LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Das Hotel „Mama Shelter“ will am 20. Juli seinen Pforten auf Kirchberg öffnen – Blick auf die Gründer und ihre Familiengeschichte, die bis zum Club Med reicht

Der grüne Kickertisch steht schon bereit, die Graffitis an der Decke sind frisch aufgetragen und 145 Zimmer warten auf dem Kirchberg auf Gäste: Am 20. Juli will das „Mama Shelter“ eröffnen. Das Hotel neben dem Kongress-Zentrum war lange geplant. Nur das Coronarvirus hatte keiner voraus gesehen.

In Coronazeiten kommt es nicht sehr oft vor, dass der Hotelsektor positive Schlagzeilen macht. Mit einem Einbruch von bis zu 90 Prozent und äußerst unsicheren Aussichten sorgen sich alle um ihre Zukunft. Vor der Krise war der Ruf nach Zimmern laut, da sollte Luxemburg vom Kongresstourismus profitieren. Neue, junge Labels waren willkommen. Nicht umsonst hat Mama Shelter zwei Etagen für Meetings, Coworking und  Kongresse reserviert, während sich die 145 Zimmer auf die anderen fünf Etagen verteilen. Allen Gästen steht die Gastronomie auf der Dachterrasse offen. Ursprünglich war die Eröffnung für März geplant. Kein Wunder also, dass François Koepp, Generalsekretär der Horesca in Luxemburg, sich freut: „Das ist ein gutes Produkt, das viele Kunden anziehen wird und sich mit dem Coworking-Bereich an eine neue Klientel wendet. Es ist eine sehr positive Nachricht für Luxemburg, wenn ein Hotel hier eröffnet.“

Auch die Macher von Mama Shelter sind überzeugt, dass sie es schaffen. Zum einen steht hinter ihnen die Accor Gruppe, die zu 70 Prozent ins Kapital eingestiegen ist. Das hilft bei den Investitionen von rund 70 Millionen Euro in das so genannte OHB-Gebäude in der rue du Fort Niedergrünewald, das M3 eingerichtet hat. Accor gehört zu den größten Hotelketten weltweit mit rund 5.000 Hotels in 110 Ländern. Zum börsennotierten Konzern zählen unter anderem die Hotels von Mercure, Sofitel, Novotel oder Ibis. Und Mama Shelter, das hier im mittleren Segment notiert ist.

Eine Familiensaga von Zelten bis zum Club Med

Aber anders als die meisten Ketten hat Mama Shelter eine Geschichte, die sehr eng mit der Familie Trigano verbunden ist. Zwei ihrer Mitglieder – der aktuelle Generaldirektor Jérémie Trigano sowie sein Vater Serge - reisen denn auch extra zur Eröffnung an. Sie sind sich der Saga sehr bewusst, die 1935 begann, als Raymond Trigano, der als „pied noir“ aus Algerien nach Frankreich zog, eine Werkstatt für Planen gründete, die bald zu einem Unternehmen für Campingartikel wurde. Als nach dem Zweiten Weltkrieg der Urlaub für die Arbeitnehmer bezahlt und ausgeweitet wurde, wuchs sein Geschäft mit dem Slogan: „Camping ist Trigano“. Einer seiner Söhne, Gilbert, lernte auf Mallorca ein erstes Feriendorf aus Zelten kennen, fand einen belgischen Geschäftspartner und beschloss, ein hedonistisches Konzept zu schaffen. Das war die Grundlage für den Club Méditerranée. Gilberts Geschäftspartner zog sich 1963 zurück, doch Trigano leitete das Hotelgeschäft schon seit 1954. Derweil wuchs das Konzept von Strohhütten und Sport; Gilberts Sohn Serge stieg ins Geschäft ein, das er 1993 übernahm. Ende der 70er Jahre parodierte der Film „Les bronzés“ das Clubkonzept mit Pareos, Partnersuche und Perlenketten. Doch die Krisen blieben nicht aus und die Idee, aus dem Club Med ein Massenkonzept zu machen, scheiterte. 2007 wurde Serge Trigano entlassen. Die Neuverschuldung lag da bei 250 Millionen Euro. Das Familienunternehmen war keines mehr. Gilbert Trigano war 2001 gestorben. Die Söhne von Serge, Jérémie und Benjamin, kehrten aus ihrer Wahlheimat USA nach Paris zurück, um ihrem Vater beizustehen.

Vielleicht ist es deshalb kein Zufall, dass der Slogan von „Mama Shelter“ „Mama loves you“ lautet; angeblich in Anlehnung an einen Song der Rolling Stones. Die Idee für das Konzept, im städtischen Bereich ein junges, günstiges Hotel zu eröffnen, hatten die Triganos vielen Bankern vorgetragen – vier Jahre lang. Nur einer sagte ja und gab 28 Millionen Euro. Weil sein Vorname Charles lautet, steht heute noch im Deckengraffiti des Restaurants im ersten Mama Shelter im Pariser Osten: „Merci, Charles“. Es gehörte Mut dazu, im 20. Arrondissement etwas aus einem alten Parkplatz zu schaffen. Doch wenn Designer wie Philippe Starck und Spitzenköche wie Alain Senderens mithelfen, ist das etwas anders. 2008 stand dort in einem als nicht sehr toll angesehenen Viertel das erste „Mama Shelter“. Es war schon im ersten Jahr profitabel.

Bunter Rahmen, mehr Hotels

Heute gibt es „Mama Shelter“ nicht nur im Pariser Osten, sondern auch in Marseille, Lyon, Bordeaux, Los Angeles -  wo Marketing-Chef Benjamin Trigano lebt -, Rio de Janeiro, Belgrad, Prag, Toulouse, London, Lille sowie Paris Porte de Versailles.  Geplant sind Lissabon und Dubai. Luxemburg hätte eigentlich schon im März eröffnen sollen. Neben Hotelzimmern gibt es auch ein Coworking-Angebot; das ganz im gewohnt bunten Rahmen. Dieses Angebot wird auch an anderen Standorten gemacht und ist unter „Mama Works“ im Konzern ausgegliedert. Mama Shelter sieht sich als Restaurant mit Zimmern darüber – das könnte in Luxemburg in der aktuellen Situation helfen. Weiter in der Überlegung sind Sportstätten. Die Betreiber wollen das Boutique Hotel an den jeweiligen Standort anpassen.

Generaldirektor von Mama Shelter im Exklusivinterview

„Sofort zugesagt“

Zur Hoteleröffnung am 20. Juli kommt Jérémie Trigano, Generaldirektor von Mama Shelter, nach Luxemburg. Uns verriet er vorab in einem Exklusiv-Interview, wie es zum Hotel kam.

Warum haben Sie Luxemburg als Standort ausgewählt?
Jérémie Trigano Luxemburg hat uns ausgewählt! Claude Amar, der die Batipart-Gruppe in Luxemburg leitet (Anm. d. Red:. zu der u.a. die Hotels Sofitel und Novotel in Luxemburg zählen), ist ein großer Fan des Konzepts Mama Shelter. Er bat mich, zu kommen. Luxemburg hat uns auch schon vorher interessiert, aber ohne einen Bauplatz ist das nicht einfach. In Luxemburg gibt es da nicht viele Möglichkeiten. Diese Gruppe jedoch hatte ein bebaubares Grundstück. Wir haben sofort zugesagt. Das war vor drei Jahren: 2017. Wir lieben Luxemburg und den Standort mit allen Veränderungen in dem Viertel. Auch der Partner Batipart, hinter dem die Familie Ruggieri steht, ist wunderbar. Eines Tages hatten wir Gelegenheit, mit Premierminister Xavier Bettel zu essen, der die Idee des Hotels ebenfalls begrüßte.

Ist eine Hoteleröffnung in Coronazeiten mutig?
Trigano (lacht) Das ist nicht der beste Moment. Wir hatten Glück, denn Covid-19 hat die Arbeiten nur um zwei Monate verzögert. Noch ist nicht alles fertig. Wir werden jetzt am 20. Juli die 145 Zimmer sowie das Rooftop-Restaurant öffnen. Im September folgen dann das Restaurant im Erdgeschoss mit Pizzeria sowie der Coworking-Bereich und die Boulangerie, die auf den Boulevard J.F. Kennedy hinausgeht. Damit es auch in Zeiten der Pandemie läuft, wenden wir das von der Accor-Gruppe entwickelte Label an, das Angestellte und Kunden schützt. Momentan haben wir 40 Mitarbeiter, im September werden es 75 Mitarbeiter sein. Wir wollen so schnell wie möglich starten. Ich denke, das Restaurant wird auch so laufen. Ich selbst war bislang rund zehn Mal in Luxemburg und werde auch zur Eröffnung da sein.

Sie haben einen Coworking-Bereich im Hotel. Ein Novum?
Trigano Ja, das ist das erste Mal, dass Mama Shelter ein Coworking-Space im Gebäude selbst anbietet. Bislang lief das als Franchise in anderen Räumlichkeiten. Wir sind gespannt, wie es läuft. Genaueres kann ich noch nicht sagen, denn wir haben die Reservierungen noch nicht eröffnet.  CC