LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Von 2015 bis 2018 wurden und werden im Norden über 30 Windräder errichtet

Obwohl Windkraftanlagen zu den unproblematischen Energiequellen gehören, sind auch sie nicht unumstritten. Dennoch gehören sie zu den effizientesten Alternativen zu Kernkraftwerken oder fossilen Energiequellen. Dessen ist sich auch der liberale Nordabgeordnete André Bauler bewusst, insbesondere der Tatsache, dass sie die Abhängigkeit vom Atomstrom reduzieren. Allerdings sieht Bauler auch den Einfluss der Windräder auf die Landschaft. Um genaueres darüber zu erfahren, wie sich die Zahl der Windkraftanlagen im Norden des Landes in nächster Zeit entwickeln wird, stellte er eine ausführliche parlamentarische Anfrage an den für Energie zuständigen Wirtschaftsminister Etienne Schneider (LSAP) und an Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng).

Windkraft in den Nordkantonen

Bauler bezog sich ganz konkret auf den Zeitraum seit 2015 und die Kantone Diekirch, Clervaux, Vianden und Wiltz. Wo und wie viele Anlagen dort bis 2017 oder 2018 errichtet werden? Wie hoch ist ihre Leistung und auf welche Lebensdauer sind sie ausgelegt? Nach welchen Vorgaben werden die Standorte ausgesucht und werden dabei die im Naturschutzgesetz genannten Faktoren, wie etwa die „Schönheit der Landschaft“, berücksichtigt? Stellen die Windräder eine potenzielle Gefahr für Zugvögel und die heimische Vogelwelt dar?

Die gemeinsame Antwort der beiden Minister fiel entsprechend umfassend aus. Im Jahr 2015 wurden in den genannten Kantonen drei Windräder im Windpark „Kehmen-Heischent“ an das Stromnetz angeschlossen. Die drei Windräder stehen in der Gemeinde Bourscheid und liefern 13,3 Millionen Kilowattstunden (kWh) jährlich. Die Energiemenge entspricht dem jährlichen Stromverbrauch von 2.950 Vierpersonenhaushalten und eine Reduktion des CO2 Ausstoßes um 8.650 Tonnen.

2016 - weitere Windparks

Auf dem Territorium von Wiltz gehen im „Wandpark Rulljen-Géisdref“ vier Windräder mit einer Leistung von 24,9 Millionen kWh ans Netz. Diese Energiemenge reicht aus um 5.500 Vierpersonenhaushalte ein Jahr lang mit Energie zu beliefern. Das Einsparungsäquivalent für CO2 liegt bei 16.200 Tonnen.

Im „Wandpark Housen-Pëtschent“ liefern insgesamt sechs Windräder auf den Territorien von Putscheid und Parc Hosingen 35,9 Millionen Kilowattstunden zur rechnerischen Jahresversorgung von 8.000 Vierpersonenhaushalten. Das Einsparungspotenzial liegt bei 23.400 Tonnen CO2. In einem der ältesten Windparks, dem „Wandpark Hengischt“, Gemeinde Clerf, ersetzen unter anderem, in diesem Fall in der Phase VI, zwei neue Windräder acht Altanlagen. Die nunmehr drei Windräder an diesem Standort schaffen gemeinsam eine Energieleistung von zehn Millionen Kilowattstunden, was dem Verbrauch von 2.200 Haushalten entspricht und 6.500 Tonnen CO2 einspart.

Mit sieben Windrädern will „Ökostroum Weiler“ in Ulflingen 51,5 Millionen kWh Strom erzeugen, ausreichend für 11.500 Vierpersonenhaushalte.

Zeitraum 2017 bis 2018

Bis 2018 soll der Windpark „Harel - Walter - Eeschpelt“ mit fünf Windrädern in der Stauseegemeinde Realität werden. Erwartet wird eine Leistung 22,3 Millionen kWh für 4.950 Haushalte.

Außerhalb der von Bauler genannten Nordkantone sollen im Windpark „Garnich“ ab 2018 drei Windräder mit einer Leistung von 21,5 Millionen kWh, mit Energie für 4.750 Haushalte, ans Netz gehen.

Je höher desto besser

Die Standortwahl für ein Windrad hängt von der Ergiebigkeit der gemessenen Windverhältnisse, der Infrastruktur (Zufahrt, Stromnetz etc.) und vom möglichen Auswirkungen auf Natur und Mensch ab. Die Energieausbeute wird von der durchschnittlichen Windgeschwindigkeit und der Höhe des Windrades bestimmt. Je höher, desto besser ist die Energieausbeute. Laut der ministeriellen Antwort sind Windräder auf eine Lebensdauer von zwanzig Jahren ausgelegt.

Belastungen ausschließen

Faktoren die negative Auswirkungen auf Menschen haben können, sind laut Schneider und Dieschbourg vor allem Lärm und Schattenwurf. Daher muss ein Mindestabstand zu bewohnten Gebieten eingehalten werden. Naturschutzgebiete sind als Standorte für Windräder weitgehend tabu, ebenso Gebiete, in den bestimmte Vogelarten vorkommen. In die Umweltprüfung werden auch die Zufahrten und notwendigen Stromleitungen miteinbezogen.