LUXEMBURGNIC. DICKEN

Fedil überreichte „Prix de l‘Environnement“ für Industrieprojekte

Auch wenn unser Titel etwas zynisch und provokativ anmuten mag, so soll er doch lediglich unterstreichen, dass durch intelligente Produkte und Herstellungsverfahren die Auswirkungen der industriellen Tätigkeit auf die Umwelt zwar nicht ganz beseitigt werden können, dass gut durchdachte Erzeugnisse und Verfahren der natürlichen Umwelt jedoch durchaus von Nutzen sein können und deshalb auch durchaus in eine Gesellschaft hineinpassen, die sich jegliche Vermeidung von Umweltbelastungen auf die Fahnen geschrieben hat. Bereits zum 13. Mal hat die luxemburgische Fedil gestern am späten Nachmittag im Beisein des noch amtierenden Umweltministers Marco Schank ihren „Prix de l‘Environnement“ überreicht, mit dem im Rhythmus von zwei Jahren Unternehmen ausgezeichnet werden, die sich durch die Entwicklung von umweltfreundlichen Produkten oder den Einsatz ökologisch sinnvoller Produktionstechniken auf diesem Gebiet besonders hervorgetan haben. Mit diesem Preis wurden in den letzten beiden Jahrzehnten die Bemühungen von Firmen belohnt, die damit in der Folge sogar auf dem Weltmarkt beachtliche Erfolge erzielen konnten.

Der Umweltpreis der Fedil, für den in diesem Jahr eine Rekordzahl an Unternehmen kandidiert hatten, wie Fedil-Präsident Robert Dennewald gestern in seiner Ansprache unterstrich, ist ein klarer Beweis für die Erfindungs- und Innovationskraft, die in den Firmen schlummert und nur auf sinnvollen Abruf zu warten scheint. Wenig verwunderlich ist die Tatsache, dass die meisten dieser Projekt auf einen effizienteren Energieeinsatz abzielen und bei gleicher Leistung, den Verbrauch fossiler Energieträger sowie in der logischen Folge auch den CO2-Ausstoß deutlich zu verringern helfen.

Europa darf sich nicht selbst schaden

Robert Dennewald kritisierte die erneute Nichteinigung der Staatengemeinschaft beim jüngsten Weltklimagipfel in Warschau. Während Europa auf strikte Emissionsgrenzen setze, würden sich andere maßgebliche Akteure deutlich mehr Zeit geben und vor allem auf neue Produktionsprozesse setzen, die irgendwann eine Lösung bringen könnten. Dies wiederum führe zu einer weiteren Produktionsverschiebung außerhalb von Europa.

Glücklicherweise liege jedoch noch sehr viel Potenzial in der Gebäudesanierung, in der Energieproduktion und in der Mobilität, die auch im wirtschaftlichen Interesse genutzt werden soll. Dabei müsse jedoch darauf geachtet werden, dass die neuen Wege nicht zu sehr subventionsabhängig sind, weil sonst der wirtschaftliche Sinn und damit die zukünftige Machbarkeit in Frage gestellt würden.

Mit dem Aufbau ihrer „Learning Factory“ habe die Fedil ein weiteres Zeichen gesetzt, um die Betriebe bei der Suche nach größerer Energieeffizienz und allgemeiner Produktivitätsverbesserung zu unterstützen. Einen Umweltpreis für Unternehmen, die ihre Produktion außerhalb von Europa verlagern, werde es bei der Fedil nie geben, so Robert Dennewald.

Interessante Projekte

Insgesamt fünf Projekte wurden von der Jury zurückbehalten. In der Kategorie „Produkt“ ging deren Vorzug an Peintures Robin für die Entwicklung von Malerfarben, die zu 100% aus erneuerbaren Basisstoffen produziert werden. Ausgangspunkt ist ein Harz, das in der Papierindustrie anfällt und somit vollständig auf europäische Quellen zurückgreifen kann.

In der Kategorie „Prozess“ ging der Umweltpreis an das Unternehmen Paul Wurth mit dem Projekt „Dry Slag Granulation with Heat Recovery“. Hier wurde ein Verfahren zur industriellen Reife gebracht, das bei der Granulierung von Hochofenschlacke auf die Verwendung von Wasser verzichten kann. Mit der Wärmerückgewinnung kann bei einem gängigen Hochofen der Energiebedarf von 20.000 Familien abgedeckt werden.

Im Bereich „Energieproduktion“ ging der Umweltpreis an die Firma Kiowatt aus Roost, die nicht nur die erste Pellets-Produktion in Luxemburg aufgebaut hat, sondern die bei der Produktion anfallende Energie in das künftige kommunale Wärmenetz sowie an benachbarte Unternehmen weiterleitet bzw. Kühlkapazität schafft für das LuxConnect-Datenzentrum auf Roost.

Einen Sonderpreis der Jury im Bereich Umweltpflege gab es für die neue Niederlassung von Mercedes-Benz auf Roost, wo mit einem nachhaltigen Konzept Brauchwasser zu 95% aufbereitet und der Wärmeverlust um 90% gesenkt wurde. Vorteile durch Grünbedachung und eine starke Reduzierung des Haushaltsmülls ergänzen das ökologisch sinnvolle Projekt.

Eine letzte Empfehlung der Jury gab es schließlich im Bereich Verfahrenstechnik für Cricuit Foil aus Wiltz, die bereits seit mehreren Jahren an der Verringerung des Wasserverbrauchs arbeitet und auch schon beachtliche Erfolge vorweisen konnte. Durch den Einsatz von ionisierenden Materialen konnte der Nutzanteil des Brauchwassers nochmals erhöht werden.