LUXEMBURG
MARCO MENG

Logistikbranche diskutiert Nahrungsmittelverschwendung - Verbesserungspotenzial in der Lieferkette

Der globale Handel nimmt zu, auch der mit verderblichen Waren. Dazu gehören Medikamente genauso wie Lebensmittel. Der oft über Länder und Kontinente gehende Transport verlangt dabei vor allem eines - eine geschlossene Kühlkette. „Eine Zukunftsnische für Luxemburg“, nennt es Malik Zeniti, Direktor der Interessenvereinigung „Cluster for Logistics Luxembourg“.

Dienstleistungen um den Transport von verderblichen Lebensmitteln haben nach Angaben der „Cool Chain Association“ (CCA) ein Marktvolumen von rund 250 Milliarden US-Dollar. Und würde die Kühlkette richtig funktionieren, könnten Lebensmittelverluste auf nur zwei Prozent reduziert werden. Wie man das machen kann und welche Maßnahmen dafür nötig sind, dazu startete CAA gestern eine zweitägige Konferenz im Légère Hotel in Munsbach.

Die Kühlkette ist entscheidend

Wie es um die Kühlung in der internationalen Lieferkette bestellt ist und was getan werden kann, sie zu verbessern, zeigte der in Luxemburg geborene Philippe Schuler anhand einer Untersuchung zum Lieferweg von Papayas. „Die Kühlkette spielt eine entscheidende Rolle bei der Vermeidung von Nahrungsmittelverschwendung“, sagte Schuler. Das Ausmaß ist gewaltig: Laut Schuler, der sich auf Studien der Welternährungsorganisation FAO stützt, gehen ein Drittel aller produzierten Lebensmittel verloren, das sind 1,3 Milliarden Tonnen pro Jahr, 20 Prozent davon durch eine inkomplette und fragmentierte Kühlkette. Eine solche Zahl ist nicht nur angesichts des Hungers auf der Welt erschütternd, sondern verdorbene Lebensmittel, die nie auf dem Teller landen, bedeuten auch einen signifikant negativen Einfluss auf die Umwelt. Wegen der großen Prozentzahl an Lebensmittel, die verlorengehen, wird mehr produziert als verbraucht mit der Folge, dass ein Viertel der Abholzungen vermeidbar wären. Sprich: Auf einem Viertel der Ackerflächen wird nur angepflanzt, was später als „verdorbenes Lebensmittel“ endet. Nach den USA und China seien zudem, so Schuler, verdorbene Lebensmittel im Grunde die drittgrößte Quelle an Treibhausemissionen. „Wir brauchen Lösungen, um Nahrungsmittelverschwendung zu vermeiden, denn wenn es so weiter geht, bräuchten wir 2050 vier Erden“, mahnt Schuler, der die Kosten von Nahrungsmittelverschwendung auf 46 Billionen US-Dollar pro Jahr beziffert.

Papayas von Rio nach Amsterdam

Als Schuler den Weg der sensiblen Papaya-Frucht, die eine bestimmte Temperatur und Feuchtigkeit braucht, verfolgte, stellte er fest, dass auf dem Weg vom Bauern in Brasilien bis zum Händler in Amsterdam die Kühlkette mehrfach unterbrochen war. Zum einen sieht Schuler den Grund an unzureichend ausgebildetem Personal, unangemessener Infrastruktur - hat das Lager tatsächlich ausreichende Kühlkapazitäten? - sowie uneinheitlichen Standards und einer fehlenden konstanten Temperaturüberwachung. Vor allem gebe es auch keinen synchronisierten Informationskanal, denn die Informationen seien vorhanden, würden aber nur unzureichend von einem Transporteur oder Händler zum anderen übermittelt. Gegenüber der Luftfracht zeichne sich hier der Seetransportweg aus, wo die konstante Kühlung eher gewährleistet sei. Es könne aber genauso gut eine Falschbehandlung durch den Bauern Schuld daran sein, dass später beispielsweise bei LuxairCargo die Frucht auf der Palette verdorben ankäme, sagte Schuler. Manche Lebensmittelfracht wird zudem nicht von Frachtairlines transportiert, sondern als Zuladung bei normalen Linienflügen.

Zusammenarbeit, eine bessere Überwachung und Informationsübermittlung könnten dem Abhilfe schaffen, beendete Schuler seinen Vortrag. Zahlreichen Fragen und Diskussionen folgten. So stellte einer die knifflige Frage, was denn der Vorteil von weniger verdorbenen Nahrungsmitteln für den Transporteur sei. Weniger verdorbene Waren könnten schließlich weniger Transporte bedeuten. Andererseits ist es meist der Spediteur - respektive dessen Versicherung - die für den Warenverlust zahlt. Einigkeit, es besser machen zu können, bestand dennoch bei den gestern anwesenden Logistikern. Ein Vorschlag: Simulationen des Transportverlaufs, wodurch manches besser geplant werden könnte, zudem merkte jemand an, dass Tyvek-Folien von DuPont verderbliche Waren schützen könnten; sie würden aber vielfach als unnötig angesehen, weil Lebensmittel zu billig seien und darum ungern Kosten, sie zu schützen, aufgewendet würden. Ein grundlegendes Problem, denn der Respekt vor Lebensmittel fehle, das Bewusstsein, dass es sich hierbei um etwas Wertvolles handelt.

„Lebensmittelverschwendung ist vermeidbar, darum können wir als Verband etwas tun“, meinte Stavros Evangelaakis, Vorsitzender von CCA. Und rief die Anwesenden auf, nicht auf vorgegebene Regelungen zu warten.