LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Selbstgemachte Schulschachteln nach nachhaltigen Kriterien sollen Kindern das Prinzip der Kreislaufwirtschaft vermitteln

Auch wenn immer häufiger über Kreislaufwirtschaft gesprochen wird, so ganz klar ist vielen Menschen noch nicht, wie sich ein geschlossener Ressourcenkreislauf konkret anwenden lässt. Die „Ëmweltberodung Lëtzebuerg“ (EBL) hat sich deshalb Gedanken gemacht, wie das Konzept ganz praktisch umgesetzt werden kann - und zwar mit Kindern.

Eine Schachtel als Ausgangsbasis

Herausgekommen ist das Projekt „Back to school: do-it-yourself“. Die Ausgangsidee ist dabeirecht simpel: Schüler sollen ihre eigene Schachtel aus nachhaltigen Ressourcen herstellen. Dazu sollen sie lernen, das Design am Computer zu entwerfen und die Anfertigung der Teile sowie den Zusammenbau begleiten. Am Ende soll dabei eine modulare, aus lokalen und nachhaltigen Ressourcen bestehende und letztlich kompostierbare Schachtel herauskommen. „Die Idee ist es, Wissen zu schaffen“, sagt Michel Wilwert, der das Projekt koordiniert. Während die Schüler auf ihre eigene Schachtel hinarbeiten, eignen sie sich neues Wissen an und lernen so auch einiges über herkömmliches Schulmaterial aus dem Supermarkt oder der Buchhandlung. Beispielsweise bedeutet die Verwendung von nicht-recyclierbaren Materialien die Entstehung von jeder Menge Müll.

Zudem können Kugelschreiber, Blei- und Filzstifte auch gesundheitsschädliche Stoffe enthalten wie Schwermetalle oder Weichmacher, mit denen Kinder tagtäglich in Kontakt kommen. Wer hat nicht als Kind auf Buntstiften oder Kugelschreibern herumgekaut? „Das Projekt der eigenen Schulschachtel wird so zum pädagogischen Instrument“, führt Wilwert aus. Ergänzt wird das Projekt durch einen Experimentierkoffer, mit dem Schüler lernen, welchen Einfluss Kaufentscheidungen auf Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft haben. .Das pädagogische Material geht etwa auf die Herstellung von Papier ein. Komplettiert wird es durch Online-Inhalte wie ein Quiz.

Ökologisches Bewusstsein bei Kindern schaffen

Aus heiterem Himmel ist das Projekt nicht entstanden. „Back to school: do it yourself“ baut auf bestehendes Wissen und Aktionen auf. So etwa die Initiative „Ech kafe clever“, eine breite Zusammenarbeit zwischen EBL, SuperDreckskëscht und verschiedenen Ministerien, die vor einigen Jahren auf die Förderung umweltfreundlicher und gesundheitlich unbedenklicher Schulmaterialien abzielte. In den vergangenen Jahren ist auch das nationale Institut für nachhaltige Entwicklung INDR hinzugestoßen. Das Ergebnis sind regelmäßig aktualisierte Produktlisten mit umweltfreundlichen und gesundheitsunschädlichen Schul- und Büromaterialien. Wilwerts Erfahrung nach haben inzwischen alle bekannten Hersteller ökologisch zumindest weniger bedenkliche Produkte in ihren Sortimenten. Das notwendige ökologische Bewusstsein wollen die Projektverantwortlichen nun direkt bei den Kindern schaffen.

Wie das Projekt konkret vonstatten gehen wird, hängt zum Teil vom Feedback ab und von den Ressourcen der Schulen, etwa die Verfügbarkeit von Rechnern. Angedacht ist zunächst eine Begleitung von drei Klassen. Derzeit nimmt das EBL-Team Kontakt mit Grundschulen auf. Auf jeden Fall sollen die ersten Schüler bis zu den Sommerferien ihre Schulschachteln in den Händen halten können. „Wir wollen unsere Zusammenarbeit so weit wie möglich ausweiten“, meint Wilwert. Im Gespräch ist etwa eine Synergie mit dem Holz-Cluster. „Das Material und das Know-how sollen aus der Region kommen“.

Projekt soll landesweit eine Eigendynamik entwickeln

Wünschenswert wäre in Wilwerts Augen, wenn das Projekt eine Eigendynamik entwickeln würde. Die ersten Schachteldesigns werden zu diesem Zweck im Sinne einer Open Source-Vorgehensweise online gestellt, sodass Schulen, Gemeinden oder andere Vereine auch aus Eigeninitiative heraus das Projekt umsetzen können. Die dann beispielsweise örtliche Schreiner mit ins Boot nehmen könnten. „Wir wollen mit diesem Projekt den Anstoß geben“, sagt Wilwert. Außerdem spricht nichts dagegen, die Idee weiterzuspinnen und Lineale sowie weitere Unterrichtsgegenstände zusammen mit den Schülern im Sinne der Kreislaufwirtschaft anzufertigen.

Das Projekt ist eines von zehn von der „Oeuvre de Secours Grande Duchesse Charlotte“ im Rahmen des „Yes We Care“-Aufrufs unterstützten Projekte. Die „Ëmweltberodung“ erhielt dafür etwas mehr als 7.000 Euro.

Mehr Informationen gibt es unter ebl.lu und unter ech-kafe-clever.lu