STRASSEN
PASCAL STEINWACHS

94,74 Prozent für Etienne Schneider als nationaler Spitzenkandidat -

Am gleichen Ort, wo die LSAP-Delegierten den damaligen Wirtschaftsminister Etienne Schneider im Juli 2013 mit einem Traumresultat von 99,2 Prozent zum Spitzenkandidaten ihrer Partei wählten - Gegenstimmen gab es seinerzeit nur drei, so dass Schneider sich überzeugt zeigte, dass Fidel Castro das auch nicht besser habe machen können - , nämlich im Strassener Kulturzentrum Paul Barblé, wurde selbiger Schneider, der seit Dezember 2013 ja auch noch Vizepremier ist, gestern erneut zum nationalen Spitzenkandidaten für die Landeswahlen gekürt, diesmal allerdings „nur“ mit 94,74 Prozent der Stimmen, gab es doch 18 Gegenstimmen.

„60 1/2 Kandidaten“

Der alt-neue Spitzenkandidat der Sozialisten zeigte sich nichtsdestotrotz über das Resultat zufrieden, und freute sich, dass bei der LSAP nun „60 Macher“ mit in die Wahlen gehen würden, wobei die Kandidatenlisten ja zuvor schon von den Bezirkskongressen verabschiedet wurden. Auch seien es keine 60, sondern 60 1/2 Kandidaten, die sich am 14. Oktober zur Wahl stellen würden, sei die Zentrumskandidatin Liz May doch schwanger, wie Schneider anfügte. Am Geschlechterproporz - 25 Frauen und 35 Männer - werde sich hierdurch aber nichts ändern.

Es wäre jedenfalls ein „historischer Fehler“, jetzt wieder der CSV das Land zu überlassen, deren Spitzenkandidat Claude Wiseler das Land dann wieder für fünf Jahre einschläfern werde. Wie sonst sei zu erklären, dass Wiseler zehn Jahre lang Minister gewesen sei, ohne dass dies aufgefallen sei, und auch als Oppositionschef habe er in den vergangenen viereinhalb Jahren keine konkreten Alternativen vorgelegt.

Was das Land jetzt brauche, so Schneider, das seien Politiker mit Visionen. Gebraucht würden Macher, und keine Schlafmützen („Schléifer“), und die LSAP würde deshalb auch mit „60 Machern“ in die Wahlen gehen. Luxemburg dürfe die Zukunft des Landes weder den Schlafmützen der CSV, noch der rechtslastigen Allianz aus adr und Fred Keup überlassen.

Das erste Ziel der LSAP sei indes, die Schere zwischen Arm und Reich zu verringern; die LSAP werde niemanden fallenlassen. Er sei dann auch überzeugt, dass die LSAP die Wahlen am 14. Oktober gewinnen werde, so der sozialistische Spitzenkandidat in seiner mit knapp 20 Minuten doch ungewöhnlich kurzen Kongressrede.

„Keine Extratouren“

Sein zweimaliger Vorgänger als LSAP-Spitzenkandidat (2004 und 2009), Außenminister Jean Asselborn, hatte Schneider zuvor den guten Ratschlag gegeben, doch bitte mit zwei Füssen auf dem Boden zu bleiben und keine Extratouren zu machen, würden diese bei den Sozialisten doch gemeinhin auf wenig Gegenliebe stoßen. Auch sei ein Spitzenkandidat kein Außerirdischer, womit Asselborn Schneider wohl deutlich machen wollte, bei all dem „Space mining“ die bodenständigeren Probleme nicht aus den Augen zu verlieren.

Dass die Regierung in den zurückliegenden viereinhalb Jahren eine gute Arbeit geleistet habe, das habe er aber mitbekommen, so Asselborn , auch wenn er in dieser Zeit „vill am Bësch“ gewesen sei. Nun gehe es darum dafür zu sorgen, dass die Wähler nicht erst im Oktober 2028 merken, dass es eine gute Legislaturperiode gewesen sei, sondern bereits in diesem Oktober an der Wahlurne.

Rote Linien

Parteipräsident Claude Haagen hatte seinerseits noch einmal auf die roten Linien erinnert, die mit der LSAP nicht überschritten werden dürften. So dürften die Renten und der Indexmechanismus nicht angetastet werden, wohingegen die LSAP aber dafür eintrete, den Mindestlohn direkt ab dem 1. Januar 2019 um 100 Euro zu erhöhen, den „tiers payant“ einzuführen, auch das Kindergeld zu indexieren, und die Steuerklasse 1A zu entlasten.

Dort wo LSAP drauf stehe, sei auch LSAP drin, zeigte sich der Parteipräsident überzeugt, der des Weiteren abgab, bis zum Schluss gegen Rechtspopulisten kämpfen zu wollen. So gehe es dem adr und Fred Keup denn auch mit Sicherheit nicht um die Luxemburger Sprache, sondern nur darum, die Angst bei den Menschen zu schüren und die Gesellschaft zu spalten. Dem Spitzenkandidaten der CSV warf der LSAP-Präsident gestern vor, die Chance verpasst zu haben, sich beim CSV-Konvent klar gegen rechts abzugrenzen.

Exzellentes Zeugnis für die Dreierkoalition

LSAP-Fraktionschef Alex Bodry zeigte sich seinerseits überzeugt, dass noch nie zuvor so viele Gesetzestexte und Reformen verabschiedet wurden, wie in den vergangenen viereinhalb Jahren. Die Zusammenarbeit mit den beiden Koalitionspartnern bezeichnete Bodry als „tipptopp“, nicht zuletzt auch deswegen, weil hier kein „Orakel vun der Cap“ dazwischengefunkt habe. Die CSV zünde derweil immer nur Nebelkerzen, wisse doch keiner, wofür die größte Oppositionspartei stehe. „Ambitionen habe die CSV nur, wenn es um die vorzeitige Verteilung von Ministerposten gehe. Was die Wahlen vom 14. Oktober anbelangt, so zeigt sich der LSAP-Fraktionschef überzeugt, dass „diese Wahlen zu gewinnen sind, und wir werden sie gewinnen“.

Abgeschlossen wurde der Kongress wie üblich mit der „Internationalen“.
Hier die Kandidatenlisten: Spitzenkandidaten in den Bezirken sind Etienne Schneider (Zentrum, auch nationaler Spitzenkandidat), Jean Asselborn (Süden), Nicolas Schmit (Osten) und Romain Schneider (Norden).

Süden: Jean Asselborn, 68, Steinfort. Simone Asselborn-Bintz, 52, Sassenheim. Danielle Becker-Bauer, 58, Monnerich. Manon Bei-Roller, 54, Dippach/Garnich. Dan Biancalana, 40.Düdelingen. Alex Bodry, 59, Düdelingen. Taina Bofferding, 35, Esch/Alzette. Yves Cruchten, 42, Käerjeng. Claudia Dall’Agnol, 44, Düdelingen. Mars Di Bartolomeo, 65, Düdelingen. , Georges Engel, 49, Sassenheim. Carlo Feiereisen, 40, Schifflingen. Serge Goffinet, 53, Differdingen. Mike Hansen, 35, Esch/Alzette. Sylvie Jansa, 59, Bettemburg. Dan Kersch, 56, Monnerich. Romain Mertzig, 53, Petingen. Lydia Mutsch, 56, Esch/Alzette. Joelle Pizzaferi, 32, Esch/Alzette. Sacha Pulli, 27, Esch/Alzette. John Rech, 47, Düdelingen. Christine Schweich, 34, Monnerich. Jimmy Skenderovic, 32, Rümelingen.

Zentrum: Etienne Schneider, 47, Luxemburg. Marc Angel, 55, Luxemburg. Ben Baus, 34, Helperknapp. Ben Boisante, 40, Luxemburg. Francine Closener, 48, Mamer. Nicole D’Angelo, 58, Strassen. Claire Delcourt, 29, Hesperingen. Franz Fayot, 46, Luxemburg. Monique Feltgen, 52, Steinsel. Joanne Goebbels, 38, Luxemburg. Cécile Hemmen, 62, Weiler-la-Tour. Ginette Jones, 60, Luxemburg. Marguy Kirsch-Hirtt, 56, Lorentzweiler. Tom Krieps, 52, Luxemburg. Sandie Lahure, 52, Kehlen. Liz May, 34, Luxemburg. Régis Moes, 31, Niederanven. Tania Silva, 26, Luxemburg. David Viaggi, 34, Bissen. Alain Weins, 49, Walferdingen. Patrick Weymerskirch, 24, Contern.

Norden: Romain Schneider, 55, Wiltz. Claude Haagen, 55, Diekirch. Tina Koch, 40, Clerf. Myriam Picard, 52, Rambrouch. Christian Steffen, 35, Ettelbrück. Bob Steichen, 34, Ettelbrück. Claude Thill, 53, Diekirch. Amir Vesali, 21, Wiltz. Carlo Weber, 52, Wintger.

Osten: Nicolas Schmit, 64, Berdorf. Lucien Bechtold, 57, Mertert. Tess Burton, 32, Grevenmacher. Colette Frisch, 59, Mertert. Aurore Rössler, 31, Bous. Ben Scheuer, 37, Echternach. Jean-François Wirtz, 42, Betzdorf.