LUXEMBURG
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„Swipe“, „Like“ und „Match“ - Liebe im Zeitalter der Dating-Apps und -Plattformen

In einer Bar oder Disco abhängen war gestern; heute (ver)liebt man sich anders - oder nicht? Der Siegeszug des digitalen Datings ist jedenfalls in der jüngeren Vergangenheit eng mit der Verlagerung von Dating Angeboten auf Apps verknüpft: Zum Beispiel waren schätzungsweise 2017 schon acht Millionen Menschen in Deutschland bei Online-Dating-Portalen angemeldet. Auch in Luxemburg sind Dating-Portale und -Apps beliebt, denn sie erweitern den Kreis der potenziellen Partner; wurden früher die Partner meistens in der unmittelbaren (physischen) Umgebung gefunden, so erhält man heute übers Internet Zugang zu abertausenden Menschen, die ebenfalls ganz gezielt nach der großen Liebe suchen.

Große Auswahl macht wählerisch

Ist damit alles rosig? Durch die große Auswahl an potenziellen Partnern scheinen die Menschen nämlich auch zunehmend wählerischer zu werden. So liegt die Vermutung nahe, dass bei manchen Singles sogar kleinste Unstimmigkeiten im Profil dafür sorgen, dass andere Menschen auf Dating-Portalen direkt „aussortiert“ werden. Wir sind also oberflächlicher geworden, seit wir uns übers Netz verlieben? Gibt es den klassischen Liebesbrief noch? Damit beschäftigt sich auch die „Love Stories 4.0“-Kampagne der Online-Initiative BEE SECURE. Die Initiative, die unter anderem vom SNJ und dem KannerJugendTelefon und der Hilfe der Wirtschafts-, Familien- und Bildungsministerien geführt wird, informiert in der neuen Kampagne über die Entwicklung des Datings, über Chancen - aber auch über die Risiken der digitalen Liebe.

Generell werden Dating-Apps in zwei Kategorien unterteilt: Auf der einen Seite mittlerweile fast schon traditionelle Singlebörsen, die einen lockeren Kontakt pflegen wollen. Auf der anderen Seite die echten Partnerbörsen, die eine gezielte Suche nach einem geeigneten Partner ermöglichen sollen. Sie alle haben mehrere Features gemein: Etwa die Registrierungspflicht, die zur Absicherung und zur Verifizierung meist auch eine Verknüpfung mit anderen Profilen - zum Beispiel dem eigenen Facebook-Konto oder Informationen aus dem eigenen Smartphone - verlangen. Das soll einerseits verhindern, dass sich falsche Profile als den netten Typen von nebenan ausgeben können. Gleichzeitig verleitet das aber auch dazu, dem Anbieter durch das eigene Profil mehr über sich selbst zu verraten, als unbedingt nötig. Hier sollten Nutzer also darauf achten, nicht zu viel preiszugeben.

Ist das Profil dann einmal erstellt, kann das Flirten und Schreiben meist sofort losgehen. Die meisten Apps arbeiten mit Geolokalisierung, um die anderen Nutzer im derzeitigen Umfeld anzeigen zu lassen. Auch andere Filter - etwa Alter, Hobby, Bildung - können zu dem des derzeitigen Standorts zugefügt werden. Damit lässt sich theoretisch die Auswahl der möglichen Treffer so weit herunter destillieren, dass später keine Nieten mehr dabei sind. Dating ganz nach Maß.

Das führt aber auch dazu, dass der gesamte Prozess viel unüberlegter und schneller wird: Was gefällt, wird nach rechts gewischt, was man nicht sehen will, eben schnell nach links. Menschen, mit denen man vielleicht nicht alle Interessen teilt, dafür aber neue gewinnen könnte, werden teilweise aussortiert. Das führt gemeinsam mit dem gefühlt nahezu unerschöpflichen Vorrat an neuen Mitgliedern als potenzielle Romanze schnell dazu, dass man immer wählerischer wird: Wem der erste Eindruck nicht gefällt, fackelt überhaupt nicht lang. Es gibt ja genügend andere, wo die herkam.

Sicher ist: Die Kommunikation ist vielfältiger geworden. Mal mit vielen, mal mit wenigen Worten und immer öfter auf mehreren Kanälen parallel wird auf unterschiedlichen Plattformen gleichzeitig miteinander kommuniziert. Textbotschaften werden mit modernen Mitteln wie Emojis, Memes, Fotos und Videos verquickt; das wirkt für Unerfahrene alles sehr undurchsichtig. Der auf der Hand geschriebene Liebesbrief wurde jedoch nicht ersetzt: Vielmehr wurde er ergänzt und an die neuen Kommunikationsformen angepasst. So koexistieren heute klassische Textformen und innovative Formen der Kommunikation. Was einem selbst am besten gefällt, entscheidet natürlich jeder individuell.

Romance Scam, Grooming - und wie man sich schützt

Mit der zunehmenden Verlagerung des Lebens in diverse Social Media Plattformen steigt aber auch die Gefahr, einem Trickbetrug zum Opfer zu fallen. Bei Dating-Apps suchen manche User gezielt nach Personen, die sie systematisch manipulieren und berauben können. Die Betrüger schaffen es, sich durch emotionale Zuwendung, Geschenke und Unterstützung unverzichtbar zu machen, fordern dann aber sehr bald erpresserisch Geld oder andere Hilfsleistungen. Grundsätzlich sollte man deshalb bei der Benutzung von Dating-Apps misstrauisch sein, rät BEE SECURE. Kaum Trost: Bei diesen Betrügereien sind zwar meistens Erwachsene und ältere Personen Zielscheibe. Doch auch Kinder und Jugendliche setzen sich beim Online-Kennenlernen Gefahren wie dem Grooming aus. Hierbei baut ein Erwachsener ein Vertrauensverhältnis zu einem Minderjährigen auf, mit dem Ziel, ihn/sie zu sexuellen Handlungen (online und offline) zu überreden.

Eltern sollten deshalb BEE SECURE zufolge aufmerksam mitverfolgen und sich dafür interessieren, was ihre Kinder online tun. Diese sollten ihrerseits mitteilen, wenn jemand Unbekanntes versucht hat, mit ihnen Kontakt aufzunehmen. Die meisten Online-Dienste bieten hier eine integrierte Funktion an, um verdächtige Benutzer zu melden. BEE SECURE bietet Kindern, Jugendlichen, Eltern und Erziehern mit der Helpline (8002-1234) zudem persönliche Beratung und Orientierung an. Wenn schnelle Hilfe notwendig ist oder man Opfer eines Groomers wurde, sollte man sich umgehend an die Polizei wenden.


Mehr Informationen auf der BEE SECURE-Webseite

unter tinyurl.com/Liebe40