LUXEMBURG
PATRICK WELTER

30 Jahre Baueren-Allianz - Ein Gespräch mit dem Präsidenten Camille Schroeder

Vor drei Jahrzehnten gab es nur zwei Bauernverbände in Luxemburg, die Bauernzentrale und den FLB (Fraie Letzebuerger Bauer). Der Ton zwischen beiden Verbänden, der eine strikt parteipolitisch organisiert, der andere knallhart im Auftreten, war ziemlich hart. Insbesondere, wenn es um Molkereifragen ging…

Einige Landwirte wollten einen anderen, einen eigenen Weg gehen. Am Ende dieses Weges stand die Gründung der „Baueren-Allianz“ 1988. Deren Präsident heißt seit damals Camille Schroeder, Landwirt aus Küntzig. Im Gespräch mit dem „Journal“ meinte er dazu: „Ich war schnell das Sprachrohr und habe als Person in das Konzept der neuen Allianz gepasst.“

Offen für alle Bauern

Die Mitglieder des neuen Verbandes wollten vor allem raus aus der Abhängigkeit von einer Molkerei und es war erklärtes Programm der „Baueren-Allianz“, sich nicht auf die Seite einer speziellen Molkerei zu schlagen. Die Sache mit dem „nicht auf eine Seite schlagen“ gilt auch für die Parteinähe der Allianz. „Jeder weiß, dass ich ein Liberaler bin“, so Schroeder im Gespräch, „aber wir als Allianz reden mit jedem.“

Den Erfolg seines Verbandes sieht der Präsident darin, dass die Allianz immer zusammengehalten hat. „Bei uns gab es nie Grabenkämpfe.“ Obwohl die Allianz niemals über ein eigenes Sprachrohr, wie etwa den „Letzeburger Bauer“ der Bauernzentrale verfügt hat, habe man sich fest etablieren können. Eben weil man den Kontakt zu allen politischen Parteien ohne Berührungsängste gepflegt habe und immer noch weiter pflege, könne man auch mit allen Seiten verhandeln - egal ob mit dem Landwirtschaftsminister oder der Umweltministerin.

Kämpfen für allgemeine Interessen der Landwirtschaft

Die Allianz vertritt ein Viertel der gesamten Landwirte. Wobei Camille Schröder das „gesamt“ ausdrücklich betont. „Es gibt nur eine Sorte Bauern, egal ob sie konventionell oder biologisch produzieren“, lautet die klare Aussage von Schroeder. Es passt ins Bild, dass einer der Vizepräsidenten der „Baueren-Allianz“, Marco Koeune, ein überzeugter Bio-Bauer ist. Für die Allianz gelte, dass man das produziere, was die Konsumenten haben wollen. „Wir sind anders, bei uns hat jeder das Recht auf eine eigene Philosophie“, betont Schroeder. „Wir sind eine Interessenvertretung und keine Gewerkschaft.“ Das Ziel seines Verbandes sei es, bei der Ausarbeitung von Gesetzen und Verordnungen früher beteiligt zu werden. „Bei uns steht das allgemeine Interesse der Landwirtschaft im Mittelpunkt.“

Hier Brüssel, dort der Markt

Das zentrale Problem der Landwirte liege darin, dass sie bei der Produktion in ein enges Korsett von Vorschriften gepresst werden, aber beim Verkauf ihrer Produkte den Regeln des freien Marktes unterliegen. Wobei das Umfeld der Landwirte noch viel differenzierter sei, die zentralen Entscheidungen in der Landwirtschaftspolitik würden in Brüssel gefällt, der luxemburgische Landwirtschaftsminister - unabhängig von der Partei - könne noch ein paar Faktoren bei den Beihilfen und Prämien justieren und anpassen, aber der europäische Lebensmittelmarkt werde von fünf Leuten dominiert - den Einkäufern der großen Einzelhandelsketten. Dennoch könne die luxemburgische Politik den Landwirten viel im Alltäglichen helfen, stellt Camille Schroeder dann versöhnlich fest.

Auf die Zukunft der Landwirte angesprochen, meint der Präsident der „Baueren-Allianz“, dass es sich bei der Landwirtschaft um einen hochtechnisierten Sektor handelt, was von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen werde. So verfügten bereits 250 der 700 Milchbetriebe in Luxemburg über Melkroboter. Dabei handele es sich um keine technische Spielerei, sondern um einen echten Gewinn für die Lebensqualität der Landwirte, weil das zweimal tägliche Melken für den Bauern entfalle. (Eine kurze Erklärung für Nicht-Landwirte: Die Kühe benützen die Melkroboter völlig selbstständig, Anm. D. Red..)

Zu hoher bürokratischer Aufwand

Die Technik helfe, das größte Problem sei der bürokratische Aufwand, stellt Schroeder klar. „Die Verwaltungen verselbstständigen sich!“ Aus eigener Erfahrung könne er beisteuern, dass das Genehmigungsverfahren für die Vergrößerung seines Kuhstalls um 15 Meter Länge jetzt schon sechs Jahre dauere.

Raus aus der Defensive

Grundsätzlich gelte für die gesamte Landwirtschaft, dass man raus müsse aus der Defensive und anfange, offensiv zu agieren. Andererseits kommen für die Allianz auch keine Aktionen wie das Verschütten von zehntausenden Litern Milch in Frage.

Ausstieg nur mit Alternative

Das Gespräch kommt natürlich nicht um den medialen Dauerbrenner Glyphosat herum. Schroeders Meinung dazu ist eindeutig: „Wir können mit der Verwendung von Glyphosat aufhören, aber vorher muss man dann nach Alternativen suchen.“

Gewässerschutz im Dialog

Ein luxemburgisches Umweltthema ist die Ausweisung von Wasserschutzgebieten. Camille Schroeder hat dazu eine für Außenstehende vielleicht überraschende Meinung: „Die Ausweisung von Wasserschutzgebieten läuft gut, man muss das eben im Dialog mit den Leuten vor Ort machen.“ Der Allianz-Präsident wünscht sich vom Umweltministerium eine detaillierte Karte mit dem Zustand aller luxemburgischen Gewässer. Um Probleme zu vermeiden, müssten mehr Landwirtschaftsberater eingestellt werden. Die Landwirtschaftskammer mache auf vielen Gebieten eine hervorragende Arbeit, brauche aber dringend mehr Mitarbeiter.

...und später?

Zum Abschluss ein Blick in die Ferne: „2025 werden wir keine 500 Milchbetriebe mehr haben und die Robotik wird in der Landwirtschaft immer wichtiger werden“, lautet die Einschätzung von Camille Schroeder.