LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Luxemburg und das achte UN-Nachhaltigkeitsziel: qualitatives Wachstum und weniger NEETs

Dauerhaftes, inklusives und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung, menschenwürdige Arbeit für alle: In unserer Serie über die UN-Nachhaltigkeitsziele dreht sich heute alles um das „Sustainable Development Goal“ Nummer 8. Das bedeutet etwa, dass ein jährliches Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von mindestens sieben Prozent in den am wenigsten entwickelten Ländern aufrechterhalten werden soll, die Produktivität durch Diversifizierung der Wirtschaft erhöht oder die Ressourceneffizienz im Konsum und in der Produktion Schritt für Schritt verbessert werden soll. Die Vereinten Nationen sprechen von einer „Entkopplung von Wirtschaftswachstum und Umweltzerstörung“. Nachhaltiger Tourismus soll ebenfalls gefördert werden.

Doch das achte Nachhaltigkeitsziel umfasst auch soziale Aspekte: menschenwürdige Arbeit, Arbeitsmarktinklusion, weniger junge inaktive Menschen, Maßnahmen gegen moderne Sklaverei und Menschenhandel. Um ein paar Zahlen zu nennen: 2016 waren weltweit 61 Prozent aller Arbeiter informell beschäftigt, was sich auf Gehalt und Arbeitsbedingungen auswirkt. Im Jahr 2018 ging ein Fünftel aller Jugendlichen weder zur Schule, noch zur Arbeit oder befand sich in einer Ausbildung.

Verweis auf Rifkin

Welche Implikationen hat das achte UN-Nachhaltigkeitsziel für Luxemburg? Im Entwurf des neuen Plans für eine nachhaltige Entwicklung wird das SDG 8 vor allem in drei von zehn definierten Prioritäten behandelt: die Diversifizierung der Wirtschaft, nachhaltige Finanzen und, über die Entwicklungszusammenarbeit, die Unterstützung von Entwicklungsländern in ihren Anstrengungen, um die 2030-Ziele zu erreichen.

Konkret verschreibt sich das 200-Seiten-Dokument dem Erhalt des Wirtschaftswachstums, der Verbesserung der wirtschaftlichen Produktivität wie auch der Ressourcennutzung, der Vollbeschäftigung. dem nachhaltigen Tourismus oder der Reduzierung des so genannten NEET-Phänomens junger Menschen, die inaktiv sind. Es überrascht kaum, dass der Nachhaltigkeitsplan den Bedarf nach dem in den vergangenen Jahren viel diskutierten „qualitativerem Wachstum“ erwähnt, also einer Wirtschaft mit hohem Mehrwert und geringerem Ressourcenverbrauch. Das Dokument verweist auf die Rifkin-Strategie und den 2017 erschienenen Zwischenbericht, der in seiner allgemeinen Schlussfolgerung festhielt, dass mit Blick auf eine „definitiv nachhaltige Entwicklung der luxemburgischen Wirtschaft in einer langfristigen Perspektive“ noch „viel weitere Arbeit“ geleistet werden müsse.

Erwähnt wird im Bericht ebenfalls der „Jugendpakt 2017-2020“. Junge Menschen in Beschäftigung zu bringen sei darin eine Priorität. Zu diesem Zweck soll mehr über Risikogruppen in Erfahrung gebracht, junge Menschen aufgebaut und die Jugendgarantie weiterentwickelt werden. Zur statistischen Erfassung des achten Nachhaltigkeitsziels hat der Statec ein breites Kompendium zusammengestellt. Darin zeigt sich etwa, dass die unfreiwillige Teilzeitarbeit (4,9 Prozent im Jahr 2016) wie auch die Langzeitarbeitslosigkeit über die Jahre zunimmt (2,2 Prozent der aktiven Bevölkerung). Die Anzahl der NEET-Jugendlichen lag zuletzt 2015 bei 6,2 Prozent. Indes mussten wohl weniger Beschäftigte unfreiwillige Überstunden leisten. Zwischen 2006 und 2015 halbierte sich der Prozentsatz auf 5,5 Prozent (der Gesamtbeschäftigung).