LUXEMBURGPATRICK VERSALL

Der niederländische Songwriter Mark Lottermanund sein luxemburgischer Schlagzeuger Benoit Martiny im Interview

So ein „Singer-Songwriter-Ding“, wie Schlagzeuger Benoit Martiny es nennt, müsse er schon gut finden, damit es ihn auf Anhieb berühre. „Bei Mark Lotterman war das der Fall“, so der Musiklehrer und Schlagzeuger. Der Leader der Benoit Martiny Band schätzt die Texte des Niederländers sowie die Prise schwarzer Humor, mit denen dieser seine lyrischen Ergüsse würzt. Erste Demofassungen von den Songs, die es auf Lottermans neues, mittlerweile drittes Studioalbum „Funny“ gepackt haben, hatte der Drummer schon vor drei Jahren gehört.

Der Kontakt zu dem Niederländer kam über einen gemeinsamen Bekannten zustande, den Gitarristen Frank Jonas, der, neben dem Luxemburger Martiny, ebenfalls auf der neuen Platte des Songwriters zu hören ist. „Damals studierte Benoit, genauso wie ich selbst, in Rotterdam“, erinnert sich der Sänger zurück. Er habe, so Lotterman, die Lieder in der Tat bereits vor ein paar Jahren geschrieben. 30 an der Zahl. Gemeinsam mit dem Produzenten Frans Hagenaars, Mitbesitzer des holländischen Labels Excelsior Recordings, traf Lotterman eine Auswahl an Liedern, die für die Platte zurückbehalten wurden. „Es klingt alles ein bisschen Vintage“, aber genauso soll es auch klingen“, fasst Martiny den Sound der Aufnahme zusammen. Im Gegensatz zu den ersten beiden Lotterman-Platte ist „Funny“ offener und stimmt vielleicht auch einen optimistischeren Grundton an.

„It’s all about the money“

Streng genommen bedarf es jedoch keinesfalls eines Notengerüsts, das die Texte des Niederländers stützt: Lotterman ist ein geborener Narrator, seine lyrischen Texte würden auch ohne Musik funktionieren. Ein treffendes Beispiel dafür stellt „The Ballad of Johnny White and Cathy Spin“ dar. „Es geht in diesem Titel um Menschen, die sich gegenseitig jagen, weil sie sich lieben“. Menschen, die sich auseinander leben, zum nächsten Lebensabschnittspartner weiterziehen. „Ein junger Mann verliert sich in diesem Jagdszenario“, so der Komponist. Obwohl Lotterman sich des Personalpronomens „I“ bedient, ist der Text keineswegs biografisch. „Einige Titel tragen eine biografische Note; ich werde es allerdings tunlichst vermeiden, auszuposaunen, um welche es sich handelt.“

Texte ohne die dazugehörige Musik sind für Lotterman unvorstellbar. „Vor zehn Jahren habe ich versucht, Gedichte zu verfassen. Einige meiner Freunde gehören zu den besten Lyrikern in den Niederlanden. Wenn ich ihre Werke lese....“, Lotterman hält kurz inne, „Ich kann Songs schreiben, aber um ein Gedicht zu verfassen, dafür bedarf es viel, viel mehr“. Mark Lotterman schätzt es, wenn er auch auf die Texte angesprochen wird. „In meiner niederländischen Heimat fokussiert man sich eher auf die Musik, es freut mich, wenn die Hörer auch ein Ohr für die Texte haben“ Sein jüngstes Album erntet sowohl bei den Hörern, als auch bei den Kritikern viel Lob. Es ist demnach mehr als verwunderlich, dass der Niederländer noch nicht bei einem Label untergekommen ist. „Vielleicht höre ich einer gewissen musikalischen Nische an, und die Plattenfirmen befürchten, dass mit mir kein Geld zu machen sei.“, lautet die nüchterne Analyse des Musikers, der halbtags in einem Seniorenheim arbeitet: „It’s all about the money“, meint er lakonisch. „Vielleicht will uns kein Label, weil wir keine moderne Musik machen“, fügt Benoit Martiny hinzu. Die Band schätzt sich glücklich, dass sie mit „Rough Trade“ eine Vertriebsfirma gefunden hat, die das Album in mehreren europäischen Ländern unters Volk bringt. „Mark hat einen guten Manager, es bleibt jedoch schwierig ohne Label“, fährt der Luxemburger fort. Denn ein etabliertes und reibungslos funktionierendes Label kann im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit wahre Wunder vollbringen. Die Abfuhr, die man als Musiker von den einzelnen Plattenfirmen bekomme, könne sich schon zu einer Art Motivationskiller entwickeln, so der Songwriter. „Im Endeffekt habe ich allerdings die große Chance, genau das zu machen, was mir Spaß bereitet: Ich toure durch die Welt, spiele meine Songs, manchmal sogar vor über 1.500 Zuschauern. Ich brauche keinem langweiligen Bürojob nachzugehen.“ Wenn Engagements anstehen, bekommt er von seinem Arbeitgeber frei.

Wenn Lotterman im April durch Canada tourt, dann jedoch ohne Benoit Martiny „Zahlreiche Konzerte spielt Mark solo, da es finanziell nicht anders machbar ist“, erklärt Benoit Martiny. Im Sommer kommt Mark Lotterman nach Luxemburg; nicht mit seinem eigenen Songmaterial, sondern als Gastsänger der Benoit Martiny-Band, die anlässlich eines großen Open-Air Konzertes in der Hauptstadt ihr neues Album vorstellen wird.
www.marklotterman.nl - Benoit Martiny tritt mit seiner eigenen Band
am 16. März im Echternacher Trifolion auf