LUXEMBURGPASCAL STEINWACHS

LSAP-Chef Bodry wirft CSV Hypokrisie vor

LSAP-Präsident Alex Bodry reagierte gestern in der RTL-Sendung „Invité vun der Redaktioun“ leicht genervt auf die rezenten Aussagen diverser CSV-Spitzenpolitiker, die Sozialisten würden alles dransetzen, die CSV in die Opposition zu verbannen. Es sei nämlich nicht „mordicus“ Ziel der LSAP, eine andere Partei in die Opposition zu schicken, sondern die LSAP setze alles daran, ihre Ideen zu verwirklichen und eine Mehrheit zu bekommen, die ihr helfe, diese Ideen auch umzusetzen. Wer das sei, das ergebe sich aus dem Wahlresultat.

Dreierkoalition nicht auszuschließen

Eine feste Koalitionsaussage vor den Wahlen kommt für den Sozialistenchef nicht in Frage. Aufgrund des Zustandekommens dieser vorgezogenen Wahlen sei eine CSV/LSAP-Koalition diesmal aber weniger vorstellbar als dies noch vor vier Jahren der Fall gewesen sei, so dass eine Dreierkoalition nicht auszuschließen sei. Bodry zeigte sich dann aber erstaunt, dass gerade diejenigen, die das „Schreckgespenst“ einer Dreierkoalition am stärksten an die Wand malen würden, wie dies CSV-Präsident Wolter oder CSV-Generalsekretär Zeimet getan hätten, in ihren jeweiligen Gemeinden an der Spitze einer solchen Koalition stehen würden - und dies jedes Mal gegen die stärkste Partei, nämlich die LSAP. Diese sollten als CSV also nicht den moralischen Finger heben. Was die CSV im Moment tue, das sei hypokritisch, nämlich auf lokaler Ebene „mit großer Freude“ eine Dreierkoalition gegen die LSAP eingegangen zu sein, um sich auf Landesebene aber gegen eine solche zu wehren.

Die CSV als Partei der „großen Sprüche und der ganz kleinen Schritte“

Er persönlich habe indes eine Präferenz für eine rot-blau-grüne Dreierkoalition, auch aufgrund der Geschehnisse der letzten Monate. Er könne sich dann auch nicht vorstellen, dass die CSV als erstes mit einer Partei zusammengehen wolle, die sie als „Verräter“ bezeichnet habe. Die Sozialisten seien keine Verräter, und wenn die CSV verraten worden sei, dann eher von sich selbst und von ihrem Mangel an politischem Mut, Verantwortung zu übernehmen.

Auch sei es nicht immer einfach mit der CSV gewesen, so Bodry, der daran erinnerte, dass es ein paarmal fast bis zum Bruch gekommen sei, so wie z.B. bei der„Pistenliste“ von Finanzminister Frieden, mit der der Sozialabbau in Luxemburg eingeläutet werden sollte. Die CSV sei eine Partei der „großen Sprüche und der ganz kleinen Schritte“, hätten doch ausschließlich die LSAP-Minister Strukturreformen angedacht und auch umgesetzt. Die Retourkutsche der CSV dürfte nicht auf sich warten lassen...