LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

Das muss man erst mal hinkriegen. Eine Corona-Reisewarnung für Brüssel auszusprechen und damit seinen eigenen EU-Vorsitz lahm zu legen. So musste die deutsche EU-Präsidentschaft allein in dieser Woche 13 Anhörungen absagen, die alle in der Europametropole stattfinden sollten, wobei aber ausgerechnet auch Brüssel vor kurzem von Deutschland zum Risikogebiet erklärt wurde, so dass deutsche Minister derzeit nicht nach Brüssel fahren dürfen.

Außenminister Jean Asselborn brachte die Sache mal wieder auf die ihm eigene Art und Weise auf den Punkt, indem er jetzt gegenüber dem „Spiegel“ daran erinnerte, dass Luxemburg bereits erlebt habe, wie willkürlich die Obergrenze von 50 Infektionsfällen das einzige Kriterium des Robert-Koch-Instituts sei, um dann zur Schlussfolgerung zu kommen, dass wir Brüssel doch jetzt nicht einfach „zumachen“ könnten „und nur noch in Berlin tagen“. Bereits in der vergangenen Woche hatte Asselborn in Bezug auf die Fehleinschätzung der Situation in Luxemburg durch das Robert-Koch-Institut ein Zeichen gesetzt, als er vor einem Treffen der EU-Außenminister in Berlin den Corona-Pflichttest demonstrativ verweigerte, galt doch zu diesem Zeitpunkt noch - mit Ausnahme des Saarlands und Rheinland-Pfalz - eine Testpflicht für Personen, die sich in den vergangenen 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten haben, zu denen das Großherzogtum ja bis zum 20. August gehörte, wobei sich Asselborn bis zu diesem Datum aber sowieso nicht in Luxemburg aufhielt, sondern seine traditionelle, private Tour de France absolvierte. Zu einem Corona-Test oder zu einer Quarantäne wurde Asselborn übrigens dann doch nicht verdonnert.

Dass sich nun ausgerechnet der deutsche EU-Ratsvorsitz für eine bessere Koordinierung von Einreisebeschränkungen einsetzt - ein entsprechendes Arbeitspapier wurde gestern unter den Botschaftern der EU-Staaten diskutiert -, entbehrt nicht einer gewissen Komik, aber Rufe nach mehr Koordination kamen gestern ebenfalls aus dem EU-Parlament, derweil die EU-Kommission in den nächsten Tagen einen entsprechenden Aktionsplan präsentieren will.

So sollen unter anderem gemeinsame Kriterien für die Beurteilung der Corona-Risikolage entwickelt und die Regeln für Reisen in Risikogebiete vereinheitlicht werden. Auch bei der Erfassung und Bewertung der Daten soll es mehr Abstimmung geben. Länder wie Ungarn dürften sich hiervon aber wohl eher nicht beeindrucken lassen, hat Viktor Orban doch seit diesem Dienstag die Grenzen für ausländische Touristen wieder schließen lassen.

Und dann gibt es neben all dem Wirrwarr um die unterschiedlichen Reisewarnungen, unterschiedlichen Testpflichten und unterschiedlichen Quarantäne-Regelungen ja leider Gottes auch noch all die sich selbst als Querdenker bezeichnenden Irren, die es  bedauerlicherweise - Luxemburg ist nun einmal keine Insel - auch hierzulande gibt, und die nun schon seit einiger Zeit dabei sind, in den sozialen Medien allerlei Verschwörungstheorien zu verbreiten, die zumeist derart abstrus sind, dass man annimmt, es könne sich hierbei nur um Satire handeln - nicht aber, dass erwachsene Menschen an so etwas glauben und das dann auch noch allen Ernstes weiterverbreiten. Die Politik ist hier gefordert und sollte voll auf Transparenz setzen: Fakten statt Räubergeschichten...