LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Zahl der Neuinfektionen steigt nicht mehr so stark an - Regierung arbeitet an schrittweisem Ausstiegsszenario

„Wir sind noch nicht über den Berg“, so Premierminister Xavier Bettel zu Beginn seiner heutigen, gemeinsamen Pressekonferenz mit Gesundheitsministerin Paulette Lenert im Anschluss an den Regierungsrat, der auch heute wieder ganz im Zeichen der Corona-Krise stand.

Mit dem Coronavirus infiziert sind in Luxemburg inzwischen 2.612 Personen - 125 mehr als am Vortag. Der Altersdurchschnitt liegt hier bei 46 Jahren. Bei den Verstorbenen - und die Zahl der Corona-bedingten Todesfälle stieg von 30 auf 31 - liegt der Altersdurchschnitt indes bei 86 Jahren. Hospitalisiert waren bis zum Zeitpunkt der Pressekonferenz am Nachmittag 232 Personen, von denen 33 in Intensivbehandlung waren. 174 Personen konnten die Spitäler inzwischen wieder verlassen.

Xavier Bettel zeigte sich dann auch vorsichtig optimistisch, da die Zahl der Neuinfektionen inzwischen nicht mehr so stark ansteigen würde, was wiederum bedeute, dass die Schutzmaßnahmen und die Strategie der Regierung, an die sich die Mehrheit der Bevölkerung halten würde, funktionieren würden. Es heiße aber weiterhin diszipliniert zu bleiben und sich an die Regeln zu halten.

„Et heescht weider duerhaalen“, so der Regierungschef, der aber davor warnte, jetzt schon eine Rückkehr zur Normalität zu erwarten. Die Regierung, die in engem Kontakt mit Wissenschaftlern und Experten stehe, arbeite diesbezüglich derzeit an verschiedenen Hypothesen, aber ein Ausstieg aus der Krise werde mit Sicherheit nicht auf einen Schlag, sondern schrittweise erfolgen. Zu berücksichtigen sei hier auch die psychische Gesundheit der Bevölkerung.

„Einkaufen ist kein Ausflug“

Verärgert zeigte sich Xavier Bettel derweil über das Verhalten so einiger Mitbürger, für die das Einkaufen-Gehen eine Art Ausflug darstelle. Man müsse nicht morgens für ein Brötchen rausgehen, mittags, um Wasser zu kaufen und nachmittags für ein Kaffeestückchen. Jeder sollte sich die Frage stellen, ob er auch wirklich rausmüsse. „Einkaufen ist kein Ausflug“, so der Premierminister, der in diesem Zusammenhang angab, dass die Polizei allein am Donnerstag 60 Strafzettel wegen Verstößen gegen das Versammlungsverbot habe ausstellen müssen.

Was nun das obligatorische Tragen von Schutzmasken anbelangt, so wie das zum Beispiel in Österreich der Fall ist, so warnte Bettel hier vor einem falschen Sicherheitsgefühl, würden Masken doch keine Garantie darstellen, dass man das Virus nicht bekommen würde. Nicht anfreunden „moi, j’aime pas“ - kann der Staatsminister sich auch nicht mit sogenannten Corona-Warn-Apps, deren Benutzung er sich in Luxemburg nur schwer vorstellen könne.

„Ganz viel neues Material“

Gesundheitsministerin Paulette Lenert sprach ihrerseits von einem kleinen Lichtblick, da die Zahl der Neuinfizierten langsam anfange, kleiner zu werden, was aufzeige, dass die Maßnahmen der Regierung ihre Früchte tragen würden. Für die Krankenhäuser stehe die schlimmste Phase aber erst noch bevor, seien wir doch noch nicht am Höhepunkt der Pandemie angelangt. Die Sterblichkeitsrate liege in Luxemburg übrigens bei 1,1 Prozent, was im Vergleich zum Ausland gut sei, aber nichts heißen würde.

Zufrieden zeigte sich die Ministerin über die Ankunft von „ganz viel Material“, darunter 43 zusätzliche Beatmungsgeräte. Das neue Material erlaube dann auch, sich an die neue Teststrategie der Weltgesundheitsorganisation zu halten, laut der jeder, der Symptome hat, auch getestet werden soll. Einen Menschen ohne Symptome zu testen, mache indes keinen Sinn, weil dieser sich dann in falscher Sicherheit wiege, und zur Gefahr für sich selbst und seine Angehörigen werden könne.Dann gab Paulette Lenert aber auch noch an, dass sich in den vergangenen Tagen auffällig viele Personen zwischen 70 und 79 Jahren mit dem Coronavirus angesteckt hätten. In diesem Zusammenhang machte sie die selbe Bemerkung wie Xavier Bettel, nämlich dass manche Leute immer noch zu oft einkaufen gehen und sich nicht an das „Social Distancing“ halten würden. In den Altersheimen bleibe es indes auch in den nächsten Tagen und über Ostern bei der Maxime der maximalen Abschottung.

Ausweitung des Sonderurlaubs

Was nun die Arbeiten im Regierungsrat anbelangt, so beschloss dieser heute unter anderem eine Ausweitung des Urlaubs aus familiären Gründen. Dieser Sonderurlaub soll in Zukunft auch für Menschen gelten, die sich aufgrund der Schließungen von entsprechenden Einrichtungen nicht mehr um erwachsene Personen mit einer Behinderung oder um ältere Menschen kümmern können.

Dann meldeten sich den ganzen Tag über aber auch eine ganze Reihe von Ministerien via Pressemitteilung zu Wort, so auch das Mobilitätsministerium, das darauf hinweist, dass Personen, deren Kontrollbescheinigung für ihr Fahrzeug während der Ausgangsbeschränkungen abgelaufen ist, bis zum Ende der Corona-Krise nicht mehr bei der technischen Kontrolle vorstellig werden müssen, diese aber bis zum 1. September nachholen sollen. Ein entsprechendes großherzogliches Reglement wurde gestern vom Regierungsrat angenommen.

Zu Wort meldete sich auch das Innenministerium, um darauf hinzuweisen, dass die Frist für Baugenehmigungen verlängert wird, das heißt für die Dauer der Corona-Pandemie ausgesetzt wird, sofern die Baugenehmigung nicht schon vor der Krise, also vor dem 18. März abgelaufen war.

Das Gesundheitsminister teilt seinerseits noch einmal mit, dass in Luxemburg niedergelassene Ärzte sowie andere im Gesundheitsbereich tätige Fachkräfte, die freiberuflich tätig sind, während der Corona-Krise über einen befristeten Arbeitsvertrag bis zum 29. Mai im öffentlichen Dienst eingestellt werden können, um solcherart die „réserve sanitaire“ aufzustocken. Einschreibungen sind seit heute Nachmittag auf der Webseite www.guichet.lu möglich.

Auf selbiger Webseite können seit heute Nachmittag auch die staatlichen Vorschüsse für Unternehmen in Höhe bis zu 500.000 Euro angefragt werden. Förderungsfähige Kosten für die Berechnung der Beihilfe sind Personal- und Mietkosten für die Monate, die in den Zeitraum der Corona-Krise fallen, wobei dieser Zeitraum vom 15. März bis 15. Mai festgelegt wurde. Von diesem Betrag werden bis zu 50 Prozent als Vorschuss ausbezahlt. Der Antrag muss spätestens bis zum 15. August beim Wirtschaftsministerium eingereicht werden.

Telefonischer Bereitschaftsdienst der Hausärzte

Wie der „Cercle des médecins généralistes“ (CMG) mitteilte, sind auch an diesem Wochenende erneut viele Allgemeinärzte telefonisch für ihre Patienten zu erreichen. Die Liste der Hausärzte, die am Wochenende zwischen 9.00 und 11.00 telefonisch zu erreichen sind, kann via Internet unter www.cmg.lu konsultiert werden. „Ist Ihr Hausarzt nicht auf der Liste aufgeführt, ist es dennoch ratsam ihn per Telefon zu kontaktieren“, so der CMG, verbunden mit dem Hinweis, dass die Hausärztepraxen wochentags für Telekonsultation geöffnet sind. Der CMG weist auch darauf hin, dass sich chronisch Kranke bei Bedarf natürlich an ihren Hausarzt wenden sollen und können.