LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Zwölf unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in Luxemburg angekommen

Das hätten sich die zwölf, aus Griechenland kommenden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge wahrscheinlich nicht so vorgestellt, wurden sie gestern Vormittag doch bei ihrer Landung auf Findel von keinem Geringeren als von Außenminister Jean Asselborn höchstpersönlich empfangen, ehe sie per Bus in den hohen Norden gebracht wurden. So hat die Caritas in Munshausen bei Clerf extra ein Haus gemietet, wo die Flüchtlingskinder, die wegen des Coronavirus erst einmal 14 Tage in Quarantäne verbringen müssen, rund um die Uhr betreut werden.

„Ein schöner Tag für Luxemburg“

Die vergangenen Monate hatten die Jugendlichen, die zwischen elf und 15 Jahre alt sind und ursprünglich aus Afghanistan und aus Syrien stammen, in den hoffnungslos überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln Lesbos, Samos und Chios verbracht. Unter den Jugendlichen befindet sich nur ein Mädchen, das zusammen mit ihrem Bruder aus Griechenland ausgeflogen wurde.

Jean Asselborn, der am Nachmittag auch noch an einer von der Vertretung des Europaparlaments in Luxemburg organisierten Videokonferenz über die Folgen der Coronakrise teilnahm, sprach gestern dann auch von einem „schönen Tag für Luxemburg“, wobei die Europäische Union bislang allzu „knauserig“ mit der Solidarität umgegangen sei, so dass er nun hoffe, dass andere Länder dem Beispiel Luxemburgs folgen werden.

Die Jugendlichen hätten ein Recht auf ein sicheres und anständiges Leben, „ohne Angst und ohne Hunger“. Sie hätten ein Recht, in Frieden zu leben, so der dienstälteste Außenminister in der EU. Ausgesucht wurden die Kinder indes vom UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR, so dass Luxemburg keinen Einfluss auf das Auswahlverfahren hatte. Da es sich bei den Jugendlichen nicht um Waisen handelt, haben diese ebenfalls das Recht auf Familienzusammenführung. Jedem Jugendlichen würden später im Zuge des Familiennachzugs vier bis fünf weitere Personen folgen, wie Jean Asselborn vor kurzem in einem Gespräch mit dem „Spiegel“unterstrich: „Das ist so, das muss man auch offen sagen“.

„Corona hat vieles blockiert, aber nicht alles“

In einem gestrigen Interview mit dem „Deutschlandfunk“ hatte Jean Asselborn noch einmal daran erinnert, dass die EU ein Friedensprojekt sei. Es gäbe keinen Grund, Kinder auf den Müllhalden der Inseln in Griechenland verkommen zu lassen. „Wir senden ein Signal aus“, so Asselborn. Der Anfang sei gemacht „und das ist ein Quäntchen Solidarität, das wir den Griechen und den Flüchtlingen geben müssen.“ Corona habe vieles blockiert, aber nicht alles.

Ein großes Lob gab es gestern indes direkt nach der Ankunft der Flüchtlingskinder auf Findel von der Kommissarin für Menschenrechte des Europarats, Dunja Mijatovi?: „As #COVID19 is testing our humanity, it is heart-warming that relocations of unaccompanied children from Greece have started today w Luxembourg. Many more are stranded there and I urge all other Council of Europe states to quickly follow suit and live up to our core values of solidarity and dignity“.

Insgesamt sollen nach Angaben der Europäischen Kommission rund 1.600 kranke Kinder und unbegleitete Minderjährige umgesiedelt werden. Außer Luxemburg wollen noch zehn weitere Staaten mitmachen: Deutschland, wo am nächsten Samstag 58 Kinder aus Flüchtlingslagern ankommen sollen, die Schweiz, Belgien, Bulgarien, Frankreich, Kroatien, Finnland, Irland, Portugal und Litauen.Wegen der Corona-Krise wollen die anderen Länder ihre Zusage jedoch zunächst nicht umsetzen. Deutschland will seinerseits insgesamt 350 bis 500 unbegleitete Minderjährige aus den überfüllten Lagern aufnehmen - vor allem Kinder im Alter unter 14 Jahren, kranke Kinder und Mädchen.

Zahlreiche humanitäre Organisationen hatten in den vergangenen Tagen wiederholt die Ausreise unbegleiteter Minderjähriger aus den griechischen Camps gefordert. Dies sei vor allem jetzt in Zeiten der Corona-Krise notwendig, hieß es. In den griechischen Camps harren unter zum Teil menschenunwürdigen Bedingungen mehr als 100.000 Personen aus.