LUXEMBURG
EMILE EICHER

Am 18. Juli 1983 trat das Gesetz zur „Conservation et la protection des sites et monuments nationaux“ in Kraft. Es war ein Meilenstein in Sachen Denkmalschutz und Kulturerbe. Mehr als 35 Jahre später schickte die zuständige Ministerin Sam Tanson im August 2019 diesbezüglich einen neuen Gesetzesentwurf auf den Instanzenweg. Und den haben das SYVICOL und sein Präsident Emile Eicher unter die Lupe genommen.

„Der Gesetzesentwurf N°7473 über das ‚Patrimoine culturel‘ hat es in sich. Nicht nur wegen der 140 Artikel, sondern weil er einen echten Paradigmenwechsel darstellt. Einerseits wird eine sogenannte ‚zone d’observation archéologique‘ eingeführt. Nahezu die gesamte Fläche unseres Landes soll als potenziell mögliche Fundstätte von archäologischen Überresten eingestuft werden. Hinzu kommt, dass alle Bau-, Abbruch- oder Ausgrabungsarbeiten, für die eine Bau- oder Abbruchgenehmigung notwendig sind, spätestens bei der Einreichung des Antrages vom Auftraggeber der Ministerin zur Begutachtung des archäologischen Potenzials vorgelegt werden müssen.

Auch wenn Baustopps so vermieden werden, befürchtet das SYVICOL, dass es zu einer Verlangsamung der Aktivitäten im Bauwesen kommt. Können wir uns das angesichts der prekären Lage auf dem Wohnungsmarkt leisten? Das SYVICOL plädiert für eine moderatere Herangehensweise und empfiehlt wie beim Gesetzesprojekt N°7237 zur ‚Protection des sols et de la gestion des sites pollués‘ das Schaffen eines speziellen Registers, das nur jene Grundstücke in Betracht zieht, die als potenziell gefährdet gelten, sowie jene, die bereits Teil von Umweltstudien waren.

Andererseits hat das Ministerium damit begonnen, ein Inventar von jenen Denkmälern, Gebäuden, Höfen, Kirchen und architektonischen Sehenswürdigkeiten zu erstellen, die als schützenswert klassiert werden. Gemeinde für Gemeinde wird so durchkämmt. Heraus kommen dicke Schmöker von über 600 Seiten, wie dies für die Fusionsgemeinde Helperknapp der Fall ist. Zehn Jahre Zeit will man sich für diese Mission geben. Wir zweifeln daran, dass dies in diesem Rahmen machbar ist. Das SYVICOL ist der Ansicht, dass eine etwas weniger rigorose Herangehensweise sinnvoll wäre. Nach der Klassierung riskieren zahlreiche Gebäude, kommerziell und wohnungstechnisch gesehen, nutzlos zu sein. Ein eigens dafür eingerichteter Fonds könnte Abhilfe schaffen.

Denkmalschutz oder Wohnungsmarkt? Aus Sicht des SYVICOL wirft der Gesetzesentwurf eine Menge Unklarheiten auf. Der eine Minister verschärft den Denkmalschutz. Der andere Minister will mehr Wohnraum schaffen. Beides ist in meinen Augen nicht vereinbar. Wo bleibt die Kohärenz?

Ungeachtet dessen ist es aber so, dass Denkmalschutz und das Kulturerbe uns alle, und damit auch die 102 Gemeinden angehen, da sie Bestandteil dessen sind, was gemeinhin als nationale Identität bezeichnet wird.“