LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Bericht zur Judenverfolgung in Luxemburg soll in zwei Wochen vorliegen

Dass Xavier Bettel am Dienstag der Gedenkfeier zum 70. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau beiwohnte, das sah man ihm auch gestern noch an, als er im Pressebriefing im Anschluss an den Regierungsrat bemerkte, dass, wer nach Auschwitz gehe, nicht als derselbe Mensch zurückkomme. Hier seien Leute umgebracht worden, nur weil sie „einer anderen Religion angehörten, eine andere Sexualität hatten, eine Behinderung hatten oder den Nazis einfach nicht ins Konzept passten“.

Luxemburg bekommt „Comité des victimes des guerres“

Inzwischen wolle ja jeder zu den Guten gehören, aber auch in Luxemburg hätte es nicht nur Helden gegeben, wie nicht zuletzt der Bericht von Professor Vincent Artuso aufzeige, der in zwei Wochen vorliegen soll, und in dem die Enteignung und Verfolgung der Luxemburger Juden während des Zweiten Weltkrieges thematisiert werden. Der Bericht werde weitreichende Konsequenzen haben, kündigte Bettel an, besonders was die Wiedergutmachung und Erbschaftsfragen anbelange. Luxemburg müsse hier jedenfalls seine Verantwortung übernehmen; unter anderem soll ein „Comité des victimes des guerres“ ins Leben gerufen werden und es soll ein spezieller Tag eingeführt werden, der alljährlich den Kriegsgräueln gewidmet ist.

Dreiertreffen von nächster Woche: Keine Tabus

In der Kabinettsrunde vorbereitet wurde gestern indes das Treffen kommende Woche zwischen Regierung und Sozialpartnern, bei dem die drei Partner, die ja auch zusammen an einem Tisch sitzen würden, „über alles“ diskutieren müssten, was wichtig sei, wie der Premier sich ausdrückte. Es gehe hier nämlich nicht darum, wer recht bekomme, sondern wie man das Land gemeinsam wettbewerbsfähiger machen und die Arbeitslosigkeit senken könne.

Dann gab der Regierungsrat gestern auch grünes Licht für einen Deontologiekodex für den Staatsrat sowie für eine Beteiligung von maximal sechs Luxemburgern an einer neuen Nato-Mission in Afghanistan. Die „Resolute Support“-Mission soll vor allem der Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte dienen.