USELDINGEN
CORDELIA CHATON

Die Chefs von Peintures Robin verraten nach dem Kauf von Steinbach, wie es weitergeht

Ab 2015 gehört Couleurs Steinbach zu Peintures Robin. Nach vier Jahren enger Zusammenarbeit erfolgt vergangene Woche die Übernahme von Steinbach inklusiver aller Mitarbeiter im besten Einvernehmen. Denn eines ist klar: Als kleiner Farbenproduzent allein auf dem Markt ist es zu schwer. Jetzt ist Robin mit hundert Mitarbeitern und intensiver Forschung ein Gewicht am Markt. Im Gespräch mit dem „Journal“ erklären Pitter Welter Administrateur délégué und Vorstandsvorsitzender sowie Gérard Zoller, Direktor der Robin-Gruppe ihre Strategie.

Sie führen ein bald 88 Jahre altes Unternehmen. Wie halten Sie sich am Markt?

Pitter Welter Zunächst sind wir breit aufgestellt. Wir arbeiten in fünf verschiedenen Sparten: Bau und Außenfassaden, Industrie und Lacke, Holz, Spezialanfertigungen wie beispielsweise für die Reifen- und Automobilindustrie. Unsere Besonderheit ist, dass wir sowohl Produzent als auch Großhändler sind. Darüber hinaus bieten wir noch eine breite Palette an Accessoires wie Pinsel, Eimer oder Spachtel an. Wir verkaufen an Profis, die wollen alles an einem Ort vorfinden. Bodenbeläge führen wir auch im Sortiment.

Wir haben 2002 eine ganz neue Fabrik für 20 Millionen Euro in Leudelingen gebaut; viel Geld für einen Betrieb unserer Größe. Die Fabrik entspricht den neuesten Commodo-und Sicherheitsanforderungen. Gleichzeitig können wir sehr genau auf die Bedürfnisse unserer Kunden eingehen. Hier stehen die besten Maschinen, die es auf dem Markt gibt. Wir sind nicht groß, aber top bei der Technik. Wir verstehen uns als Nischenanbieter, der nah am Kunden ist, egal ob in der Industrie oder im Automobilbereich. Wir verkaufen speziellen Naturkautschuk für die Reifenindustrie oder Haftvermittler für Nylon genau so wie mehrfarbigen Spachtel oder Metallic-Anstriche, die wie Putz aussehen.

Warum arbeiten Sie für Hersteller von Autolack?

Zoller Wir repräsentieren die Lackhersteller im Automobilbereich. Wenn jemand mit einer Farbe zu uns kommt, können wir sie genau rekonstruieren. Das ist sehr wichtig, weil heute bei einem Schaden nicht mehr alles gespritzt wird, sondern nur eine kleine Stelle ausgebessert wird. Da darf dann nichts auffallen.

Darüber hinaus beschäftigen wir fünf Diplom-Chemiker, die für uns die Qualität kontrollieren, Kunden beraten und forschen. So können wir Produkte entwickeln, die genau den Kundenwünschen entsprechen. Rund 15.000 Formeln für Farben liegen bislang vor. Einen solchen Service bieten die großen Hersteller nicht an. Das gilt für die Karosserie, aber auch für Verdello, eine erneuerbare Farbe, für die wir im vergangenen Jahr den Umweltpreis der Fedil bekommen haben. Mit solchen Produkten wollen wir unabhängiger von fossilen Rohstoffen werden. Verdello ist zu 100 Prozent biologisch abbaubar.

Luxemburg ist ein kleiner Markt. Wohin exportieren Sie?

Welter Wir verkaufen unsere Produkte im mittleren Orient und in der Türkei, zum Teil direkt, zum Teil über Händler. Darüber hinaus wollen wir mehr als bislang in der Großregion expandieren.

Zoller Für den Export ist unser Weiterbildungsangebot auch sehr interessant. Wir unterhalten zwei Schulungsstätten.

Wen schulen Sie?

Zoller Unsere Kunden sind Handwerker. Ihnen bieten wir zwei Schulungszentren. Hier in Useldingen bieten wir in unserer „Decor Academy“ Kurse für das Spezialspachteln und Farbauftrag für die Mitarbeiter unserer Kunden an. In Leudelingen bilden wir Mitarbeiter unserer Kunden im Bereich Autolack aus. Wir stehen selbst auch im Kontakt mit Schulen; vor allem mit dem Lycée in Belval und dem Lycée Technique in der Stadt.
Gibt es staatliche Hilfen für Mittelständler wie Sie?

Welter Wir sind im Cluster for EcoInnovation von Luxinnovation. Die haben uns sehr gut unterstützt, vor allem bei Fragen der Organisation und der Logistik. Wenn ein Unternehmen wie das unsere in den vergangenen Jahren zweistellig wächst und von fünfzig auf hundert Mitarbeiter aufstockt, ist das viel. Wir sind sehr froh über die gute Arbeit des Clusters, einfach, weil wir zu klein sind, um alles allein zu machen. Aber auch bei Produkten wie Biofarben aus Pflanzenprodukten helfen sie uns. Darüber hinaus gibt es eine enge Zusammenarbeit mit Neobuild, dem neuen Haus fürs Handwerk.

Zoller Das Cluster hilft uns aber auch bei anderen Projekten wie Nanotechnologie. Da arbeiten wir jetzt mit einem Spin-off der Universität Saarbrücken zusammen. Es geht um besonders harte Oberflächen. Oder um Farben in Duschen, die Kalk abweisen. Oder um die Beschichtung von Rennfahrerhelmen, an denen Wasser abperlen muss. Oder um die Gleitfähigkeit von Skiern oder die Kratzfestigkeit von Oberflächen. Oder fluoreszierende Farben. Das sind viele spannende Themen.

Was haben Sie für 2015 vor?

Welter Wir wollen weiter wachsen. Die Konkurrenz hier im Land - vor allem aus Deutschland - ist sehr groß, und der Markt ist sehr klein. Wir wünschen uns mehr Solidarität seitens der Luxemburger Unternehmen. Und vor allem wünschen wir uns weniger Verwaltung. Ein kleines Unternehmen wie das unsere muss eine Person ganztags beschäftigen, um den ganzen Auflagen aus Brüssel wie Emissions-Reduzierung, Labelisierung und ähnlichem gerecht zu werden. Außerdem ist nichts vereinheitlicht. In Frankreich, Belgien und Deutschland gelten wieder ganz andere Auflagen als hier.