LUXEMBURG
MARCO MENG

Ein Blick hinter die Kulissen bei der „Bourse de Luxembourg“

Aufgeregte Makler, die hektisch gestikulieren, Broker, die ihre Verkaufs- und Kauf-order rufen, das Bimmeln der Glocke zu Handelsschluss – das alles wird man vielleicht aus Filmen kennen, auf der Börse Luxemburg aber nicht finden. Einen Handelssaal gibt es dort längst nicht mehr, wie Maurice Bauer, Generalsekretär der „Bourse de Luxembourg“ (BdL), erklärt. Im alten Gebäude, aus dem die Börse vor vier Jahren ausgezogen ist, gab es noch ein Parkett, wo sich die Börsianer trafen – bis 1996, als der elektronische Handel eingeführt wurde.

„Heute geht alles elektronisch“, sagt Bauer. „Das bringt übrigens auch viel Sicherheit, denn es gibt keine Missverständnisse mehr, viele Fehlerquellen wurden dadurch herausgefiltert. Zudem kann jede Transaktion nachverfolgt werden.“ Die Börse sei heute eigentlich eine Informatikfirma, die über eine Plattform verfüge, die Kunden die Möglichkeit biete, bestmöglich ihre Transaktionen zu machen. Das bringt Sicherheit, was den Markt angeht, gibt einen breitestmöglichen Überblick über die einzelnen Handels- und Produktmöglichkeiten.

Keine Geheimniskrämerei

„Wir an der luxemburgischen Börse sind sehr stolz darauf, dass sämtliche Informationen zu den rund 37.000 Wertpapieren, die über uns gehandelt werden und von rund 2.000 verschiedenen Emittenten stammen, für jedermann frei zugänglich sind: Alle Dokumente zu jedem einzelnen Wertpapier sind auf unserer Webseite einsehbar.“ Die Börse Luxemburg ist eine der wenigen, die so vorgeht, und darauf sei man stolz, so Bauer. Das gebe Investoren auch die Möglichkeit zu vergleichen. Und den Herausgebern der Wertpapiere gebe es die Möglichkeit zu zeigen, wie weit sie es mit der Transparenz halten. „Transparenz ist heute enorm wichtig, und Investoren verlangen das - zu Recht, um aufgeklärt eine Investitionsentscheidung treffen zu können.“ Als Börse sei man eine neutrale Plattform und stehe zwischen den Emittenten der Wertpapiere und den Investoren: „Wir sind der Platz, wo sich Angebot und Nachfrage treffen.“

Luxemburgs Börse ist vor allem stark, wenn es um Anleihen, also Obligationen, Bonds, Schuldverschreibungen geht, und weniger eine Börse des Aktienhandels. „Das hat historische Ursachen und auch mit den nationalen Markt zu tun“, sagt Bauer. „Frankreich oder Deutschland haben so viele Firmen, und die haben das natürliche Bestreben, am Heimatmarkt gelistet zu sein. Darum haben wir hier in Luxemburg nur einen relativ kleinen Aktienmarkt, während der Fokus auf Anleihen von Anfang an groß war.“ Ab 1963 begann die BdL, sich auf diesen Markt zu spezialisieren, wobei sich die Börse auch gleich international öffnete – und von dieser Entscheidung, die Jahrzehnte alt ist, profitiert die Börse Luxemburgs noch heute. „Denn wir haben in den letzten Jahrzehnten da auch ein großes Wissen und viel Erfahrung angesammelt. Darum sind wir heute die Nummer 1 bei international ausgegebenen Anleihen: Wenn heute ein Emittent überlegt, eine internationale Anleihe an den Markt zu bringen, weiß er, dass Luxemburg hier ein Ansprechpartner ist.“ Hinzu kommt, dass vor Ort durch die starke Investmentfondsbranche auch die potenziellen Investoren sind. „Wir profitieren vom außerordentlich gut funktionierenden Finanzplatz“, sagt Bauer. Alle nötigen Akteure sind nämlich da: Wird ein Papier auf der Börse gehandelt, heißt das, dass zuvor Anwaltskanzleien gut gearbeitet haben, dass Banken gut gearbeitet haben, dass Beratungsunternehmen schon gut gearbeitet haben. „Wenn es also der luxemburgischen Börse als letztes Glied in der Kette gut geht, bedeutet das, es geht dem gesamten Finanzplatz gut.“

Von Sukuk bis „Green Bonds“

Die Zeit prägt die Börse – und die Börse geht mit der Zeit. Darum machte die „Bourse de Luxembourg“ in den vergangenen Jahren durch „Green Bonds“ von sich reden. Der Finanzplatz Luxemburg selbst ist klein, so dass die Akteure notwendigerweise immer über seine Grenzen hinausschauen müssen. „Das zeichnet den Finanzplatz und die gesamte Wirtschaft Luxemburgs aus, dass wir schnell reagieren und uns Veränderungen anpassen können. Darum waren wir auch immer daran interessiert, uns bei Innovationen, und bei vielem waren wir Vorreiter, beispielsweise als die luxemburgische Börse die erste überhaupt war, die Euroanleihen an den Markt brachte.“ Es folgten der erste Sukuk-Bonds, die erste Grüne Anleihe, die erste chinesische Anleihe, und vergangenen Oktober startete die Börse mit einer ersten Blockchain-Anwendung. So kam es, dass die kleine Börse des kleinen Landes Luxemburg stets eine federführende Rolle spielt, auch international gesehen. Was die Anleihen für nachhaltige Projekte angeht, meint Bauer: „Heute kommt kein Unternehmen mehr darum herum, nach nachhaltigen Kriterien zu arbeiten.“ Die Börse Luxemburg ist bei „Green Bonds“ weltweit Marktführer. Grund genug, dafür mit der Luxembourg Green Exchange eine eigene Handelsplattform zu schaffen, wie vergangenen September geschehen. Sie erlaubt, nicht nur in nachhaltige Projekte zu investieren, sondern – um „Greenwashing“ vorzubeugen – verfolgt auch, was später mit den Projekten geschieht.

Angesprochen auf weniger regulierte Plattformen, an denen Wertpapiere oft in Zockermentalität gehandelt werden, indem die Papiere schnell ge- und verkauft werden, um von der Kursdifferenz zu profitieren, meint Bauer, ja, solche Plattformen stellten auch eine Konkurrenz für die regulierten Börsen da – letztere seien aber Garant für transparente und sichere Abwicklung von Transaktionen.