LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der Erdölkonzern Total feiert 80. Jubiläum - und zeichnet eine Zukunft vieler Antriebsarten

Seit Juli dieses Jahres ist Patrick Schnell in Luxemburg Generaldirektor von Total. Der 50-Jährige arbeitet bereits seit 25 Jahren für den französischen Konzern, immerhin das viertgrößte Mineralölunternehmen der Welt. Den Großteil dieser Zeit war der Elsässer in Deutschland tätig. Schnell hat auch die Feier zum 80. Jubiläum der Gruppe ausgerichtet, auf der es vor allem um alternative Antriebe geht. Wir haben ihn gefragt, warum.

Sie haben als Landes-Chef eines Mineralölkonzerns drei Experten zum Thema Wasserstoff eingeladen. Warum das?

patrick Schnell Das sind alles drei Experten, die sich auch in anderen Bereich der Energietransition auskennen. Ich selbst war während meiner Zeit in Deutschland sieben Jahre lang Präsident dieses Bereichs und sehr aktiv. Wir als Total wollen wettbewerbsfähig bleiben und wissen, dass es einen Wandel bei den Energieträgern geben wird. Diesen wollen wir aktiv mitgestalten. Das ist seit 2016 auch erklärtes Ziel des Konzerns. Wasserstoff gehört dazu, denn mit Strom kann man insbesondere große Nutzfahrzeuge oder Züge nicht betreiben. Übrigens gab es da auch in Luxemburg schon politische Ansätze zwischen 1984 und 2000, damals im sechsten Rahmenforschungsprogramm der EU-Kommission als „CUTE“ - das war mit Mercedes - und „HyFLEET:CUTE“, da war auch noch MAN dabei. Das war der Beginn von Wasserstoff. Jetzt kommt eine neue Generation von Wasserstoff-Bussen auf den Markt und in der Schweiz läuft gerade ein Projekt mit Hyundai, die 1.000 Lkw mit diesem Antrieb testen.

Sie arbeiten in einem Bereich, der vor großen Umwälzungen steht. Welche Strategie hat Total angesichts des Klimawandels - und was passiert in Luxemburg?

Schnell Die Strategie von Total ist klar. Wir wollen führend bei verantwortlicher Energie werden. In einer ersten Phase werden wir vor allem Bioantriebsstoffe promoten und bei konventionellen Kraftstoffen auf Förderung von Rohöl durch Methoden wie Fracking oder an sensiblen Orten wie in der Arktis verzichten. In den vergangenen Jahren haben wir viel im Bereich Gas gemacht, um den CO2-Ausstoß zu senken. Darüber hinaus setzen wir auch auf Elektrizität mit wenig CO2 und erneuerbare Energien. Dafür geben wir bis zu zwei Milliarden Euro pro Jahr aus. Über unsere Tochter Direct Energy gibt es auch in Frankreich und Deutschland ähnliche Entwicklungen. Mit einem Dresdner Start-up, das wir gekauft haben, arbeiten wir an der Methanolproduktion. Wir werden auch selbst Batterien entwickeln. Das Ziel ist es immer, den CO2-Ausstoß zu senken. Bei Tankstellen haben wir jetzt die 1.000. Station mit Solarpanelen ausgerüstet. In Luxemburg gibt es derzeit davon schon zwölf. Im Moment führen wir in Luxemburg gerade eine Kundenkarte ein, mit der man nicht nur klassische Kraftstoffe tanken kann, sondern auch Autos an zahlreichen E-Ladestationen aufladen kann. Mit dieser Karte haben Kunden Zugang zu über 100.000 E-Ladestationen in Europa. Davon befinden sich über 800 in Luxemburg. Chargy-Stationen gehören übrigens auch dazu. Dazu läuft jetzt eine Kampagne an. Wir werden darüber hinaus auch bei öffentlichen Ausschreibungen für E-Aufladestationen mitmachen. Daneben wollen wir in Flüssiggastankstellen für Lkw und komprimiertes Erdgas für leichte Nutzfahrzeuge investieren. Das Ziel ist eine Multi-Energietankstelle. Auch beim Plastikrecycling und Bioplastik sind wir aktiv. Bei den Geschäftskunden wollen wir die Nummer eins werden. Und ins Flottenmanagement werden wir auch einsteigen. Für unsere Mitarbeiter wollen wir mehr Telearbeit anbieten.

Bislang gibt es keine Wasserstoff-Tankstelle. Soll das kommen?

Schnell Wasserstoff ist eine Option für uns. Wir wollen die erste Wasserstofftankstelle im Land eröffnen. Derzeit reden wir mit verschiedenen Stellen. Aber dazu braucht es auch Nutzer, Unterstützung der öffentlichen Seite und Anwendungen. So ist es als Antrieb für Busse im Gespräch. Wir reden aber auch mit Bus- und Taxi-Unternehmen. Wasserstoff-Tankstellen sind noch ziemlich teuer. Wir haben deshalb in Deutschland mit anderen wie Linde und Shell eine Initiative gegründet, um das zu fördern, die H2-mobility heißt. Wir haben auch Pitpoint aufgekauft, die Stationen mit alternativen Antrieben betreiben. Das ist ein niederländisches Unternehmen. Aber es ist immer schwierig, bei solchen Käufen zu wissen, was wirklich daraus wird.

Sprechen Sie auch mit Logistik-Unternehmen?

Schnell Zurzeit noch nicht, weil es im Lkw-Bereich eine andere Entwicklung gibt. In Belgien existiert eine Partnerschaft für LNG, also Flüssiggas mit der Spedition Joost. Das wäre etwas für große Lkw, für kleinere Lkw wäre Wasserstoff besser. Die EU-Kommission unterstützt unser Projekt. Das Dilemma bei allen Alternativen zu Treibstoffen ist: Das hält nicht an der luxemburgischen Grenze, da braucht es europaweite Programme. In Luxemburg würde ich so etwas gerne als Alternative anbieten.

Braucht man Tanklager, wenn Autos mit Strom, Flüssiggas oder Wasserstoff fahren?

Schnell Das Thema der alternativen Lager wird mit der Energietransition aufkommen. Es gibt viele Szenarien. So ist es beispielsweise schwierig, Energie zu lagern. Wasserstoff ist da fast die einzige Möglichkeit. Nehmen Sie Windkraft, da wird im Sommer doppelt so viel produziert wie im Winter. Das ist mit einem Lager schwer umsetzbar.

Wie viel Tankstellen und Tanklager haben Sie hier?

Schnell Derzeit sind es 40 Tankstellen. Zwei weitere sind in Arbeit; eine beim CFL Multimodal-Hub in Bettemburg, die Ende November fertig wird, eine zweite an der A4 bei Steinbrücken, die wohl Anfang 2021 fertig wird. Laut Vorschriften müssen wir Treibstoff für mindestens acht Tage vorrätig halten. Wir müssen das als Verkäufer machen und haben deshalb in Düdelingen ein Depot für strategische Vorräte. Diese Auflage zur Lagerung ist normal, das gibt es auch in anderen Ländern. Wenn es Krisen gibt, wie zuletzt beim Rheintiefstand, ist das hilfreich. Die Kunden haben das kaum mitbekommen.

Sie waren in mehreren Ländern. Wo steht Luxemburg beim Energiewandel?

Schnell Ich denke: Alle Beteiligten reden miteinander. Strom sieht wie die einfachste Lösung aus, aber das allein kann nicht funktionieren. Da ist noch mehr Dialog nötig, um andere Lösungen zu finden. Im Vergleich zu Deutschland ist Luxemburg etwas hinterher, da gibt es noch Potenzial.