dass überall moderne Spielplätze entstehen. Ausgesprochen wichtig ist für uns auch ein einheitliches Bautenreglement für die ganze Gemeinde. Derzeit gibt es viele einzelne, was Bauprojekte verlangsamt und unnötig kompliziert macht.

Was schlagen Sie in Sachen Mobilitätsverbesserung vor?

Beffort Wir setzen auf den Ausbau des öffentlichen Transports. Das bestehende Angebot muss überprüft und angepasst werden. Bei Rad- und Fußgängerwegen müssen Lücken geschlossen werden. Wir setzen auch auf Verkehrsberuhigung mit 30er Zonen in verschiedenen Orten. Prioritär ist für uns auch eine Umgehungsstraße für Heinerscheid und Fischbach, die sehr unter dem Durchgangsverkehr leiden.

Und in punkto mehr Sicherheit?

Beffort Wir möchten, dass die Polizei mehr Präsenz zeigt in Clerf. Ein paar Bürostunden täglich für eine flächenmäßig so große Gemeinde reichen nicht aus. Die Bürger müssen und um die Uhr auf schnelle Hilfe zählen können. Die Sicherheitsfrage ist für uns auch im Hinblick auf das neue Lyzeum von herausragender Bedeutung.

Sind die Dienste der Verwaltung für die Bürger ausreichend?

Beffort Das finden wir nicht. Deshalb setzen wir uns für ein Bürgerzentrum mit flexiblen Arbeitszeiten ein, wo die Einwohner schnell und unbürokratisch ihre Behördengänge erledigen können. Insgesamt wollen wir die Kommunikation mit den Bürgern stärken, sie viel regelmäßiger über Projekte in der Gemeinde informieren als das bislang der Fall ist und sie möglichst früh in Entscheidungsprozesse einbinden. Es soll regelmäßige Bürgerkonsultationen geben, bei denen Bürgermeister und Schöffenrat Rede und Antwort stehen müssen. Wir möchten auch viel mehr Transparenz in den Haushalt reinbringen, der endlich einem eingehenden „Screening“ unterworfen werden muss.