LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

798 Infizierte – Kein neuer Toter - „Centres de soins avancés“ ersetzen „Maisons médicales“

Auch heute trat Gesundheitsministerin Paulette Lenert im Rahmen einer Videopressekonferenz vor die Öffentlichkeit, um diese über die jüngsten Ereignisse im Zusammenhang mit der Corona-Krise ins Bild zu setzen.

Einen weiteren Toten hatte die Ministerin Gott sei Dank nicht zu vermelden, so dass es vorerst (Stand Sonntagnachmittag) bei acht Corona-bedingten Todesfällen in Luxemburg bleibt. Die Zahl der bestätigten Infektionen ist indes weiter angestiegen und lag heute bei 798 – 128 mehr als am Vortag. 37 Personen befinden sich zur Zeit im Krankenhaus, drei davon in Intensivbehandlung. Als vom Virus geheilt gelten bislang zehn Leute.

Getestet werden aktuell in etwa 1.500 Personen pro Tag, was im internationalen Vergleich sehr hoch sei, wie die Ministerin unterstrich. Allerdings warte Luxemburg auf neue Lieferungen, könne sie doch nicht behaupten, dass wir für die Zukunft „Tests à gogo“ zur Verfügung hätten. In diesem Zusammenhang erinnerte sie noch einmal dran, dass ein Corona-Test überhaupt nichts bringe, wenn man keine Symptome habe. Mit einem Höhepunkt der Pandemie in Luxemburg rechnet die Ministerin in ein bis zwei Wochen, aber wie genau es wirklich weitergehe, das könne natürlich keiner sagen.

Neue Behandlungsstruktur in Colpach, bei Bedarf auch in Mondorf

Paulette Lenert zeigte sich aber auch überzeugt, dass Luxemburg in der Corona-Krise gut aufgestellt sei und es auch vonseiten der Privatleute und Unternehmen viele Hilfsangebote gegeben habe.

So stünden vier Spitäler bereit, und sei dort die Hälfte der Kapazitäten geräumt worden, um, wenn nötig, dort ausschließlich Corona-Patienten behandeln zu können. Dem Krankenhauspersonal gehe es im Moment auch noch immer gut.

Die provisorische Zeltstruktur beim hauptstädtischen „Centre Hospitalier“, die 100 zusätzliche Betten umfasse und als Teil des CHL anzusehen sei, stehe vor der Fertigstellung, wie auch die Behandlungsstruktur in Colpach bereit sei, Patienten aufzunehmen. Dann verfüge man aber auch noch über eine weitere Struktur in Bad Mondorf, die binnen vier Tagen einsatzbereit gemacht werden könne, sollte das notwendig sein.

In den Arztpraxen setze man indes ab dieser Woche vorrangig auf Telekonsultation, derweil die „Maisons médicales“ in der Hauptstadt, in Esch und in Ettelbrück durch „Centres de soins avancés“ersetzt werden sollen. Den Auftakt macht die „Maison médicale“ im Bahnhofsviertel, die am Montag nur noch bis 12.00 funktioniert. Ab 14.00 soll dann das erste „Centre de soins avancés“ in der LuxExpo auf Kirchberg einsatzbereit sein, gefolgt von den „Centres de soins avancés“ in der Escher Rockhal und in der Ettelbrücker Deichhalle im Laufe der Woche. Im Osten des Landes könnte derweil ein „Centre de soins avancés“ nach Grevenmacher kommen, aber hier sei man sich noch nicht sicher, wie Lenert angab. Die Patienten sollten sich aber sowieso immer zuerst an ihren Hausarzt wenden, der sie dann an die richtige Stelle weiterleite.

Luxemburg wartet auf weiteres Material

Die Herausforderung bestehe immer noch darin, ein sprunghaftes Ansteigen der Infektionen zu verhindern und die Kurve flach zu halten. Deshalb noch einmal der dringende Aufruf der Gesundheitsministerin an die Bevölkerung, nur in dringenden Fällen das Haus zu verlassen: „Bleift doheem!“, so Paulette Lenert, die die größten Risiken darin sieht, dass Luxemburg das Material ausgehe und das Personal im Gesundheits- und Pflegesektor einbreche.

Auf der Internetplattform „govjobs“ sollen indes ab morgen Profile ausgeschrieben werden, welche Hilfskräfte zusätzlich gebraucht werden. Auch wies die Ministerin erneut darauf hin, dass Luxemburg extrem viele Bestellungen für weiteres Material - Schutzmasken, Schutzanzüge, Brillen, Handschuhe, Tests, Beatmungsgeräte - aufgegeben habe, man jedoch keine Garantie habe, wann genau und ob dieses Material tatsächlich ankomme. „Wir haben alles bestellt, was wir bestellen konnten“. Allein in der vergangenen Woche seien jedoch schon rund 200.000 Schutzmasken an die Betroffenen im Gesundheits- und Pflegesektor verteilt worden, die prioritär bedient würden.

Dann hat sich Luxemburg aber auch bereit erklärt, dem besonders betroffenen Ausland durch die Aufnahme von Intensivpatienten zu helfen, so aktuell dem vor einer dramatischen Lage stehenden Elsass, dies als Zeichen der europäischen Solidarität.

Was nun die rund 2.000 in Hotels und in Privatunterkünften für Grenzgänger frei gehaltenen Zimmer anbelangt, die im Gesundheits- und Pflegesektor arbeiten, so würden bis jetzt 173 Leute von diesem Angebot profitieren, um nicht jeden Tag die Grenze überqueren zu müssen.

Am Wochenende war dann aber auch noch zu erfahren, dass Luxemburg Anfang dieser Woche eine größere Lieferung aus China bekommen soll (die Rede geht von unter anderem fünf Millionen Schutzmasken und 50 Beatmungsgeräten), dass die Zahnarztpraxen von nun an geschlossen sind und nur noch ein Notfalldienst existiert, und dass die Hilfen für Kurzarbeit im Beschäftigungsfond von elf auf 500 Millionen Euro heraufgesetzt werden, wie Arbeitsminister Dan Kersch im RTL-Background unterstrich. Und Finanzminister Pierre Gramegna kündigte im Parlament an, die Regierung werde noch in dieser Woche ein großes, mit Zahlen versehenes Hilfspaket für Betriebe vorzustellen.