LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Tokeny Solutions gehört zu den aufstrebenden Start-ups im FinTech-Bereich. Erst gewannen sie den KPMG-Preis, dann investierte Euronext fünf Millionen - warum? Der Gründer antwortet

Er stellt sich mit seinem Vornamen vor und hat wenig Zeit. Denn Luc Falempin ist eine gefragte Person, vor allem, seit er vor zwei Jahren Tokeny Solutions gegründet hat. Das FinTech-Start-up ist angesagt. Und sein Gründer somit auch. Vor allem, seit er innerhalb kürzester Zeit erst den mit 50.000 Euro dotierten Preis als bestes FinTech-Start-up von KPMG in Empfang nahm und anschließend Euronext für fünf Millionen Euro 23,5 Prozent der Anteile erwarb. Wir haben mit dem 31-Jährigen über seine Geschäftsidee und seinen Weg gesprochen.

Luc, welche Ausbildung hat ein Start-Update-Gründer?

Luc Falempin Ich habe Marketing und Finanzen an der HEC in Montreal studiert. Aber ich beschäftige mich schon seit zehn Jahren mit Software. Ich programmiere zwar nicht selbst, kann aber die Codes leicht lesen. Das interessiert mich sehr, auch wenn die organisatorischen Aspekte in meiner Rolle als CEO wichtiger sind wie die Leitung von Teams beispielsweise. Tokeny Solutions ist übrigens nicht mein erstes Unternehmen.

Was war Ihr erstes Start-up?

Falempin Das hatte ich mit zwei anderen gegründet in Paris und verkauft, als wir 35 Mitarbeiter hatten. Unsere Geschäftsidee war ein Online-Marktplatz für E-Commerce. Das Geld habe ich damals, 2011, in Blockchain investiert. Daniel Coheur, der schon in mein erstes Unternehmen investiert hatte, fand meine Idee gut, Werte zu tokenisieren. Der Markt war damals noch nicht da, aber die Idee war gut, die Werte so abzusichern.

Warum sind Sie als Franzose nach Luxemburg gekommen?

Falempin Ich stand vor der Wahl zwischen Luxemburg und Singapur. Singapur ist bei der Gesetzeslage zu Bitcoins weiter. Aber wir haben auf Luxemburg gesetzt, weil das Land agiler ist. Ich lebe seit etwas über einem Jahr hier und habe viele Kontakte mit der Regierung, die sind sehr offen. Das wäre in Frankreich gar nicht möglich und ist wirklich sehr außergewöhnlich. Außerdem ist es hier schön grün. (lacht)

Wer sind Ihre Kunden?

Falempin Die Investmentbanken, die Herausgeber von Wertpapieren oder auch Investmentmanager. Wir sind ein Technologieprovider. Unser Produkt verkaufen wir als White-Label-Lösung, das heißt, unsere Kunden arbeiten damit, als ob es ihre Technologie wäre. Unsere Kunden sind auf allen fünf Kontinenten zu finden. Einen Luxemburger Kunden haben wir erst seit vier Wochen. Doch wir haben viele Unternehmen, die herkommen wollen, viele Projekte, die sich mit der Tokenisierung beschäftigen. Auch Unternehmen aus dem Bereich Verbriefung wollen kommen. Denn Luxemburg ist seriöser bei den Gesetzen als beispielsweise Malta. Die haben viele Gesetze zu Blockchain, aber wenig zur Verbriefung.

Wie wichtig war der Einstieg von Euronext mit fünf Millionen Euro ins Kapital?

Falempin Die Beteiligung von fünf Millionen Euro für 23,5 Prozent ist angesichts des Marktes und seiner Größe relativ gesehen nicht so hoch, wie es manchem erscheinen mag. Aber sie ist eine bedeutende Beteiligung eines wichtigen Akteurs des Finanzökosystems. Und sie ist genau das, was wir brauchen, um den Markt zu entwickeln. Wir sind europäischer Leader, aber der Markt ist noch ganz klein.

Ihr Unternehmen wächst dagegen. Wann müssen Sie aus dem LHoFT ausziehen?

Falempin Das kommt sicher noch. Aber wir haben hier sehr viele Kontakte und treffen zahlreiche Leute. Auch im Hinblick auf die Finanzierung ist das wichtig. Darüber hinaus ist die Nähe zum Bahnhof und zum Findel ein Vorteil für uns.

Wie wichtig war der KPMG FinTech Award als „Luxembourg Startup of the Year“ für Sie?

Falempin Wir waren einer der ersten, die so ein Modell hatten, das auf Blockchain basiert und funktioniert. Das hat der Jury gefallen. Der Preis war genau das, was wir wollten, diesen und keine 36 anderen. Ich konnte ihn nicht persönlich entgegen nehmen, weil ich gerade in Hongkong war, aber Mathieu hat das ja gut gemacht.

Wie sieht der Arbeitstag eines Gründers aus?

Falempin Ich fange gegen 8.00 oder 9.00 an und danach geht es fließend in den Abend hinein. Mit den Zeitzonen ist es manchmal schwierig, weil wir ja auch Mitarbeiter und Kunden in anderen Ländern haben. Unternehmertum ist ein Marathon, kein Sprint.