LUXEMBURG
MARCO MENG

Luxemburger Professor forscht zu Wirtschaftsschocks und Staatsschuldenkrisen

Der Luxemburger Patrick Augustin ist seit 2013 Assistent Professor an der McGill University in Montreal. Seine Forschungsarbeit wurde schon vielfach ausgezeichnet und sorgte in den USA auch für viel Aufmerksamkeit.

Interessant ist ihr Lebenslauf: Einerseits eine gerade Linie, andererseits aber verschiedene Tätigkeiten

Patrick Augustin Ja, meine erste Arbeitsstelle nach meinem Masterstudium in Straßburg war die luxemburgische Botschaft Kopenhagen gewesen, wohin ich mit einem Jahresvertrag ging. Ich machte das Staatsexamen und überlegte, ob ich im diplomatischen Dienst bleiben will oder doch in die Privatwirtschaft gehe, und entschloss mich für Letzteres, weil mich Finanzwissenschaften schon immer interessierten.

Woher kommt das?

Augustin Ich weiß es selbst nicht so genau. Schon früh in der Schule zum Beispiel wählte ich Kurse für Volkswirtschaft, das hatte mich immer interessiert, obwohl mich auch Sprachen interessierten. Aber nur Sprachen wollte ich nicht, und nur Mathematik lag mir auch nicht, da fand ich Wirtschaft am Spannendsten. Auf dem Gymnasium machte ich dann auch ein Austauschsemester in Kanada.

Es hat Sie also immer irgendwie ins Ausland gezogen?

Augustin Irgendwie schon, denn auch während des Studiums hatte ich ein Austauschjahr in Kanada mitgemacht. Ich suchte diese Erfahrung in anderen Ländern. Als ich aus Dänemark zurückkam, arbeitete ich rund vier Jahre hier in Luxemburg bei der damaligen Dexia, teilweise mit Finanzderivaten, ein Bereich, der mich auch heute beruflich sehr beschäftigt. Damals gab es die Möglichkeit, berufsbegleitend Finanz- und Bankmanagement zu studieren, was ich dann auch bei der Luxembourg School of Finance tat. Der Job bei der Bank war interessant, aber ich spürte, dass ich meine Fachkenntnisse noch weiter vertiefen wollte. Ich war damals 27 und dachte mir, wenn ich es jetzt nicht versuche, dann nie mehr. Dann hab ich den Schritt gemacht, und mich für ein Doktorstudium beworben, in Stockholm. Von den fünf Jahren Studium verbrachte ich eins in den Vereinigten Staaten. Das war sehr nützlich, da dort namhafte Forscher in den Bereichen Finanzderivate und Makrofinanztheorie lehren, und ich mich in diesen Feldern spezialisiert habe.

Wie wurden Sie dann selbst Assistent Professor in Kanada?

Augustin Der akademische Stellenmarkt, vor allem im Finanzbereich, ist sehr zentralisiert, das heißt, man bewirbt sich auf die offenen Stellen, aber alle Interviews finden auf einer Konferenz in Januar statt. Dort hat man dann mit den Unis, für die man sich beworben hat, jeweils ein halbstündiges Vorstellungsgespräch. Ich hatte insgesamt 24 Interviews. Das waren drei harte Tage. Der nächste Schritt ist, dass man auf den Campus der Uni eingeladen wird, wo man ein Seminar über 90 Minuten geben muss über seine Forschungsarbeit. Ich war bei zwölf Unis auf drei Kontinenten eingeladen, da ist man danach wirklich platt.

Und die McGill sagte Ihnen am meisten zu?

Augustin So ist es. Vielleicht ein bisschen, weil ich Kanada schon kannte, auch die Stadt hat mir gleich gefallen, aber vor allem war für mich das Forschungsumfeld entscheidend. Ich erhielt auch ein Angebot der US-Notenbank. Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen, aber die Wahl fiel bei mir dann auf die Universität.

Ihre Forschung wurde zuletzt wieder mit einem Preis ausgezeichnet.

Augustin Der Fonds National de la Recherche hat letztes Jahr meine Forschungsarbeit ausgezeichnet. Die Anerkennung freut mich sehr, da es oft schwierig ist, einen Impakt zu haben, und so der direkte Mehrwert besser vermittelt wird. Ein anderes Forschungsprojekt von mir untersucht beispielsweise illegalen Handel mit Optionsscheinen vor Bekanntgaben von Fusionen und Übernahmen. Das Projekt hat in den Staaten für einigen Diskussionsstoff gesorgt. Zum anderen forsche ich viel an so genannten Credit Deafult Swaps, eine Form der Kreditausfallversicherung. So wie Häuser können auch Unternehmenskredite oder Staatsschulden versichert werden. Diese sind vergleichsweise relativ neue Finanzprodukte und stellen darum ein spannendes Forschungsfeld. Der große Unterschied zu normalen Versicherungen ist unter anderem, dass man diese Versicherung abschließen kann, ohne selbst die Schuld oder Schuldforderung zu besitzen. Hier untersuchte ich wie und warum sich die Preise von Kreditausfall swaps auf Regierungsschulden ändern. Die Kontroverse war, dass die Preise solcher Versicherungen über alle Länder hinweg langwierig gleichermaßen stiegen oder sanken. Als die Krise begann, rückte aber plötzlich das länderspezifische Risiko wieder in den Fokus, weil die Banken, die bankrott gingen, sich auf die Bilanz ihrer Staaten niederschlugen. In einer globalisierten Welt spielen also globale Faktoren, sowie länderspezifische Faktoren eine Rolle. Um zu erklären, wann welcher Faktor dominiert, habe ich ein Modell entwickelt, und dieses auch empirisch getestet.


Dass Kreditausfall Swaps von Dritten abgeschlossen werden können, ist das positiv oder eher negativ?

Augustin Man kann Argumente sowohl für das eine wie für das andere anführen. Fakt ist, dass eine Wechselwirkung zwischen den Kreditversicherungen und dem, was Staaten für Kredite bezahlen müssen, bestehen kann, das heißt: Werden massiv solche Swaps abgeschlossen, könnte sich der Druck auf die Leihkosten des jeweiligen Schuldnerlandes erhöhen. Dies ist im Moment empirisch allerdings noch schwer nachzuvollziehen. Könnten Dritte aber diese Versicherung nicht abschließen, besteht die Gefahr, dass man die pessimistische Sichtweise aus dem Markt herausnimmt, was wiederum zu einer Preisinflation führen könnte. Tatsächlich stehen wir hier aber noch ganz am Anfang des Forschunggebietes und tappen noch ein wenig im Dunkeln. Die Daten, die verfügbar sind, sind noch sehr unzugänglich, und da wäre es wünschenswert, wenn mehr Daten der Forschung verfügbar gemacht würden.